Was mir Hoffnung gibt
Predigt am Ewigkeitssonntag - 21- November 2010
Pfarrer Detlev Schuchardt, Bad Lippspringe
II. Reihe: Offb 21,1-7
- Dieser Gottesdienst wurde direkt im Radio auf WDR 5 übertragen! -
Lied: Gott des Himmels und der Erden EG 445
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
- Amen.
Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, - der Himmel und Erde gemacht
hat.
Der Herr sei mit euch. - Und mit deinem Geist.
Der Wochenspruch steht im Lukas-Evangelium im 12
Kapitel: „Lasst eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter
brennen.“
Liebe Hörerinnen und Hörer,
„was mir Hoffnung gibt“ – darum soll es gehen am letzten Sonntag des
Kirchenjahres. Wir nennen diesen Tag auch den „Totensonntag“, weil
wir an die Verstorbenen
des zu Ende gehenden Kirchenjahres erinnern
, weil dieund die
Trauernden nicht ohne Trost bleiben sollen.
Der Name des heutigen Sonntags lautet:
„Ewigkeitsonntag“.
Es versucht,Wir blicken hinüber zu
blicken über dieden
„letzten Dinge“ des Lebens,.
will sich nichtWir
wollen uns nicht abfinden mit der Endlichkeit des Lebens. „Hinterm
HorziontHorizont
gehtsgeht’s
weiter“ – nach dem Tod kommt noch etwas:
Aber was? Wie sieht sie aus, die Ewigkeit? Was sagt Jesus,
was sagt die Bibel darüber?
„Was mir Hoffnung gibt“ – was hat das „ewige Leben“, das nach dem
Tod auf uns wartet, mit meinem Leben hier auf der Erde zu tun? Macht
mir diese Vorstellung von dem neuen Leben ganz in der Ewigkeit
Gottes jetzt und hier Hoffnung? Macht sie mir Angst?
Um diese Fragen soll es
in diesem Gottesdienst am Ewigkeitssonntagheute Morgen gehen.
Wir können nicht alle
Fragen beantworten, aber wir möchten Sie neugierig machen, ob nicht
Funken der Hoffnung in den Bildern von der Ewigkeit Gottes stecken
können, die auch Ihr Herz berühren. Klänge und Töne spielen
in diesem Gottesdienstdabei
eine große Rolle, Musik und Gesang. Für viele Menschen vermitteln
gerade Choräle und Kirchenmusik mehr
Zuversicht und Hoffnung als Worte sie ausdrücken können.
Deshalb wünschen wir Ihnen die Offenheit von Ohren und Herzen, dass
Sie durch diesen
Gottesdienst selbst Hoffnung erleben und spüren und
weitertragen in Ihr Leben und das Leben anderer.
Der ewige Gott segne unseren Gottesdienst,
alle Gäste und Glieder
der Gemeinde nach dem Reichtum seiner Gnade. Amen.
Wir beten die Worte des Psalm 126,
im EG unter der Nummer 754 – Frauen und Männer im Wechsel. Die
Frauen beginnen …:
Ein Lied im höhern Chor. Wenn der Herr die
Gefangenen Zions erlösen wird, so werden wir sein wie die
Träumenden.
Dann wird unser Mund voll Lachens und unsere Zunge voll Rühmens
sein. Da wird man sagen unter den Heiden: Der Herr hat Großes an
ihnen getan.
Der Herr hat Großes an uns getan; des sind wir fröhlich.
Herr, wende unser Gefängnis, wie du die Wasser gegen Mittag
trocknest!
Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten.
Sie gehen hin und weinen und tragen edlen Samen und kommen mit
Freuden und bringen ihre Garben.
Kyrie
Herr Gott, da kommen wir zu dir.
Was können wir hoffen?
Einen neuen Himmel?
Eine neue Erde?
Ach, uns liegt die alte Erde
auf der Seele,
eine Last, die wir kaum tragen mögen.
Wir spüren, woran wir zu tragen haben:
An unserer eigenen Hoffnungslosigkeit.
an unserer eigenen Sprachlosigkeit,
wenn uns Leid und Tod begegnen.
Wie sollen wir andere zur Hoffnung ermutigen,
wenn uns selbst Bilder der Hoffnung fehlen?
Wir bitten: Herr, erbarme dich.
Kurze Improvisation zum Kyrie von Blasius Ammon -
auf der Klarinette
Herr Gott, da kommen wir zu dir.
Was können wir hoffen?
