Das wahre Licht
Predigt am 2. Weihnachtstag - 26. Dezember 2010
Pfarrer Detlev Schuchardt, Bad Lippspringe
III. Reihe: Johannes 8, 12-16
Friede sei mit euch und die Gnade Gottes in Jesus Christus, unserm Herrn. Amen.
„Am Anfang war das Wort“, „das war das wahre Licht, das alles Menschsein erleuchtet“ - das gilt es heute zu predigen, liebe Schwestern und Brüder, heute, am 2.Weihnachtstag, wo doch Weihnachten schon wieder fast vorüber ist. Am Anfang war das Wort, dann kamen Handys, SMS, Computer und Emails.
Ich darf einmal am Ende dieses Jahres ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern – oder besser (wer kennt denn noch ein Nähkästchen) – aus dem Briefkästchen meines „outlook express“:
Sent:
Tuesday, April 27, 2010 7:43 PM
Subject:
Krippe und Kreuz
Sehr geehrter Herr Kollege Schuchardt,
in GDP Passion Serie B veröffentlichte ich 1991 seine Passionsandacht unter dem
Titel "Gott leidet mit uns" (S.83-85). Ich illustrierte diese Andacht mit dieser
Filzstiftzeichnung (S.84):
Per Zufall stieß ich dieser Tage im Internet auf meine Zeichnung, die Sie in
Ihrer Predigt zum Karfreitag am 25. März 2005 verwendet und in das Internet
gestellt haben.
Gegen die Verwendung und Verbreitung meiner Zeichnung habe ich grundsätzlich
nichts einzuwenden. Im Gegenteil! Aber ich hätte wenigstens erwartet, wenn Sie
schon nicht meine Zustimmung zur Veröffentlichung einholen, dass sie wenigstens
auf meinen Namen und auf den Fundort hinweisen. Vielleicht haben Sie eine
Möglichkeit, dies noch nachzuholen.
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Protestantisches Krankenhauspfarramt
Neustadt an der Weinstraße
Krankenhauspfarrer Dr. Jürgen Grimm
Seelsorgeberater (DGfP/KSA)
Beauftragter für Supervision
Von:
Christel und Detlev Schuchardt [mailto:chr.u.de.schuchardt@t-online.de]
Gesendet: Mittwoch, 28. April 2010 18:09
An: …
Betreff:
Re: Krippe und Kreuz
Sehr geehrter Herr Kollege,
vielen Dank für Ihre Mail. Das Internet vergisst nichts! Ich entschuldige
mich, dass ich vor der Veröffentlichung Ihrer Zeichnung Sie nicht um Erlaubnis
gefragt habe. Zu meiner "Ehrenrettung" möchte ich sagen, dass wir vor 5 Jahren
hier in unserer Gemeinde noch nicht so sensibilisiert für die Urheberrechte im
Internet waren wie wir es heute - hoffentlich - sind.
Dennoch: geschehen ist geschehen und es tut mir leid.
Selbstverständlich veranlasse ich sofort, dass Name und Fundort als
Quellenangabe eingefügt werden.
Ich bin Ihnen sehr dankbar, dass Sie gegen die Veröffentlichung im Prinzip
nichts einzuwenden haben. Ihre Filzstiftzeichnung ist auch schlichtweg genial -
sie hat hier in der Gemeinde vor 5 Jahren die Gottesdienstbesucher sehr
angesprochen, daran kann ich mich noch gut erinnern.
Nun ist es nicht die richtige Zeit im Kirchenjahr, aber in der Advents- oder
Passionszeit werde ich - wenn Sie einverstanden sind - noch einmal an das Bild
erinnern (evtl. im Rahmen einer Tischabendmahlsfeier am Gründonnerstag): aber
dieses Mal verbunden mit einer Entschuldigung vor der Gemeinde, den eigentlichen
Urheber verschwiegen zu haben. Ich sende Ihnen dann gern per Mail den Text und
evt. die Reaktionen zu. So bekommen Sie selbst etwas von der
"Wirkungsgeschichte" Ihrer Zeichnung mit!
