GPS
Predigt Jugendgottesdienst am Heiligen Abend
- 24. Dezember 2011
Pfarrerin Antje Lütkemeier, Bad Lippspringe
Und, das soll jetzt alles gewesen sein? Liebe
Gemeinde, Maria hat doch Recht! Genauso wie alle Jahre wieder gehört
der Seufzer „Und das soll jetzt alles gewesen sein?“ zum
Weihnachtsfest. Nur leiser natürlich, manchmal auch unausgesprochen,
nur heimlich gedacht, denn am Fest soll doch Freude herrschen, keine
Enttäuschung.
Aber das Gefühl können wir alle nachvollziehen, oder etwa nicht?
Nach all der ganzen Vorbereitung, nach allem Planen, Machen und Tun,
nach aller Vorfreude, Ungeduld und Erwartung, dann ?
Ja was dann?
Ich fürchte, das Krippenspiel in diesem Jahr hat viel mit unserem
Leben zu tun. Und das, was sich dort abgespielt hat, in dem fiktiven
Stall von Bethlehem und auf dem Weg dahin, mir kommt das ganz
erschreckend vertraut vor.
Die Jugendlichen haben mit scharfem Blick unseren Alltag gespielt.
Leben findet statt in digitalen Netzwerken und elektronischen
Realitäten, wer da nicht mit dabei ist, den gibt es faktisch kaum.
Ein Navigationsgerät gibt den Weg vor. Ich muss nicht selbst denken,
wohin ich eigentlich will. Ich muss nur furchtbar enttäuscht
schimpfen, wenn das Gerät mich irgendwo ins Abseits gelotst hat. Na,
hier wollte ich doch ganz sicher nicht hin!
Kontakt zu anderen Menschen, Beziehung, geschieht über Handys, iPhones,
Tablets, Wiis und wie sie alle heißen. Denn sicher ist, je schöner,
und multifunktionaler das Gerät, desto besser kann doch nur der
Kontakt zu meinen Mitmenschen sein, oder?
Und dann singen wir zu Weihnachten „Stille Nacht, heilige Nacht“ –
und wir spüren, den Bruch, die Leere, die dazwischen klafft. Na ja,
das eine ist eben Weihnachten, das Fest des Friedens und der Liebe
und ein bisschen heile Welt, das darf doch wohl auch mal sein, für
unsere Seelen! Und das andere ist das wirkliche Leben, das ist doch
kompliziert genug.
Und, das soll jetzt alles gewesen sein?
Wenn das alles gewesen wäre, dann behielte ja eine bekannte
Elektronik-Kaufhaus-Kette Recht. Sie wissen: Weihnachten wird unter
dem Baum entschieden.
Und dann hinge Weihnachten an der Qualität, aber auch an der
Quantität der Geschenke. Verständlicher ausgedrückt: je coolere
Geschenke unter dem Baum liegen, desto besser Weihnachten. Und
außerdem: die Menge macht’s.
Verstehen wir uns nicht falsch: ich liebe Geschenke! Und ich habe
einen großen Faible für technischen Schnick-schnack. Und wenn ich
ein Handy kaufe, dann darf es ruhig ein Schickes sein. Und außerdem
nutze ich natürlich ein Navi (das kennt allerdings Bethlehem!)
Ich bin nicht der Meinung, dass es unbedingt christlich ist, das
alles zunächst mal abzulehnen.
Aber mal ehrlich – Habt ihr haben Sie noch nie ein Weihnachtsfest
erlebt, das dem ziemlich nah kam, das uns die Jugendlichen
vorgespielt haben? Jede Menge Erwartungen, einiges an
Fremdbestimmung, jede Menge Geschenke, viel Technik und dann der
schale Geschmack auf der Seele:
Und das soll es jetzt gewesen sein?
Ich darf an dieser Stelle eine gute Nachricht verkünden: Weihnachten
ist schon entschieden. Und nicht unter dem Baum, sondern in der
Krippe, in der Stallhöhle, in Bethlehem.
Und GPS heißt in dem Zusammenhang: Gott
positioniert sich.
Gott wird als Kind geboren. Damit wir Menschen Mensch sein können nach seinem Ebenbild. Nicht nur für ein paar Stunden heile Welt zu Weihnachten. Gott macht uns ein großes Geschenk, damit wir Menschen die Freiheit haben, die Fülle der Möglichkeiten, die uns umgibt zu nutzen. Aber auch, und das ist noch viel wichtiger: damit unser Mensch-sein eben nicht davon abhängt, wie viele Unbekannte als Freunde auf meiner Facebook-Seite registriert sind. Oder wie schick mein tragbares Telefon wirklich ist. Oder ob es zum Fest die XBox gold gibt.
GPS Gott positioniert sich. Auf der Seite der Menschen. Er hat Weihnachten für sich entschieden und damit für uns.
Fröhliche Weihnachten!
© Ev. Kirche Bad Lippspringe 27.12.11