Wer bewahrt uns davor, falsche Hoffnung zu verbreiten?
Nichts ist schlimmer, als die Augen zu verschließen, wenn Menschen
Hilfe brauchen.
Oft möchten wir wegschauen, vertrösten lieber, als dass wir wirklich
den Schmerz aushalten und mit ganzer Kraft zu trösten versuchen.
Wie oft ist es nur Feigheit, die schlimmen Dinge um uns nur hin zu
nehmen.
Wie oft haben wir gerade nicht den Mut, Dinge zu ändern, die wir
ändern können und wie oft fehlt es uns an der Weisheit, das eine von
dem anderen zu unterscheiden.
Wir können nur mit unserem Kleinmut, unserer Verzagtheit, unserem
Versagen vor dich kommen.
Wir bitten: Herr, erbarme dich.
Kurze Improvisation zum Kyrie von Blasius Ammon
- auf der
Klarinette
Herr Gott, da kommen wir zu dir.
Was können wir hoffen?
Uns erreicht uns eine Hiobsbotschaft nach der anderen. Bilder von
Kriegen, von Hunger, von Naturkatastrophen aus aller Welt.
Was können wir hoffen?
Mitten in unserem Leben: Das Sterben. Es tut so weh, wenn uns der
Tod den liebsten Menschen nimmt, den wir auf Erden hatten. Ist das
gnädig? Manchmal möchten wir dich, Gott, für unser eigenes Unglück
verantwortlich machen, dich, der du doch ein Gott der Lebenden und
nicht der Toten bist - und der du nicht den Tod willst, sondern das
Leben.
Unser Herz ist so klein, die Angst macht unser Denken eng.
Wir wagen nicht zu hoffen, sondern lassen uns einfangen von Bildern
des Todes.
Mache unser Herz weit und zeige uns in unserem Dunkel das Licht von
Ostern, vom Tag deiner Auferstehung, vom göttlichen Sieg über den
Tod.
Wir bitten: Herr, erbarme dich.
Kantorei: Kyrie von
Blasius Ammon
Einladung zum Gloria
Ehre sei Gott in der Höhe!
Gott hat in Jesus Christus den Tod besiegt. Das letzte Wort – es hat
die Liebe, die in Jesus Mensch geworden ist. Deshalb können wir laut
und befreit singen, weil Gott alles für uns getan hat. Er hat den
großen Horizont der Hoffnung eröffnet, angesichts dessen unsere
eigene Angst verblasst.
Kantorei: Gloria sei dir gesungen … (J.S.Bach)
Kollektengebet
Gott, Vater Jesu Christi,
und du wartest auf uns;
du hast den Stein weggewälzt vom Grab.
Und im Morgendämmern ahnen wir
Leben aus der Auferstehung.
Noch unter Tränen hören wir
Worte des Lebens.
Noch beschattet vom Dunkel des Todes
sehen wir den neuen Morgen dämmern.
Durch Jesus Christus, deinen Sohn, unsern Herrn, der
mit dir im Heiligen Geist lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.
Lesung Jesaja 65, 17ff.
| Denn siehe, ich will einen neuen Himmel und neue Erde schaffen, daß man der vorigen nicht mehr gedenken wird noch zu Herzen nehmen, | |
| sondern sie werden sich ewiglich freuen und fröhlich sein über dem, das ich schaffe. Denn siehe, ich will Jerusalem schaffen zur Wonne und ihr Volk zur Freude. | |
| Und ich will fröhlich sein über Jerusalem und mich freuen über mein Volk; und soll nicht mehr drinnen gehöret werden die Stimme des Weinens noch die Stimme des Klagens. | |
| Es sollen nicht mehr da sein Kinder, die ihre Tage nicht erreichen, oder Alte, die ihre Jahre nicht erfüllen, sondern die Knaben von hundert Jahren sollen sterben, und die Sünder von hundert Jahren sollen verflucht sein. | |
| Sie werden Häuser bauen und bewohnen; sie werden Weinberge pflanzen und derselbigen Früchte essen. | |
| Sie sollen nicht bauen, das ein anderer bewohne, und nicht pflanzen; das ein anderer esse. Denn die Tage meines Volks werden sein wie die Tage eines Baumes, und das Werk ihrer Hände wird alt werden bei meinen Auserwählten. | |
| Sie sollen nicht umsonst arbeiten noch unzeitige Geburt gebären, denn sie sind der Same der Gesegneten des Herrn und ihre Nachkommen mit ihnen. | |
| Und soll geschehen, ehe sie rufen, will ich antworten; wenn sie noch reden, will ich hören. | |
| Wolf und Lamm sollen weiden zugleich; der Löwe wird Stroh essen wie ein Rind, und die Schlange soll Erde essen. Sie werden nicht schaden noch verderben auf meinem ganzen heiligen Berge, spricht der Herr. |
Kantorei Alliluja (Bulgarischer Hymnus)
Lied Wachet auf, ruft uns die Stimme
EG 147, 1,2
