Seifenblasen
Konfirmationspredigt am 1. und 2. Mai 2010
Pfarrerin Antje Lütkemeier, Bad Lippspringe

Liebe Konfirmandinnen, liebe Konfirmanden, liebe Gemeinde,
an dieser Stelle steht Predigt in den Gottesdienstblättern,
also habe ich jetzt noch einmal die Gelegenheit, wichtige
theologische Dinge zu erklären, Euch, den Konfis, entscheidende
Ratschläge mit auf den Lebensweg zu geben. Und das will ich
natürlich auch tun!
Aktion: Seifenblasen in verschiedenen Größen
Theologie, Kirche, Gemeinde, meine Lebensratschläge – alles
Kinderkram? Nein, deshalb habe ich die Seifenblasen nicht
mitgebracht!
Ich habe sie mitgebracht, weil ich vermute, Euch und Ihnen geht es
nicht viel anders als mir, auch wenn sie längst nicht mehr so ganz
altersentsprechend sind: ich kann mich der Faszination der
Seifenblasen nicht entziehen.
Es war immer eine Freude, mit vorsichtigem Pusten solche bunten
Blasen zu schaffen. Manchmal zerplatzten sie schon vor dem Fliegen;
manchmal kamen kleine, selten schaffte man ganz große. Und wenn sie
flogen, war das ein großes Vergnügen.
Also deshalb jetzt meine Ratschläge und Erklärungen anhand von
Seifenblasen:
1) Kleine Seifenblasen zerplatzten schon, noch bevor sie
richtig fliegen können. Besonders gelungene fliegen unaufhaltbar
davon, sie sind nicht zu bewahren. Seifenblasen festhalten
zu wollen, bedeutet, sie zu zerstören. Nur für wenige Momente
scheinen sie einem zu gehören, dann lösen sie sich und fliegen
davon. So ist es wohl mit allem Schönen in unserem Leben.
Wir können es nicht festhalten. Es ist immer nur für den Moment.
Aber dieser Moment ist kostbar und wertvoll. Wer sich gleich schon
mit dem Gedanken beschwert, dass es vergehen wird, der nimmt sich
den Zauber
der Schönheit. Wenn wir immer nur der einen schönen Seifenblase
nachschauen und nachtrauern, dann werden wir die anderen gar nicht
bemerken.
Wenn wir sie ziehen lassen, können wir neue Seifenblasen entstehen
lassen und bestaunen.
Nehmt Euch Zeit, den Augenblick auszukosten. Nehmt die Schönheit der
kleinen, unscheinbaren Dinge wahr.
2) Manche Träume und Pläne zerplatzen wie Seifenblasen oder werden
wie sie zerstört. Aber es wäre schade, sie deshalb nicht zu planen
oder zu träumen. Denn der Moment der Planung oder des Traums
verändert die Wirklichkeit. Also: Lasst Euch nicht davon abhalten,
zu planen und zu träumen. Träumt eine Welt, in der ihr leben wollt,
träumt eine Kirche, wie sie euch attraktiv scheint, träumt eine
Gemeinde, in der ihr euch wohlfühlt. Auch wenn nicht alles so kommt,
wie geplant und erträumt, ein Stück wird sich die Wirklichkeit
dadurch verändern.
Auch wenn manches zerplatzt wie eine Seifenblase, lasst Euch Eure
Kreativität, eure Phantasie nicht kleinreden.
Und die Theologie? Eben in der Lesung haben wir gehört, Jesus
vergleicht das Gottes neue Welt, das Reich der Himmel mit einem
Sauerteig, mit einer Perle oder einem vergrabenen Schatz. Ich bin
sicher, hätte er Seifenblasen gekannt, wäre ihm auch dazu viel
eingefallen, um den Menschen Gottes Welt, seine Träume für uns
Menschen, deutlich zu machen.
Seifenblasen - eine kleine Weltkugel voller Farben, für Momente ist
es wie ein Regenbogen. Mit jeder Drehung tauchen wieder andere
Farben auf.
Gott schenkt uns die Vielfalt. So wie die Seifenblasen die ganzen
Farben des Regenbogens in sich tragen.
Sie alle erzählen von Gottes Schönheit und von Gottes Liebe zum
Leben und zu uns.
Unerschöpflich ist Gottes Reichtum an schöpferischer Kraft. Gott
weiß immer neue Schönheit in unser Leben zu bringen.
Gottes neue Welt geschieht in Augenblicken, hier und jetzt, wie
Seifenblasen eben. Oder wie die Gottesdienste, die ihr gestaltet
habt, auf der Konfifahrt, oder hier in der Kirche. Das Krippenspiel
am hlg. Abend. Oder euer Teamspiel beim Konficup, z.B.
Gottes neue Welt, sein Reich der Himmel lässt sich schwer in Formen
pressen, definieren. Man muss es erleben. Aber dann ist es
begeisternd und ansteckend, faszinierend.
Amen
© Ev. Kirche Bad Lippspringe 04.05.10