Predigt zu Mk 10, 35ff. Einführung des Presbyteriums
„Ihr wißt, die als Herrscher gelten, halten ihre Völker nieder, und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an. Aber so ist es unter euch nicht; sondern wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein.“
Liebe Gemeinde,
Es geht um hohe Politik an diesem Sonntag Judika. Es geht um Machtstrukturen, Herrschaftsausübung, Regierung und Gerechtigkeit. Und in diesen zwei Sätzen aus dem Markusevangelium werden zwei Formen nebeneinandergestellt, wie menschliches Zusammenleben organisiert werden kann.
Da ist zunächst einmal das, was wir alle kennen: Da gibt es ein klares Oben und Unten, die Mächtigen und das Volk. Die, die etwas zu sagen haben und die, die sich alles sagen lassen müssen.
In den Diktaturen ist das am deutlichsten zu bemerken. Demokratische
Staaten sind da schon anders organisiert, allerdings könnten die Bürger auch
hier manchmal den Eindruck gewinnen, dass sich zwischen den Wahlen die, die an
den Schalthebeln der Macht sitzen, wenig um Volkes Meinung kümmert.
Ganz menschlich, klug voraus planend und zielstrebig (jeder Manager-Trainer
würde höchstes Lob aussprechen) versuchen nun die Söhne des Zebedäus, sich
einen Platz im Zentrum der Macht zu sichern, er steht ihnen nach menschlichem
Ermessen zu, sie haben es sich verdient, das bißchen Ruhm und Ehre.
„Aber so ist es unter euch nicht;“ Jesus macht ganz deutlich: hier gelten
andere Spielregeln! „sondern wer groß sein will unter euch, der soll euer
Diener sein.“
Wenn das so einfach wäre! Auf Jesu Wort hin gälten in der Kirche ganz andere
Regeln, menschlichere, gerechtere, einfach bessere.
Aber ein Blick in die Geschichte dieser Kirche zeigt uns, dass auch wir große
Schwierigkeiten haben: da gab es doch die, die in aller Pracht- und
Machtentfaltung einmal im Jahr eine Schüssel Wasser und en Handtuch gereicht
bekamen und ausgewählten anderen die Füße wuschen.
Und es gab die, die ein ganzes Leben arbeiteten, nichts zu sagen hatten als:
‘Mein Lohn ist, das ich dienen darf’.
Es gab und gibt die Menschen in der Kirche, die da zupacken, wo gerade Not am
Menschen ist. Und natürlich auch die, die Dienst tun nach dem Motto ‘Ohne mich
läuft sowieso nichts’ und gerade dadurch gewaltige Macht an sich reißen.
Sie merken schon, liebe Gemeinde, es gelten andere Spielregeln in der Kirche,
auf Jesu Geheiß, nach seinem Gebot, aber mit nicht doch wieder in die üblichen
Ordnungen der Welt zu verfallen ist schon ein besonderer Drahtseilakt.
Wir leben nun mal in dieser Welt, müssen mit den herrschenden Regeln umgehen,
dürfen uns doch auch nicht unterkriegen lassen.
In
diesem Gottesdienst führen wir fünf Menschen in ihr Amt als Presbyterinnen und
Presbyter unserer Gemeinde ein. Sie haben sich bereit erklärt, für acht Jahre
diesen Drahtseilakt zu wagen und das Seil ist schon etwas höher gespannt, weil
es ja eben Leitungsämter der Gemeinde sind. Die Verantwortung ist größer, weil
es eben nicht nur um das eigene Umfeld geht, sondern um eine ganze Gemeinde
von über 5000 Menschen. Es geht um Geld, es geht um Arbeitsplätze.
Ein schwieriger Seiltanz! ZU schwierig vielleicht, wenn es da nicht die
Verheißung Gottes gäbe: ich bin bei euch!
Zu schwierig, wenn es nicht das Beispiel des Jesus von Nazareth gäbe, der eben
die neuen Spielregeln Gottes in unserer Welt gelebt hat. Der uns mit seinem
Dienst die Gerechtigkeit, die bei Gott gilt, nahegebracht hat.
Zu schwierig, wenn wir nicht immer wieder auf die Kraft des Heiligen Geistes
hoffen dürften, der Erstarrtes aufbricht und Unmögliches möglich werden läßt.
Und zu schwierig sicher auch, wenn sich die Presbyterinnen und Presbyter nicht
getragen wissen von Gemeinde. Einer Gemeinde, die nicht staunend und skeptisch
den Tanz auf dem Seil beobachtet und auf jede Unsicherheit mit ausgestrecktem
Finger weist. Sondern eine Gemeinde die die Verantwortung der Gemeindeleitung
liebevoll begleitet mit ihrem Gebet, mit gutem Rat und Tat.
Amen.