Viele herzliche Grüße in das schöne Neustadt an der Weinstraße, das ich gut
kenne -
und Gottes Segen für Ihre Arbeit in der Seelsorge, die in meiner Arbeit an einem
Kurort auch eine immer größer werdende Rolle spielt.
Beste Grüße
Detlev Schuchardt
Sehr geehrter Herr Kollege Schuchardt,
vielen Dank für Ihre Bereitschaft, Name und Fundort einfügen zu wollen. Dass
meine Zeichnung im Zusammenhang mit Ihrer Predigt so viel Anklang fand, hat mich
natürlich sehr gefreut. Und selbstverständlich dürfen Sie das Bild gerne
weiterhin verwenden. Interessant finde ich auch, zu welchen Interpretationen die
Zeichnung immer wieder neu anregt. Davon dürfen Sie mir gerne bei Gelegenheit
berichten.
Aus dem Ihnen bekannten und frühlingshaft blühenden Neustadt herzliche Grüße
Heute ist die Gelegenheit, diese einfache und einfach geniale Zeichnung noch einmal aufleben zu lassen, „aufleuchten“ zu lassen. Denn dieses Bild hat nicht nur die Krippe und das Kreuz zum Inhalt, sondern auch das Licht. Jesus, das Kind in das Krippe, zeugt von dem Licht. Gott ist das Leben, das Licht. Das Licht, das gegen die Finsternis anleuchtet, dem die Finsternis weichen muss.
Aber es gibt auch die Erfahrung: Die Menschen erkannten dieses Licht nicht. Nahmen es nicht auf. Verfolgten diejenigen, die an das Licht glaubten. Der 2.Weihnachtstag ist auch der Tag des Erzmärtyrers Stephanus, das Erinnern daran, dass Glaube und Anfechtung, Licht und Dunkel zusammengehören.
Aber auch von den anderen Erfahrungen können erzählen, liebe Schwestern und Brüder, wie es ist, wenn dieses Wort Gottes auf fruchtbaren Boden trifft, wenn es in Menschen durch Gottes Wort hell wird. Vielleicht ist es auch die Sehnsucht danach, selbst dieses Licht Gottes zu spüren, zumindest einen Abglanz davon, die Herrlichkeit, die Schönheit, die Macht Gottes zu sehen, zu erleben, dass Sie ganz durchdrungen werden von dieser Kraft der Hoffnung, des Bewusstseins, ganz und gar geliebtes Kind Gottes zu sein und der Erkenntnis, wer Gott ist, wo er wohnt, wie er aussieht, was er von uns Menschen will.
„Er, das Wort, das wahre Licht, er kam in die Welt.“
Der erwachsene Jesus hat das Bild vom menschgewordenen Licht aufgegriffen und den gesetzeskundigen Pharisäern energisch widersprochen, als er sagte: „Ich bin das Licht der Welt!“. Hören wir auf den Predigttext aus Johannes 8, Verse 12 - 16:
„Jesus sprach: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben. Da sprachen die Pharisäer zu ihm: Du gibst Zeugnis von dir selbst; dein Zeugnis ist nicht wahr. Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Auch wenn ich von mir selbst zeuge, ist mein Zeugnis wahr; denn ich weiß, woher ich gekommen bin und wohin ich gehe; ihr aber wisst nicht, woher ich komme oder wohin ich gehe. Ihr richtet nach dem Fleisch, ich richte niemand. Wenn ich aber richte, so ist mein Richten gerecht; denn ich bin’s nicht allein, sondern ich und der Vater, der mich gesandt hat.“
Soweit unser Predigttext. Gott, segne dein Wort an uns allen. Amen.