Lesung Matthäus 25,1-13
| Dann wird das Himmelreich gleich sein zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und gingen aus dem Bräutigam entgegen. | |
| Aber fünf unter ihnen waren töricht, und fünf waren klug. | |
| Die törichten nahmen ihre Lampen, aber sie nahmen nicht Öl mit sich. | |
| Die klugen aber nahmen Öl in ihren Gefäßen samt ihren Lampen. | |
| Da nun der Bräutigam verzog, wurden sie alle schläfrig und entschliefen. | |
| Zur Mitternacht aber ward ein Geschrei: Siehe, der Bräutigam kommt; gehet aus ihm entgegen! | |
| Da stunden diese Jungfrauen alle auf und schmückten ihre Lampen. | |
| Die törichten aber sprachen zu den klugen: Gebt uns von eurem Öle; denn unsere Lampen verlöschen! | |
| Da antworteten die klugen und sprachen: Nicht also, auf daß nicht uns und euch gebreche. Gehet aber hin zu den Krämern und kaufet für euch selbst! | |
| Und da sie hingingen zu kaufen, kam der Bräutigam; und welche bereit waren, gingen mit ihm hinein zur Hochzeit. Und die Tür ward verschlossen. | |
| Zuletzt kamen auch die andern Jungfrauen und sprachen: Herr, Herr, tu uns auf! | |
| Er antwortete aber und sprach: Wahrlich, ich sage euch, ich kenne euer nicht. | |
| Darum wachet! Denn ihr wisset weder Tag noch Stunde, in welcher des Menschen Sohn kommen wird. |
Glaubensbekenntnis
LIED 153 Der Himmel,
der ist, ist nicht der Himmel, der kommt
Einleitung zur Lesung
Friede sei mit euch und die Gnade Gottes in Jesus Christus. Amen.
Liebe Schwestern und Brüder, liebe Hörerinnen und Hörer!
Was nach dem Tod kommt,
liebe Schwestern und Brüder, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer,
- darüber können wir doch gar nichts Genaues wissen. Es ist doch
noch keiner zurückgekommen, sagt man. Wir Christen sagen: Stimmt
nicht ganz. Einer schon. Jesus.
Aber wie es denn da genau aussieht nach dem Tode, hat er uns auch
nicht verraten. Vielleicht, weil das unseren Verstand weit
übersteigt.
Aber wir Menschen
finden uns nun einmal nicht ab mit den Grenzen unserer
Vorstellungskraft. Früher galt es als unvorstellbar zu fliegen oder
sich über viele Kilometer
per mittels
technischen technischer Geräten
wie Handys oder auch Radios zu verständigen.
Auch über das, was nach dem Tod kommt, haben Menschen zu allen
Zeiten geforscht und spekuliert. Viele Bücher sind darüber
entstanden. Da gab es etwa zu lesen, dass Gott die Toten
wiedererweckt mithilfe einer 1000 Ellen langen Posaune und sie dann
mit sieben Posaunenstößen erschrecken wird.
Eine Vorstellung, von der auch die Offenbarung des Johannes, das
letzte Buch unserer Bibel, stark beeinflusst ist. Aber im Gegensatz
zu den anderen Büchern will sie nicht spekulieren und in Angst und
Schrecken versetzen. Sie handelt wohl äußerlich auch vom
Weltuntergang. Aber sie hat etwas ganz Besonderes. Dieses Besondere
lässt sich in unserem Predigttext entdecken. Etwas, was ganz viel
mit dem Hier und Jetzt zu tun hat.
LESUNG (Lektorin):
Offenbarung 21, 1-7
Ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde;
denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen,
und das Meer ist nicht mehr.
Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem
Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren
Mann.
Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach:
Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen!
Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein,
und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein;
und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen,
und der Tod wird nicht mehr sein,
noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein;
denn das Erste ist vergangen.
Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu!
Und er spricht: Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und
gewiss! Und er sprach zu mir: Es ist geschehen.
Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende.
Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers
umsonst.
Wer überwindet, der wird es alles ererben,
und ich werde sein Gott sein, und er wird mein Sohn sein.
