Evangelische Kirche Bad Lippspringe

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Predigten und Andachten

 

Teufelskreise durchbrechen

Predigt zum Drittletzten Sonntag im Kirchenjahr, 6. November 2005, in Neuenbeken

Pfarrer Detlev Schuchardt, Bad Lippspringe

III. Reihe: Lukas 11, 14-23

Friede sei mit euch und der Gnade Gottes in Jesus Christus. Amen.
Der Predigttext steht im Lukas-Evangelium im 11.Kapitel:

„Jesus hatte einen stummen bösen Geist ausgetrieben. Als der böse Geist den Kranken verließ, fing der Stumme an zu reden. Da staunte das Volk.
Einige aber sagten: „Im Bunde mit Beelzebul, dem Obertreufel, treibt er die Dämonen aus.“ Andere wollten ihn auf die Probe stellen und verlangten ein Zeichen vom Himmel von ihm.
Jesus durchschaute sie und sagte: „Wenn ein Reich uneins ist, bricht es zusammen, es wird ein Ruinenfeld, weil ein Haus über das andre stürzt. Wenn daher ein Teufel zerstritten ist mit dem anderen, dann kann ihr Reich keinen Bestand haben. Das unterstellt ihr ja, wenn ihr behauptet, dass ich im Bunde mit Beelzebul die Dämonen austreibe.
Gesetzt den Fall, ihr hättet recht und ich triebe wirklich im Bunde mit Beelzebul die Dämonen aus, dann muss ich doch die Gegenfrage stellen: Im Bunde mit wem treiben eure Kinder Dämonen aus? Die werden dann über euch das Urteil sprechen.
Nein, ich treibe die bösen Geister mit Gottes Finger, mit seiner Kraft, aus.
Wenn das geschieht, dann ist Gottes Reich schon zu euch gekommen.
Wenn ein mächtiger Mensch bis an die Zähne bewaffnet sein Gehöft bewacht, dann hat er Frieden für sich und für seinen Besitz. Wenn aber einer kommt, der mächtiger ist als er, und ihn besiegt, dann wird er ihm die Waffen, auf die er sein Vertrauen setzte, wegnehmen und die Beute verteilen.
Es gibt nur zwei Möglichkeiten:
Entweder man ist für mich, oder man ist gegen mich, entweder man sammtelt Menschen
oder man treibt sie auseinander.“
(Übersetzung nach Klaus Berger/Chistiane Nord)

Gott, segne du unser Reden und unser Hören. Amen.

Liebe Schwestern und Brüder,

„Den Teufel mit dem Beelzebub austreiben“ - diese Redewendung kennen wir. Es meint, etwas Schlimme mit etwas noch Schlimmerem zu besiegen.

„Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil.“
In der Medizin zum Beispiel: Immer härtere Medikamente werden erforscht. Wir setzten sie ein und die Krankheitserreger werden resistent dagegen. Also setzen wir der Forschung noch eins drauf.

Die Jugendlichen auf unseren Straßen werden renitent und aufmüpfig und statt ihre Bedingungen zu verbessern schicken wir Polizei und bekämpfen Gewalt mit Gewalt.

Das sind keine Lösungen, liebe Schwestern und Brüder, das sind Teufelskreise.
Jesus versucht die Teufelskreise ad absurdum zu führen. Wie sollte ein Teufel gegen den andern kämpfen? Das ist doch unlogisch! Es gibt nur die guten Geister und die bösen Geister. Und wenn die bösen Geister besiegt sind, wenn sie verschwinden, dann waren die guten Geister, dann war der Geist Gottes am Werk. Vertraut angesichts des Bösen nur auf Gott - und lasst euch nicht auf noch Böseres ein um das Böse zu besiegen!

Ein indisches Märchen erzählt von einem Hund, der in einem Raum eingesperrt war, dessen Wände nur aus Spiegeln bestanden. Plötzlich sah er sich von lauter Hunden umgeben und weil er nicht wußte, was sie von ihm wollte, fing er sicherheitshalber an, die Zähne zu fletschen - aber siehe da, die anderen Hunde taten das auch. Er knurrte immer lauter und die anderen taten das auch. Schließlich rannte er wild im Kreis umher, knurrte und tobte und sah sich von lauter wildgewordenen anderen Hunden umzingelt. Das ging solange, bis er tot zusammenbrach. Hätte er nur ein einziges Mal mit dem Schwanz gewedelt, alle seine Spiegelbilder hätten ihm ein freundliches Bild zurückgeworfen.

Das heißt, es gibt wirklich einen Teufelskreis des Bösen. Eine Kette von Aggression, die kaum noch zu durchbrechen ist, wenn wir uns erst einmal darauf eingelassen haben.

Es muß also etwas Stärkeres kommen, eine stärkere Kraft, die das Böse entwaffnet, sagt Jesus Christus in unserem Predigttext.

"Wenn ich aber durch Gottes Finger die bösen Geister austreibe, so ist ja das Reich Gottes zu euch gekommen."

