Evangelische Kirche Bad Lippspringe

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Engel sind ...

Meditation zur Christnacht 2004

Pfarrer Detlev Schuchardt, Bad Lippspringe

Engel sind, dir dämmert’s schon, Wesen, die uns nicht bedrohn,
Sondern wie auf Flügeln tragen, Wenn wir lahmen und verzagen.
Dass wir sie so selten sehen, Ist, weil wir kaum in uns gehen!
Als die Engel aufgestoben, Haben Hirten sich erhoben:
„Laßt uns die Geschichte sehen …“ (Merke: Christsein kommt vom Gehen!)*
 
Ich lass das jetzt mal mit dem Singen und dem Neuen. Versuchs noch mit den Engeln. Ein Engel, der geht vielleicht. Ehrlich, der Engel auf dem Feld bei den Hürden bei den Hirten … den findet heute niemand mehr. Der ist gar nicht mehr da! Auch nicht überm Stall ist er – den ganzen Stall gibt’s nicht mehr – auch der Stern ist weg. Alles ver- gangen. So geht’s nicht mehr! Aber wie geht’s dann? Wo sind sie alle hingegangen? Muss ich wirklich erst in mich gehen, damit mir es besser geht? Aber was ist, wenn ich beim lauter In- Mich- Gehen nur mich selber finde – o Graus, das geht auch nicht! Da ginge ich lieber ganz wo anders hin! Wo es Menschen gut geht! Vielleicht gehe ich in Urlaub? Oder ich gehe die Wände hoch vor Wut? Oder gehe auf dem Zahnfleisch? Geht aber alles nicht, am Ende bin ich doch wieder bei mir, denn ich kann mir nicht entgehen.
 
Merken Sie schon: Rennert hat Recht: Christsein kommt vom Gehen. Ohne Gehen geht’s nicht. Er hat auch schon den richtigen Namen: Rennert! Der versteht etwas vom Gehen, besonders vom schnellen Gehen.
 

 
Ich habe ein Bild gefunden, von einem rennenden Engel, einem, der mitgeht.
Menschen erkennen wir: Schemenhaft: hastend, mit einem Gewehr vielleicht, zackige, starke und verschwommene, zarte. Auf der Flucht vielleicht? Oder beim Jogging? Auf der Suche? Oder laufen sie sich selbst davon? Was wäre eigentlich, wenn bei all diesen Rennenden der Engel mit dabei wäre, der rennende Engel – mal was anderes als der rettende Engel. Der Engel, der schneller ist, der mitgeht, auch und gerade, wenn wir in uns gehen .. der uns antreibt und begleitet …
 


Und wenn die Schrift an der Wand kein Menetekel ist, keine Unheilbotschaft? Wenn Weihnachten doch die Hirten recht hatten, die einen Engel gesehen haben? Wenn auch wir uns heute auf eine gute Zukunft verlassen und nicht das Unheil und den Untergang prophezeien .. Wenn die Schrift an der Wand das goldene Licht eines Engel wäre .. und wir uns davon verzaubern ließen …
 
Fürchte dich nicht vor dem …
 

* Jürgen Rennert: Die Weihnachtsgeschichte der Christen