Leidenschaftlicher Glaube
Predigt am Sonntag Septuagesimä - 31. Januar 2010
Pfarrer Detlev Schuchardt, Bad Lippspringe
II.Reihe: 1.Korinther 9, 24-27
Friede sei mit euch und die Gnade Gottes in Jesus Christus, unserm
Herrn. Amen.
Liebe Schwestern und Brüder,
„Wir vertrauen nicht auf unsere Gerechtigkeit, sondern auf deine
große Barmherzigkeit.“ Das ist das Thema dieses Sonntages
Septuagesimä, 70 Tage vor Ostern. Im Evangelium haben wir gerade
gehört, wie Gottes große Barmherzigkeit aussieht: Er gibt am Ende
jedem, was er zum Leben braucht; gleichgültig, ob jemand viel
leisten konnte oder wenig – das meint das Gleichnis von den
Arbeitern im Weinberg.
Wenn es also egal ist, ob jemand viel oder wenig leistet, dann kann
man sich doch auf die faule Haut legen und möglichst wenig tun: Gott
wird es schon richten! Das wir so nicht denken sollen, dafür ist dem
Evangelium dieser Text aus dem 1.Korintherbrief an die Seite
gestellt. Der Apostel Paulus schreibt:
So ist es doch auch beim Wettlauf im
Stadion. Alle laufen, aber nur einer kann gewinnen. Ihr müsst also
laufen, damit ihr gewinnen könnt! Jeder Wettkämpfer bereitet sich
auf den Wettkampf vor, indem er Verzicht übt. Die Wettkämpfer im
Stadion tun es für einen vergänglichen Preis, wir aber tun es für
einen unvergänglichen Preis. Ich weiß, für welches Ziel ich laufe,
ich schlage nicht ziellos in die Luft, sondern hole gezielt aus. Ich
stachele meinen Leib an und halte ihn wie einen Sklaven, um selbst
glaubwürdig zu sein, wenn ich andren die Botschaft verkündige.
[Übersetzung Klaus Berger / Christiane Nord, 1999]
Soweit unser Predigttext. Gott segne unser Reden und unser Hören.
Amen.
Es ist im Glauben also überhaupt nicht egal, ob wir faul sind oder
fleißig. Paulus bringt ein Beispiel aus dem Sport: Wer nicht im
Vorfeld ausreichend trainiert, auf alles Mögliche Verzichten wie
Alkohol, ausgedehntes Feiern, fettes Essen usw., der wird im
Wettkampf nicht gewinnen.
Auch zu Paulus Zeiten gab es die Isthmischen Spiele, die in Korinth
stattfanden, auf die spielt er wohl an – oder auch auf die
olympische Spiele, die auch schon ausgetragen wurden. Vor den Erfolg
hat der Schöpfer die Schweißtränen gesetzt, von nichts kommt nichts,
ohne Fleiß kein Preis – das gilt auch im Glauben. Gerechtigkeit
allein aus Gnade oder Werke des Gesetzes ist eben kein Freibrief für
Faulheit und Bequemlichkeit, dafür, es nicht so genau mit dem zu
nehmen, was Gott von uns will.
Es ist Gott nicht egal, ob wir zum Gottesdienst gehen oder lieber
ausschlafen; ob wir Kranke und Einsame besuchen oder uns davor
drücken; ob wir in der Bibel lesen, miteinander um den Glauben
ringen oder uns lieber mit uns selbst beschäftigen und versuchen,
mit möglichst wenig Einsatz viel zu ergattern.
Ein „Christentum light“, das alles Mühsame und Unbequeme
aussortiert, hat auf Dauer keine Überlebenschance. Davon wenden sich
die Menschen ab, die wirklich auf der Suche sind nach Halt, nach
Sinn in ihrem Leben und Antworten auf ihre Fragen nach Gott.
Paulus spricht sich aus gegen ein stromlinienförmiges, angepasstes
Christentum, das sich gut eingerichtet hat in der so bequemen Ecke,
in der jeder jeden kennt und man einander in Ruhe lässt, wo man das
eigene Ich pflegt und jeder Anstrengung aus dem Weg geht, wo man
lieber am warmen Herd über die Welt schwadroniert anstatt in die
Kälte hinauszugehen und etwas zu riskieren.
Paulus nimmt die Sportler zum Vorbild. Es sagt: Die wissen
wenigstens, wofür sie all die Anstrengungen auf sich nehmen. Die
haben ein festes Ziel, einen klaren Blick auf das, was sie wollen.
