Und alle, die es hörten, wunderten sich darüber
Predigt in der Christvesper für Jugendliche - 24.12.2009
Pfarrerin Antje Lütkemeier, Bad Lippspringe
Predigttext: Lukas 2,1-20
Maria und Josef und das niedliche Neugeborene in einer Krippe. Wir
haben uns alle an dieses Bild gewöhnt, in vielen vielen Bildern
überall und Krippen zu Hause.
Nun, es mag ja etwas provisorisch gewesen sein im Stall, etwas
ärmlich und kalt, aber doch auch ganz romantisch, nicht wahr?
Da liegt es, das Kindlein auf Heu und auf Stroh. (Textsicher haben
Sie erkannt, ich zitiere eine Strophe des Liedes: Ihr Kinderlein
kommet) Maria und Josef betrachten es froh.
Ein Ochse und ein Esel gehören dazu. Und natürlich auch: die
redlichen Hirten knien betend davor, hoch droben schwebt jubelnd der
Engelein Chor.
So haben wir das gern zu Weihnachten. Und das ist ja auch nicht
schlimm. Nur: wir haben das Wundern und Staunen verlernt. In der
Weihnachtsgeschichte, die Lukas aufschreibt heißt es: „Und alle, die
es hörten, wunderten sich darüber“. Und deshalb bin ich den
Krippenspielerinnen und Krippenspielern ganz dankbar, dass sie uns
ein Krippenspiel zum staunen und wundern gezeigt haben. Kein Idyll
und gar nicht sozialromantisch. Sie zeigen uns genau das Leben, in
das hinein Gott geboren wird.
Keine heilige und heile Familie, die einen Maßstab setzt, den zu
keiner Zeit alle Menschen genügen konnten. Vater, Mutter, Kind, das
haben wir im Kindergarten gespielt, die Wirklichkeit sieht oft
anders aus: Patchwork-Familien, Alleinerziehende, Paare mit und ohne
Kinder, Menschen, die alleine leben. All das ist unsere Realität, in
der Gott zum Gott an unserer Seite werden will.
Die Jugendlichen haben die Geburt in einem Slum in irgendeiner
Großstadt dieser Welt stattfinden lassen. Und auch das finde ich
ganz genau passend: Bethlehem ist kein Ort im Himmel, auch wenn uns
das manchmal so scheinen mag. Bethlehem war damals kein Idyll und
ist es jetzt schon längst nicht mehr. Bethlehem damals und heute
eine Stadt mit großen politischen und sozialen Problemen, keine
begehbare Mega-Krippe.
Tabea und Anja kamen im Spiel von ihrer Schlafstätte unter einer
Brücke zum Kind. Auf den ersten Blick hat das nichts gemein mit „den
redlichen Hirten“. Und doch: Auch die hatten kein Dach über dem
Kopf, auch die waren damals die fast unterste Schicht der
Gesellschaft, immer im Verdacht, den anständigen Leuten den schwer
erarbeiteten Besitz wegzunehmen.
Aber die romantischere Version von Hirten, verklärt durch die
Jahrhunderte, die in unserem Leben nicht mehr auftauchen, ist
natürlich besser zu ertragen.
Schwer fasziniert bin ich von den drei It-Girls, Paris Hilton im
Dreierpack, auf der Suche nach dem GlitzerDings. Und als dann Imke,
Kathrin und Laura das Glitzerdings finden, werden sie mit etwas ganz
anderem konfrontiert, was sich als sehr viel kostbarer herausstellt.
War die Sache mit den heiligen drei Königen oder Weisen aus dem
Morgenland sooo anders? Sie kommen um dem König der Juden zu
huldigen und landen bei einem normalen Kind in einer Stallhöhle. Den
Leuten von Bethlehem müssen die drei schon vorgekommen sein, wie aus
einer völlig anderen Welt. So wie drei Jet-Setterinnen im Slum.
Mir geht es eigentlich so wie Kai, dem Geschäftsmann, der sagt: Ich
will eigentlich gar nicht wissen, was passiert. Ich will nur meine
Zeitung lesen.
Ist es denn nicht wenigstens an Weihnachten erlaubt, ein wenig
Idylle und Romantik ins Leben zu lassen. Ein bisschen Kerzenschein,
Sentimentalität und Traumwelt. Leben ist doch ansonsten schon
kompliziert genug für alle, egal wie alt und egal aus welcher
gesellschaftlichen Schicht.
Ich will eigentlich gar nicht wissen, was passiert. Ich will nur
meine altvertraute Weihnachtsgeschichte lesen: es begab sich aber zu
der Zeit ….
Dagegen ist ja auch nichts zu sagen. Außer: wir verpassen dann das
wundern und staunen. Die Jugendlichen wollten mit ihrem Krippenspiel
genau dazu einladen.
Mir haben sie gezeigt, dass Gott es sehr ernst meint mit uns
Menschen.
Er wird Mensch nicht in einer Feiertags-Wohlfühl-Idylle, ebenso
vorzeigbar wie unantastbar.
Nein, Gott wird Mensch zum Staunen und Wundern. Für die
Sozialbenachteiligten unter den Brücken und für die Hirtinnen und
Hirten. Für die It-Girls und die Märchenkönige aus dem Morgenland.
Für den Zeitungsleser, für euch, Sie und mich. Und alle, die es
hörten, wunderten sich darüber. Amen
© Ev. Kirche Bad Lippspringe 31.01.10