Lebendiges Wasser
Predigt am Sonntag Exaudi - 5. Juni 2011
Pfarrerin Kerstin Heibrock, Kurseelsorge Bad Lippspringe
III. Reihe: Johannes 7, 37-38
Liebe Gemeinde,
jedes Jahr im Herbst feiert Israel zur Zeit der Ernte ein Fest, das
Laubhüttenfest. Am Abend vor dem Fest beginnen die Feiernden mit den
Bauen und Einrichten von Hütten aus Ästen und Laub. Ein Erntefest
ist ist es und mehr als das. Israel erinnert sich an die
Herausführung aus Ägypten, an die Zeit in der Wüste, an die Zeit
ohne feste Häusern und gesicherte Verhältnissen. Alles, was die
Menschen dort am Leben erhielt, war ein Geschenk Gottes: das Brot,
das Manna, das Gott ihnen täglich neu gab. Und genauso das Wasser,
das als Gabe Gottes ihren Durst stillte und Überleben ermöglichte.
Und so wohnten auch zur Zeit Jesu die Menschen 7 Tage im Jahr in
Hütten, zur Erinnerung daran. Wasser wurde von einem Priester aus
dem Teich Siloah geschöpft und in einem Krug zum Tempel getragen.
Dort wurde es am Altar feierlich in silberne Schalen gegossen. Die
Worte Jesajas wurden dabei lebendig: Gott wird dich sättigen in der
Zeit der Dürre, und du wirst sein wie ein bewässerter Garten.
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Bild:
http://de.wikipedia.org/wiki/Jordan
Jesus ist dabei bei diesem Fest. Erst heimlich und unerkannt. Dann öffentlich im Tempel. Er erzählt von Gott. Er wird angefeindet von denen, die ihn nicht verstehen. Er wird gesucht von denen, die sein Wort erreicht. Und dann lesen wir bei Johannes:
Am letzten Tag des Festes, der der höchste war, trat Jesus auf und rief: Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke! Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen.
Ich möchte Sie einladen zu einem kleinen Ausflug, einem Gedanken¬
flug in Ihre Vergangenheit. Erinnern Sie sich noch an die
Wasserplätze
Ihrer Kindheit, Ihrer Jugend? Hatten Sie einen Bach in der Nähe,
einen
See? Konnten Sie Stichlinge fangen, einen Staudamm bauen? Oder
wissen Sie noch, wie Sie zum ersten Mal das Meer gesehen haben? Wie
der Wind die Wellen bewegt, wie sich die Sonne spiegelte?
Einem Bach mit den Augen folgen, soweit wir können, Durst bekommen, Verlangen spüren nach Weite, nach Begegnungen in der Ferne, nach Sinn, der weiter reicht.
Am Wasser stehen, ihm zusehen, Ruhe finden, die in Kraft übergeht
Für einen Moment wird mein Durst gestillt. Für einen Augenblick
kommt meine Sehnsucht zur Ruhe.
Manchmal, liebe Gemeinde, da müssen wir erst den Überfluss sehen, damit wir unseren Mangel erkennen. Sehnsucht nach mehr muss in uns geweckt werden, damit wir unseren Alltag, wenigstens für einen Moment, immer wieder, verlassen.
Auch wenn wir uns gut eingerichtet haben in unserer Familie, unserem Leben. Wenn wir uns eingerichtet haben im Alleinsein, in der Begrenztheit unseres Lebens- weil es ja einfach leichter ist so. Aber Gott will mehr für uns.
"Was ist wirklich wichtig in meinem Leben? Was gibt mir Hoffnung, über Dunkelheit hinaus? Was macht mir Mut, wenn Beziehungen erstarren? Wer lehrt uns ein Leben, das mehr kennt als Sorgen und Arbeiten, als Erfolg und Anerkennung?
"Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke! Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen."
Gottes Geist, die Klarheit seiner Nähe, fließt wie Wasser. Das ist Jesu Versprechen.
Aber es gilt: Ströme lebendigen Wasser sind eine leise Quelle, keine rauschende Brandung. Wir müssen nicht warten auf das nie dagewesene, den Überschwang, die große Begeisterung.

Bild:
http://de.wikipedia.org/wiki/Lippspringe
Gottes Geist fließt steigt leise empor, an vielen kleinen Orten,
wie die Jordanquelle im Arminiuspark mit ihren vielen kleinen
Quellen. Oder unsichtbar, wie im Becken des Odinsauges. Erst wenn es
aus dem Becken befreit wird, rauscht das Wasser der Lippe davon.
Vorher ist das Hervorquellen mit dem Auge kaum zu sehen.
Bild:
http://de.wikipedia.org/wiki/Lippspringe
Ströme lebendigen Wasser sind eine leise Quelle, keine rauschende Brandung. Ich bekomme Wasser des Lebens. Das sind Momente des Glaubens.
Wasser des Lebens trinken wir, Gottes erfrischenden Geist spüren wir: wenn Gottes Segen unser alltägliches Leben berührt, umverhofft. Wo wir uns geborgen fühlen, angenommen in aller Unvollkommenheit, in einem Lächeln, einem guten Wort, da fließt das Wasser des Lebens. Wo wir Sehnsucht spüren und aus-halten können, nach Nähe, nach Gesundheit, nach Sinn, da fließt Wasser des Lebens. Wo Trost und Hilfe uns erreicht, Sie erreicht, mich erreicht, da fließt Gottes Geist, da fließen Ströme lebendigen Wassers.
Video by
Celestechien
http://www.youtube.com/watch?v=gcJVDONhPJE&playnext=1&list=PL1FEC3D18D53EFB73
Lebendiges Wasser braucht Bewegung. Wenn Wasser fließt, dann bleibt es lebendig .Nicht totes Meer, sondern Jordan und See Genezareth. Was ich bekomme von Gott, woran ich mich erfrische, was mich zum Leben-bringt, davon gebe ich weiter.
Wenn Gottes Geist uns belebt und erfrischt werden, wie kühles Wasser, dann verändert das unsere Gedanken, Worte und Taten. Dann können wir dort sein, wo wir gebraucht werden. Dann können wir losgehen und handeln für die, die dürsten.
Dann können wir das Gute in jedem und jeder sehen, mehr aufeinander achten, hören und sorgen.
Wir können Konflikte anpacken, ohne die Lösung allein von uns zu erwarten. Wir können gern und mit Freuden leben, ohne Benachteiligte und Trauernde aus dem Blick zu verlieren. Dann werden unsere Kirchen Orte der Zuflucht werden, der Geborgenheit und des Zusammenhalts für alle Menschen. Wenn Gott uns belebt und erfrischt werden, wie kühles Wasser, dann kann Friede wachsen in Gottes Welt.

Bild:
http://dannorcott.co.uk/running-water/
Gott stillt unseren Durst nach Leben. Nicht den Überfluss verspricht er uns, überhaupt kein messbares Glück. Aber eine Liebe, die sich nicht abnutzt und die niemanden aufgibt. Die fließt und strömt, wie lebendiges Wasser.
Amen.
© Ev. Kirche Bad Lippspringe 05.06.11