Der Sieg bei einem besonderen Wettkampf, das Ganz-Oben-Stehen auf
dem Siegertreppchen – dafür lohnt es sich allemal, eine gewisse Zeit
auf etwas zu verzichten, auch wenn es manchmal schwerfällt. Das Ziel
ist dies allemal wert.
Und wir als Christen? Paulus sagt: Ich weiß genau, was mein Ziel
ist. Ich kann exakt sagen, warum ich mich so anstrenge. Meine
Aktivitäten sind gutbegründet und nicht keine sinnlose Hektik um
anderen zu imponieren. Deshalb quäle ich mich oft genug und versuche
alles aus mir herauszuholen: Um des Evangeliums willen, um andere
Menschen die Botschaft von Jesus glaubwürdig nahe zu bringen.
Lieber Paulus, möchte ich ihm antworten, das ist der Schlüssel zum
Erfolg: Zu wissen, was das eigene Ziel ist. Ganz fest davon
überzeugt zu sein, dass alle Quälerei, aller Hohn und Spott, der
über einen ausgegossen wird, nicht umsonst sein werden. Ich erinnere
noch einmal an unsere Jahreslosung, die hier genau hinpasst: Euer
Herz erschrecke nicht: Glaubt an Gott und glaubt an mich. Wer diesen
Glauben hat, der hat einen klaren Grund, sich anzustrengen, das
Beste aus sich selbst herauszuholen. Der weiß, es lohnt sich, sich
nicht hängen zu lassen, sondern zu kämpfen. Der Glaube verleiht
Flügel – denn der Glaube setzt ungeahnte Kräfte frei, weil der
Glaube Sinn verleiht und ein klares Ziel setzt: Liebe Gott und
deinen Nächsten wie die selbst.
„Eine Gemeinde, die nicht mehr wachsen will, ist schon tot.“ Ein
Satz auf dem Neujahrempfang unseres Kirchenkreises. Positiv kann man
sagen: Eine Gemeinde, die weiß, was das Ziel ist, für dass es sich
zu kämpfen lohnt, wird ungeahnte Kräfte entwickeln.
Das ist doch eine einfache Wahrheit, die wir im Sport immer wieder
erleben: Wer nicht an den eigenen Sieg glaubt, der hat schon
verloren. Wer nicht von vornherein an die eigene Chance glaubt, der
wird sich schon schlampig auf den Wettkampf vorbereiten und gar
nicht das letzte aus sich herausholen.
Paulus sagt: Das gilt genauso für den Glauben – und recht hat er.
Wir brauchen einen leidenschaftlichen Glauben, wie Sportler einen
leidenschaftlichen Siegeswillen haben. „Glaubt an Gott und glaubt an
mich“ – und ihr werdet siegen: Das sagt Christus.
Manchmal denke ich, 5 Tage vor der nächsten Tagung unserer
Kreissynode, es meinen viel, Konzepte, Sparmaßnahmen, clevere
Strategien nach dem Prinzip: „Wie setze ich mich durch auf Kosten
anderer und keiner merkt es“ könnten Berge versetzen. Aber die Bibel
sagt: Der Glaube kann Berge versetzen. Strengt euch an, dass der
Glaube wachse und Flügel verleiht. Verzichtet um des Glaubens willen
um so manchen Ballast wie die eigene Eitelkeit, die eigene
Bequemlichkeit, den eigenen Egoismus. Christus spricht uns nicht
gerecht, weil wir so clevere Konzepte entwerfen und Strategien
entwerfen, das sind alles menschliche Werke. Christus spricht uns
gerecht allein durch die Gnade des Glaubens.
Und um diesen Glauben wachsen zu lassen, können wir ruhig schon
einmal Sonntagsmorgen etwas eher aufstehen. Können wir die Wege zu
unseren Nächsten finden. Können wir in uns Sperren und Mauern
überwinden, dass wir frei werden für Gott und die Welt.
Anstrengend? Mühsam? Unmodern? Jeder erfolgreiche Sportler, den wir
so bewundern, ist lange durch ein tiefes Tal von Schweiß und Tränen
gegangen. Haben wir wirklich erfahren, welches Glück, welcher Gewinn
ein Leben aus dem Glauben an Jesus bringt, dann ist uns kein
Verzicht zu groß. Also: schauen wir auf das Ziel, schauen wir auf
die Verheißung: auf Jesus Christus, den Anfänger und Vollender des
Glaubens.
Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre
eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserm Herrn. Amen.
© Ev. Kirche Bad Lippspringe 31.01.10