Christus ist das Licht der Welt, weil er selbst das göttliche Licht in sich trägt. Wie tröstlich ist dies für alle, die meinen, nur vom Bösen bedroht zu sein. Die sich ganz klein und hilflos fühlen in ihrer Angst. Für sie gilt: „Mach die Augen auf! In Jesu Licht wirst du erkennen, dass es Menschen gibt, die es gut mit dir meinen, die starke und rettende Hände haben, die dich halten und die dich führen.“
Jesus ist das Licht - er zeigt sich dir im anderen Menschen. Sein Licht spiegeln die Gesichter der Menschen wider, die guten Willens sind, die versuchen, anderen die Schwester, den Bruder zu sehen. Menschen, die nicht wegschauen, sondern die einen offenen Blick haben. Jesus sagt: „Ich bin das Licht der Welt.“ Er sagt nicht: Ich bin das Lichtlein für die Erbauung im stillen Kämmerlein, für den einzelnen im frommen Winkelchen. Zu seinen Jüngern spricht er, einer Gemeinschaft also, die bekanntlich nicht immer lieb und nett zueinander war, sondern sich öfter stritt. Kein Bereich der Welt ist für Jesus verschlossen. „Die im Dunkeln sieht man nicht.“ Bei Jesus gilt dies nicht. Im Gegenteil! Das Licht Gottes fällt gerade da hin, wo Menschen ins Dunkel gedrängt werden, an den Rand der Gesellschaft, die, die draußen vor der Tür bleiben müssen, wenn andere feiern. Weil Jesus dies so deutlich sagte: „Ich bin das Licht der Welt - und zwar gerade für die, die Ihr lieber im Dunkeln lasst“ - deshalb wurde er verfolgt von denen, die Veränderungen nicht wollten und die am Ende ans Kreuz schlugen.
Bis heute hat sich nicht viel geändert. Wer bei der Melodie „Und man siehet die im Lichte, doch die im Dunkeln sieht man nicht.“ nicht laut genug mitsingt, wer sich dafür einsetzt, dass die „im Dunkeln“ dieselben Rechte haben wie die im Licht, der spürt ebenso die Zähne des Haifisches wie damals. Die, die sich selbst in rechte Licht gerückt haben, werden immer daran fest halten, dass dieses Licht für möglichst wenig Auserwählte scheinen möge.
Doch das Licht Jesu will für alle Menschen in der Welt scheinen. Und es ist gut, dass dieses Wort mit einer großen Verheißung verbunden ist: „Wer mir nachfolgt, wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“ Dass heißt doch, es lohnt sich, dem Licht zu trauen. Es lohnt sich, im anderen Menschen seine Schwester und seinen Bruder zu erkennen. Und nicht seinen möglichen Feind, Gegner oder Konkurrenten. Und dies eben nicht nur zur Weihnachtszeit, sondern als grundsätzliche Haltung im ganzen Jahr. Wenn wir dieses Licht hineinlassen in unser Herz, dann bringt es Gesichter zum Strahlen. Dann wird unser Leben wärmer und klarer, wir erfahren Geborgenheit und können wieder in eine Richtung schauen.
Weihnachten, das ist nicht ein Licht, das man einmal im Jahr anknipsen kann und dann geht es nach einem kurzen Moment wieder aus. Das kann ja kein Herz hell machen, das kann kein Gesicht zum Strahlen bringen. Von Weihnachten kann ein Licht ausgehen, das an jedem Tag neu entdeckt werden muss. Das Licht Jesus Christi kann uns jeden Tag erleuchten, nur müssen wir dann seine Botschaft möglichst täglich neu hören. Es gibt viele Möglichkeiten dafür: Die tägliche Bibellesung, die Herrnhuter Losungen, im Internet und am traditionellen Kalender. Wie auch immer - wir können oft genug mit Jesu lichtvoller Botschaft in Berührung kommen. Wir können sie jeden Sonntag hören in der Gemeinde, wo immer Christen zusammen kommen. So kann das Licht Jesu Christi unseren Weg hell machen, Menschen zusammenführen und Hoffnung schenken - und nicht zuletzt Gesichter zum Strahlen bringen.
Das wünsche ich uns allen von Herzen -
Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Jesus Christus, unserm Herrn.
Amen.
© Ev. Kirche Bad Lippspringe 30.12.10