Predigt:
Liebe Gemeinde,
ein Buch, das von den letzten Dingen handelt, spricht von einem
neuen Anfang. Haben Sie
das Besondere entdeckt? Nun, es ist ein Text von einem neuen Anfang
- gar nicht von einem Ende. Gott fängt noch einmal mit uns
von vorne an! Es ist ein Text der hoffen lässt und ermutigt.
Hoffnung und der
Ermutigung: Gott wohnt bei den Menschen! Er ist eben nicht
der furchterregende Posaunenbläser, der die endgültige Vernichtung
der Menschen will, selbst derer, die schon gestorben sind.
Gott ist ganz nahe! Er begibt sich in das Elend und die
Todesverfallenheit der Menschen. Er erklärt die Tröstung und Rettung
aus Trauer und Tod, Leid und Schmerz zu seiner eigenen
Sache. Gott lässt die Menschen nicht allein, die Angst haben vor
dem Tod! In den Krankenhäusern und Altenpflegeheimen, den
Palliativstationen, im Hospiz; zu Hause und bei den begleitenden
Angehörigen – da ist er
nahe, spürbar nahe, hält auch das Schweigen aus, das Klagen, das
verzweifelte Schluchzen, die stumme Verzweiflung.
Gott ist ganz nahe – gerade im Halbdunkel, im Übergang von Schatten
und Licht, an den Schwellen des Lebens, den Übergängen. In der
Nacht, im Zwielicht, in der Verlassenheit, im Halbdunkel eines
armseligen Stalles kommt sein Sohn zur Welt.
Begreifen wir, liebe Schwestern und Brüder, das Besondere der
Offenbarung des Johannes?
Gott fängt wieder von vorne an. Er nimmt Wohnung bei den Menschen.
Es ist eigentlich schon ein Hinweis darauf: wir sind unterwegs auf
Weihnachten zu. auf das
Unterwegssein zu Weihnachten:
Klarinette: Motiv: Die Nacht ist vorgedrungen …
Ich weiß noch wie heute:
, wie ich auch ich stand an einem düsteren Herbsttag auf dem
Friedhof stand als
mMeine Mutter
wurde beerdigt wurde.
Ich weiß nicht mehr genau, was der Pfarrer sagte.
Ich weiß nur, mitten in dem
schmerzlichen Moment als die nasse Erde auf den Sarg geworfen wurde,
alles so trostlos schien, war in mir ein Gedanke: „Das war nicht
alles! Meine Mutter war in ihrem Leben immer für eine Überraschung
gut, das ist nicht das Ende, es kommt noch etwas für sie!“ Ich
wusste nicht, was da genau kommen sollte, aber das war
merkwürdigerweise auch nicht wichtig. Dieser Gedanke half mir zum
Weiterleben.
Heute lese und höre ich den Text aus der Offenbarung des Johannes
als einen Text zum Weiterleben. Es kommt n och etwas! Der Tod kann
nicht einen endgültigen Schlussstrich ziehen. Dazu ist das, was an
Ostern passiert ist, viel zu stark!
Der auferstandene Jesus sagte seinen Jüngern immer zuerst
dieses: "Fürchte dich nicht!" Gott ist denen nahe, die ihn brauchen.
Und mehr: Gott spricht: "Siehe, ich mache alles neu!" Gott lässt
nicht im Tode, er schenkt denen, die zu verzweifeln drohen, neue
Hoffnung.
"Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers
umsonst. " Das ist das eigentliche Evangelium , der Kern der frohen
Botschaft unseres Textes: Gott gibt uns das, was wir brauchen,
gratis. Wir brauchen es uns nicht zu verdienen.
Wir brauchen nicht zu zittern vor der schrecklichen Posaune, die uns
Angst machen will. Gott kommt als der, der Wohnung nehmen will unter
uns. Er will trösten und uns die Tränen abwischen. Er wird nicht
verurteilen und bestrafen,
als der, für den Trösten und Tränen abwischen seine eigentliche
Aufgabe ist und eben nicht das Verurteilen und Bestrafen.
Gott kommt in unsere
todesverfallene Welt voller Leid und Angst. Er bringt Licht
in die Nacht unserer Sprachlosigkeit.
Klarinette: Motiv: Die Nacht ist vorgedrungen …
Das Bild vom neuen
Himmel und der neuen Erde, das Bild vom Neuanfang Gottes, verhüllt
und deckt gleichzeitig auf. Es verhüllt, weil es im Unklaren lässt,
wie es denn nun genau aussieht, dieses neue Leben.
