
Wir säen Zukunft
Predigt am Ersten Sonntag im Advent - 28. November 2010 (Jeremia 23,5-8)
Pfarrerin Antje Lütkemeier, Bad Lippspringe
III. Reihe: Jeremia 23,5-8
Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, daß ich dem David ein gerechtes Gewächs erwecken will, und soll ein König sein, der wohl regieren wird und Recht und Gerechtigkeit auf Erden anrichten. Zu seiner Zeit soll Juda geholfen werden und Israel sicher wohnen. Und dies wird sein Name sein, daß man ihn nennen wird: Der HERR unsre Gerechtigkeit. Darum siehe, es wird die Zeit kommen, spricht der HERR, daß man nicht mehr sagen wird: So wahr der HERR lebt, der die Kinder Israel aus Ägyptenland geführt hat! sondern: So wahr der HERR lebt, der den Samen des Hauses Israel hat herausgeführt aus dem Lande der Mitternacht und aus allen Landen, dahin ich sie verstoßen hatte, daß sie in ihrem Lande wohnen sollen!
„Seht, die Zeit wird kommen“, liebe Gemeinde,
aber eigentlich ist sie doch schon da, oder? Endlich ist doch
Advent, endlich brennt doch die erste Kerze und endlich sind doch
die trüben Tage des Novembers vorbei.
Die Weihnachtsmärkte haben geöffnet, in Radio und Fernsehen werden
die schönen alten (und manchmal schönen) neuen Weihnachtslieder
gespielt, die Weihnachtsdekoration wird ausgepackt und in den Gärten
sind die Weihnachtsbäume hell erleuchtet.
Aber Moment mal – wozu brauchen wir da eigentlich Advent? Wenn es
doch von jetzt auf gleich überall weihnachtet spätestens vier Wochen
vor dem Christfest?
„Seht, die Zeit wird kommen“. Der Prophet Jeremia spricht im 6.
Jahrhundert vor Christus zu seinen Mitmenschen in unendlich dunkler
Zeit. Das Land ist erobert, unter Besatzung, vieles ist zerstört,
die bisherigen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger sind
deportiert und der Rest lebt zwar noch im Land, aber unter dem Zwang
der fremden Besatzungsmacht.
Und zu allem äußeren Druck kommen die inneren Zweifel: ist das
alles, was geschehen ist, nicht auch eine Bankrotterklärung für
diesen Gott, an den sie bisher geglaubt hatten. Wo war er? Warum
hatte Gott sie nicht geschützt? Wie konnte Gott das alles zulassen?
„Seht, die Zeit wird kommen, – so Gottes Spruch – da lasse ich
für David einen gerechten Spross erstehen; diese Person wird
umsichtig herrschen und Recht und Gerechtigkeit im Land umsetzen. Zu
jener Zeit wird Juda Hilfe zuteil werden und Israel in Sicherheit
wohnen. Ihr Name wird sein: Gott ist unsere Gerechtigkeit.“ (Jeremia
23, 5.6 Bibel in Gerechter Sprache)
In der toten und kalten Zeit versucht Jeremia mit einem Bild aus der
Natur, Hoffnung zu wecken. Ein Spross wird aufkeimen, so sagt er.
Nicht von heute auf morgen ist alles anders, alles wieder gut. Aber
wie eine Saat aufkeimt und grünt und wächst und hinweist auf das
Leben, so wird es einen geben, der kommt, unwiderstehlich die
Gewaltherrschaft beendet, der Recht und Gerechtigkeit im Land
umsetzt.
Und die, die zuhören, wissen, aus dem Haus Davids, aus der Sippe des
Königs aus alter Zeit, wird nicht nur irgendein weiterer Herrscher
kommen, sondern der von Gott gesegnete und gesandte Retter, der
Messias.
Dann, so lautet Jeremias große Vision, werden sich die Menschen
nicht mehr an vergangene Zeiten erinnern müssen, in denen sie das
Handeln Gottes erkennen konnten, an die Zeit der Befreiung aus
Ägypten nämlich. Dann werden sie sagen können: Gott lebt, der dafür
sorgt, dass seine Menschenkinder sicher und in Frieden leben können.
Dann wird Gott spürbar als „Gott mit uns“, Gott auf unserer Seite.
Seht, die Zeit wird kommen. Das ist schwer auszuhalten, wenn es hier
und jetzt dunkel und trüb und ungerecht und schwer ist. Und deshalb
verstehe ich alle Menschen gut, die schon vom ersten Advent an so
viel Licht und Wärme und Gemütlichkeit wie möglich um sich haben
wollen.
Und doch merke ich bei mir selbst an vielen Stellen, diese
Lichtfülle von heute auf morgen bleibt äußerlich, ist häufig nur
schöner Schein, der nicht auch mein Inneres berührt, erhellt und
wärmt
Seht,
die Zeit wird kommen – ich möchte Ihnen und Euch deshalb heute ein
ganz anderes Adventssymbol mit auf den Weg hin zum Christfest geben:
Eine Samentüte.
Jetzt ist natürlich nicht die Zeit zur Aussaat. Wer jetzt sät, wird
bitter enttäuscht. Die Samenkörner werden erfrieren. Jetzt ist die
Zeit der Winterbrache.
Jetzt ist die Zeit zu warten, zu planen, vorzubereiten.
Wir säen Zukunft, so steht es auf den Tüten. Und
wir bitten Sie zu entscheiden, wie Sie für sich persönlich das tun
möchten. Wenn Sie im kommenden Frühjahr diese Samen irgendwo aussäen
möchten, einfach so, in den Balkonkasten, in den Garten, wo auch
immer, zur Freude für sich und ihre Mitmenschen und die Natur, dann
nehmen Sie bitte ein einfaches Samentütchen aus den Körben. Falls
Sie vielleicht Lust haben, mitzudenken, nachzudenken, welche
gemeinsame Aktion daraus entstehen könnte, eine Vision zu entwickeln
für die Zeit, die kommen wird, dann nehmen Sie bitte eine Samentüte
mit anhängendem Begleitzettel und erfahren Sie mehr über die
Mitmach-Aktion „Wir säen Zukunft“.
Die versprochene Augen- und Bienenweide wird nicht von heute auf
morgen enttstehen.
Sie muss langsam wachsen, im Atemrhythmus des Lebens.
Jetzt ist die Zeit des Wartens, des Planens und Hoffens. Die
Zeit das Saatgut Zukunft gut zu verwahren und im Herzen zu bewegen,
was daraus entstehen könnte.
Deshalb seht, die Zeit wird kommen, – so Gottes Spruch. Amen.
Mehr zur Mitmach-Aktion Wir säen
Zukunft: Samentüte "Augen- und Bienenweide"
auf den Internetseiten von Brot für die Welt:
https://www.brot-fuer-die-welt.de/shop/Gemeindearbeit/Mitmach-Aktion/Wir-saeen-Zukunft--Samentuete--Augen--und-Bienenweide-.html
© Ev. Kirche Bad Lippspringe 06.12.10