Engel sind, dir dämmert’s schon, Wesen, die uns nicht bedrohn,
Sondern wie auf Flügeln tragen, Wenn wir lahmen und verzagen.
Dass wir sie so selten sehen, Ist, weil wir kaum in uns gehen!
Als die Engel aufgestoben, Haben Hirten sich erhoben:
„Laßt uns die Geschichte sehen …“ (Merke: Christsein kommt vom Gehen!)*
Ich lass das jetzt mal mit dem Singen und dem Neuen. Versuchs noch mit den
Engeln. Ein Engel, der geht vielleicht. Ehrlich, der Engel auf dem Feld bei
den Hürden bei den Hirten … den findet heute niemand mehr. Der ist gar nicht
mehr da! Auch nicht überm Stall ist er – den ganzen Stall gibt’s nicht mehr –
auch der Stern ist weg. Alles ver- gangen. So geht’s nicht mehr! Aber wie
geht’s dann? Wo sind sie alle hingegangen? Muss ich wirklich erst in mich
gehen, damit mir es besser geht? Aber was ist, wenn ich beim lauter In- Mich-
Gehen nur mich selber finde – o Graus, das geht auch nicht! Da ginge ich
lieber ganz wo anders hin! Wo es Menschen gut geht! Vielleicht gehe ich in
Urlaub? Oder ich gehe die Wände hoch vor Wut? Oder gehe auf dem Zahnfleisch?
Geht aber alles nicht, am Ende bin ich doch wieder bei mir, denn ich kann mir
nicht entgehen.
Merken Sie schon: Rennert hat Recht: Christsein kommt vom Gehen. Ohne Gehen
geht’s nicht. Er hat auch schon den richtigen Namen: Rennert! Der versteht
etwas vom Gehen, besonders vom schnellen Gehen.

Ich habe ein Bild gefunden, von einem rennenden Engel, einem, der mitgeht.
Menschen erkennen wir: Schemenhaft: hastend, mit einem Gewehr vielleicht,
zackige, starke und verschwommene, zarte. Auf der Flucht vielleicht? Oder beim
Jogging? Auf der Suche? Oder laufen sie sich selbst davon? Was wäre
eigentlich, wenn bei all diesen Rennenden der Engel mit dabei wäre, der
rennende Engel – mal was anderes als der rettende Engel. Der Engel, der
schneller ist, der mitgeht, auch und gerade, wenn wir in uns gehen .. der uns
antreibt und begleitet …

Und wenn die Schrift an der Wand kein Menetekel ist, keine Unheilbotschaft?
Wenn Weihnachten doch die Hirten recht hatten, die einen Engel gesehen haben?
Wenn auch wir uns heute auf eine gute Zukunft verlassen und nicht das Unheil
und den Untergang prophezeien .. Wenn die Schrift an der Wand das goldene
Licht eines Engel wäre .. und wir uns davon verzaubern ließen …
Fürchte dich nicht vor dem …
* Jürgen Rennert: Die Weihnachtsgeschichte der Christen