Ich weiß, dass die Aufdeckung von Geheimnissen immer viel
interessanter ist als alte Geschichten. Also, jetzt beschreib ich
Ihnen genau, wie dieses neue Leben aussieht … habe ich Sie jetzt
neugierig, hören Sie mir gerade ganz aufmerksam zu? Dann sind Sie
mir ein bißchen auf den Leim gegangen,
denn Aber ich weiß
auch nicht mehr darüber als Sie! Ich habe auch Angst vor dem Tod und
dem Sterben wie Sie. Ich brauche auch Hoffnung und Zuversicht,
brauche eine Ahnung, dass es nach dem Tod weitergeht und dass es gut
weitergeht. Manchmal beziehe ich meine Ahnung von ganz etwas anderem
als von Gedanken und Texten. Ich brauche oft Klänge und Erlebnisse,
Bilder und Eindrücke – und da bin ich nicht allein.
Gerade weil die Offenbarung durch ein Bild verhüllt, was nicht zu
sagen ist, deckt sie auf ganz
andere Art und Weise auf, worum es geht: Und es geht um die
unmissverständliche Zusage Gottes: „Siehe, ich mache
alles neu. Ich selbst wische alle Tränen ab.
Ich gebe dir, was du
brauchst, umsonst, ohne dass du etwas dazu beitragen musst.
Ich löse deine Angst. Ich schenke dir im wahrsten Sinne Hoffnung.
Hoffnung, die Halt gibt, die tröstet, die überwältigt. Dazu ist es
manchmal nötig, die Augen in unserem Kopf zu schließen und
die Augen des Herzen zu
öffnen.
Erinnern Sie sich noch, liebe Hörerinnen und Hörer, an die
Verhüllung des Berliner Reichstages durch das Künstlerpaar Christo
im Jahr 1995? Die unwirkliche Schönheit hat damals Millionen
Menschen angezogen und begeistert. Gerade durch die Verhüllung
konnte etwas, was die Augen nicht begreifen konnten, deutlich
gemacht werden.
Genauso ist das mit der Verhüllung durch die Offenbarung. Sie deckt
auf, lässt Hoffnung deutlich werden, indem sie eben nicht
spekuliert, wie denn das neue Leben aussehen wird. Sie lässt mit
anderen Augen, den Augen des Herzens, die Hoffnung wachsen: Das
Unfassbare, dass nämlich das Leben siegt und nicht der Tod, dass
Gottes Liebe und Barmherzigkeit weitergehen über den Tod hinaus,
schenkt schon neues Leben vor dem Tod. Das können wir erfahren.
Spürbar erfahren: Angst verwandelt sich in gute Gedanken, in
Zuversicht. Nicht der Tod hat das letzte Wort, sondern das Leben.
Das verändert unser Leben schon jetzt. Auf welche Weise? Vielleicht
auf diese, wie es diese kleine Geschichte ausdrückt:
„Was würdest du tun,““,
wird die Bäuerin gefragt, die gerade das Korn mäht, „wenn du
wüsstest, dass du in einer Stunde sterben müsstest? “ Sie antwortet:
„Ich würde mir auf dem Teil des Feldes, der noch zu bearbeiten
ist, ganz besondere Mühe geben …“
Jesus Christus ist auferstanden von den Toten. Er ist zurückgekommen
aus dem Tod. Sein Leben begann im Stall von Bethlehem. Schon damals
hat Gott schon längst
begonnen, Wohnung zu nehmen bei den Menschen in Not, in Todes- und
Lebensnot. Seine Botschaft, damals wie heute: Siehe, ich mache alles
neu. Es gibt immer noch einen neuen Weg ins Licht. Es geht hinter
jedem Horizont weiter. Es tut gut, auf Jesus zu schauen, der auch
Angst hatte vor dem Tod und bei dem doch die Hoffnung siegte. So
wird es ewig sein. Die Augen des Herzens können das erkennen. Amen.
