Warum als Kind?
Predigt Christnacht - 24. Dezember 2011
Pfarrerin Antje Lütkemeier, Bad Lippspringe
Wenn Gott schon Mensch wurde, warum dann aber gleich
ein Kind, liebe Gemeinde?
Kinder sind doch im besten Fall ganz niedlich, wir schmunzeln, wenn
sie mal etwas Kluges sagen. Wir hätten es natürlich sehr viel besser
ausdrucken können, sehr viel präziser gewusst – aber immerhin, ganz
putzig, die Kleinen!
Manchmal sind sie auch nervig, die lieben, wenn sie unsere Nächte
verkürzen, egal ob sie als Babys Bauchweh haben, oder als Teenager
zu lange unterwegs sind.
Und Kinder gelten als Sinnbild von Machtlosigkeit. Obwohl – wer
schon einmal ein Kind in der Spielzeugabteilung oder an der
Supermarktkasse erlebt hat, zweifelt an diesem Postulat der
kindlichen Machtlosigkeit.
Aber immerhin, wenn Gott schon Mensch werden wollte, dann hätte er
einflussreicher Politiker werden können, Feldherr oder Machthaber,
Diktator oder Ölmagnat. Ein Mensch, der weltweit Aufmerksamkeit
erregt. Einer, der auffällt, auf den die Menschen sehen und hören,
dem sie folgen.
Wenn Gott schon Mensch wurde, warum dann aber gleich ein Kind?
Gab es keinen besseren Plan?
Um es kurz zu machen: Nein, das war der beste aller Pläne. Die
Kindersätze und Bilder eben haben mir das wieder sehr deutlich
gemacht.
Denn: Kinder wissen z.B. Engel sind dünn oder dick, haben lange oder
kurze Haare, sind klein oder groß, manchmal auch orange. Engel eben.
Die können doch aussehen, wie sie wollen, Hauptsache, die Botschaft
stimmt.
Und das, was der große Evangelist Lukas in einem Nebensatz
berichtet, beschäftigt Kinder sehr intensiv. „mit Maria, seinem
vertrauten Weibe; die war schwanger.“ Maria, mit einem großen runden
9Monats-Bauch auf der langen Reise. Ohne Auto. Alles in höchstem
Maße beschwerlich und die Sätze der Kinder sind empathisch, voller
Mitgefühl.
In der Schilderung des Stalls höre ich eine gewisse Lust am
Abenteuer: mit so vielen Tieren übernachten zu dürfen, an einem
ungewöhnlichen Ort, sogar nicht auf den üblichen Kissen, sondern auf
Stroh, das mit Vornamen Heu heißt, das ist alles schon sehr
aufregend!
Was uns Lukas völlig verschweigt, was aber schon wichtig ist, für
das Überleben eines neugeborenen Kindes: die Hirten denken
praktisch, stricken einen Pullover aus Schafffell, polstern mit
Schaffwolle die Krippe aus und bringen Milch mit, denn der Kleine
muss ja etwas Gesundes zu essen bekommen. Ein Blick für das, was
gerade das Notwendige ist.
Für den Luxus sind natürlich die Könige zuständig. Die bringen
Glitzersteine mit, und natürlich auch Gold, Geschenke aus der Fülle,
an denen man Freude haben kann. Sogar die Möhren haben ihren guten
Platz und der Dampf, na der wird schon auch für irgendetwas gut
sein. Ein bisschen Wellness darf auch sein.
Und natürlich haben sie sich die Mühe gemacht, das alles
aufzuschreiben, sonst wüsste ja niemand davon.
Und nach all diesen Entdeckungen ist es uns noch eine Frage, warum
Gott ein Menschenkind wurde? Ich glaube nicht:
Denn Gott, wie die Kinder, achtet nicht auf Äußerlichkeiten,
Hauptsache, die Botschaft stimmt.
Gott, wie die Kinder, ist empathisch, voller Mitgefühl.
Gott hat, so denke ich, eine Neigung zu Außergewöhnlichem, zu
Abenteuer, lässt sich nicht auf die gewohnten Plätze festlegen und
in die bequemen Schubladen stecken. Und übrigens sind ihm auch die
Tiere als seine Geschöpfe wert und wichtig.
Gott hat einen Blick für das, was gerade das Notwendige ist. Er will
das Heil für seine Schöpfung.
Und nicht zuletzt: Gott schenkt uns Anteil an seiner Fülle. Dies
feiern wir in dieser Nacht. Amen
© Ev. Kirche Bad Lippspringe 27.12.11