Klarinette: Motiv: Die Nacht ist vorgedrungen …
Was wir Ihnen noch schuldig sind, liebe Hörerinnen und Hörer, das
sind konkrete Antworten auf die Frage: Was macht mir denn nun
Hoffnung? Wir haben in unserer Gemeinde dazu das Wort „ Hoffnung“ im
wörtlichen Sinn durchbuchstabiert. Dabei ist uns klar geworden, dass
es ist nicht das EINE Rezept für Hoffnung gibt, sondern dass
es ganz stark von der Situation und die Person abhängt, was wirklich
konkret Hoffnung macht. Vielleicht entdecken Sie ja bei dem, was
jetzt folgt, eigene Hoffnungsgedanken wieder oder lassen sich
anregen, über Ihre eigenen Hoffnungsschimmer, die ganz bestimmt auch
in Ihnen versteckt sind, nachzudenken:
Gelesen von 2 Lektorinnen, einem Lektor:
Hoffnung:
H – wie Halt: Angst und Sorgen überwältigen mich nicht, es gibt
etwas, das mich retten kann
H – wie Heimat: , wie Herzlichkeit, wie Hilfe, nicht zuletzt: wie
HimmelH
– wie „Haftpflichtversicherung“: wie gut, wenn es auch etwas in
meinem Leben gibt, wovon ich weiß, da muss ich nicht ganz allein mit
fertig werden, da gibt es noch andere Möglichkeiten
O – wie Ostern, wie die Auferstehung aus jeder Hoffnungslosigkeit
O – wie Ohne dich, ohne den auferstandenen Jesus, geht es nicht
O – wie Offenheit, Orte der Begegnung, Orte der Stille
F – wie Familie, Freunde, Freude, aber auch
F – wie Frühjahr
F – wie das Zauberwort: Füreinander, füreinander da sein, für
einander handeln
F – wie FröhlichkeitF – aber auch wie falsche Hoffnung, denn auf
Illusionen kann niemand das Haus der Hoffnung bauenF – wie
Forscherdrang, sich nicht abzufinden mit dem, was man nur
vordergründig sieht.
N – wie Nimmt mich an wie ich bin, Gott nimmt mich an wie ich bin
N – wie Nähe, wie Nachbarn, wie Nächste
U – wie Urvertrauen
U – wie unsere Kinder
Noch einmal: N – wie „Nach dem Tod kommt Leben“
N – wie Neuanfang
N – wie Natur, und ihre unglaubliche Kraft des Lebens
Und zuletzt:
G – wie Gebet,
G – wie Geduld
G – wie Geschichten aus der BibelG – wie glückliche MomenteG
– wie „gute Mächte“, und
„ Geborgenheit“ und
„ganz gewiss“ denn „von guten Mächten wunderbar geborgen
erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist mit uns am Abend und
am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“
LIED: Es wird sein in den letzten Tagen
EG 426
FÜRBITTEN
Herr, wir danken dir, dass du alles neu machen wirst. Du wirst
abwischen alle Tränen von unseren Augen. Der Tod wird nicht mehr
herrschen. Kein Leid und Klagen, auch kein Schmerz wird uns mehr
quälen. Das Dunkle und Böse muss dem Licht des Himmels weichen.
Wir danken dir, dass du uns hältst und trägst, nicht dem Tode
überlässt, sondern uns von der Quelle des lebendigen Wassers zu
trinken gibst.
Herr, wir bitten dich für alle, die um Menschen trauern, die
gestorben sind. An den Gräbern ihrer Lieben gib ihnen Hoffnung, dass
du die Auferstehung und das Leben der Ewigkeit bis. Keiner von uns
wird verloren sein, wenn wir auf dich vertrauen. Wir bitten dich für
alle, über die der Tod kommt, weil wir ihnen das Leben nicht gönnen.
Gib den Verantwortlichen in Politik und Kirche, in Wissenschaft und
Medizin, den Willen zur Erhaltung des Lebens. Behüte uns davor, dass
wir selbst nicht durch unsere eigene Lieblosig‑keit das Leben
anderer einschränken.
Herr, wir bitten dich, behüte uns in der letzten Stunde unse‑res
Lebens. Tröste und stärke uns angesichts unseres eigenen
Sterbens mit deinem Leiden und mit deiner Auferstehung. Wir
wissen, dass unsere Zeit in deinen Händen liegt. Du bist Anfang
und Ende alles Geschaffenen.
Herr, du bist der Grund unseres Lebens. Du bist das Licht unserer
Seele. Lass es in uns und in dieser Welt durch Jesus Christus hell
werden, wenn wir jetzt miteinander beten, wie er es uns gelehrt hat:
Vaterunser
Kantorei: Auf, auf gib deinem Schmerze
(J.Chr. Altnikol)
Segen
Lied 65,7 Von guten Mächten …
Orgelnachspiel: Improvisation zu „Von guten Mächten …“
© Ev. Kirche Bad Lippspringe 21.11.10