Das ist unsere Chance. Der Finger Gottes durchbricht von außen unsere Teufelskreise. Er hat es schon getan und er tut es immer wieder.

Sehen Sie, für die Geschichte mit dem Hund gäbe es nämlich meiner Meinung nach noch eine andere Lösung. Es stimmt schon, wäre er nur einmal freundlich gewesen, dann wäre ihm das alles erspart geblieben. Aber wäre einer der Spiegel zerbrochen und hätte durch diese Lücke jemand die Hand gestreckt und den Hund beruhigt, ich bin sicher, er hätte sich nicht so sinnlos aufgerieben. Das genau tut dieser Finger Gottes, wie Jesus es nennt. Er zerbricht unsere Spiegel, zwischen denen wir panisch hin und her rennen. Er streckt seine beruhigende Hand hindurch und hält sie uns entgegen. Er bringt uns soviel Vertrauen entgegen, daß wir gar nicht mehr dagegen anknurren können. Ihm gegenüber brauchen wir keine Drohgebärden und keine starken Waffen. Im Gegenteil. Er entwaffnet uns mit seiner Freundlichkeit und seiner Liebe. Er treibt die bösen Geister aus, die, die uns stumm machen, die uns verbittern, die uns zerstören.

Wenn Gottes Reich so ist, wenn darin Gewalt und Haß, Zank und Streit keine Chance mehr haben, wenn auch Differenzen mit Liebe und Phantasie ausgetragen werden, statt mit Zähnefletschen und schlechter Laune, wenn es da kein Gegeneinander mehr gibt, sondern nur noch ein miteinander - wäre das nicht ein lohnendes Ziel, daran mitzuarbeiten?
„Wer nicht mit mir ist, der ist gegen mich.“ Verlangt ist die Entscheidung, auf welcher Seite wir stehen wollen. Ob wir wie der große Zerstreuer, der Diabolos, der Teufel alles, was Ordnung hat, was heil, durcheinanderwirbeln wollen oder ob wir wie Christus zu den Heilenden, den Zusammenbringern gehören wollen. Das Wort „Diabolus“ heißt ja zu deutsch: Durcheinanderbringer.

Gott besiegt das Böse durch etwas anders als durch Gewalt. Er setzt das ein, wogegen Dämonen keine Macht haben: Seinen lebensschaffenden guten Geist. Er verwandelt die Machtverhältnisse. Sein Geist greift ein in die Teufelskreise des Bösen. So wird das Böse entlarvt und kann nichts mehr tun. Wenn wir Gott in seiner Liebe mehr vertrauen als dem Bösen in seiner Macht, dann kann auch der ärgste Feind nur noch die Waffen strecken.

Der Clown Grog hat ein Beispiel gegeben, wie man seine Feinde besiegen kann, ohne sie zu schlagen: ihm wurde eines Tages ein Brief zugesandt, der von handfesten Beleidigungen nur so strotzte. Freunde rieten ihm, den Schreiber zu verklagen, denn auch Höflichkeit habe ihre Grenzen. Wieder das Prinzip: Den Teufel mit dem Beelzebub austreiben. Auf einen groben Klotz gehört ein gober Keil. Grog aber lächelte. Er hatte eine bessere Methode. Er schickte den Brief an den Absender zurück mit folgenden Worten: „Sehr geehrter Herr, ich sende Ihnen diesen Brief zu, da Sie als angesehener und höflicher Bürger dieser Stadt wissen müssen, dass irgendein unverschämter Kerl in Ihrem Namen beleidigende Briefe schreibt. Mit freundlichen Grüßen, ...“ Und nie wieder bekam Grog einen beleidigenden Brief. Der Schreiber musste seine Waffen strecken.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist, als alle menschliche Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.
 

Fürbitten Drittletzter Sonntag des Kirchenjahres

Unser Gott, mitten unter uns erweckst du Menschen
zum Glauben, zur Hoffnung und zur Liebe.
Mitten unter uns geschieht dein Wort und ergeht dein Ruf.
Mitten unter uns öffnet dein guter Geist
Herzen und Hände, deinen Willen zu tun.
Mitten unter uns ist dein Reich schon gegenwärtig.
Dafür preisen wir dich, himmlischer Vater.

Mitten unter uns aber
sind auch viele Menschen in Not und Angst:
Arbeitslose, die an sich selber zweifeln,
Obdachlose, die von der Hand in den Mund leben,
Flüchtlinge, die wenig mehr gerettet haben als ihr Leben,
alte Menschen ohne Liebe, die nur noch auf den Tod warten,
Drogensüchtige und Alkoholkranke,
die sich nicht mehr selbst helfen können:
Menschen in Not und Angst
inmitten von Reichtum und Verschwendung.
Erbarme dich unser,
daß wir der Gleichgültigkeit widerstehen
und die Liebe unter uns nicht stirbt.

Mitten unter uns ist beides:
Verzweiflung und Hoffnung,
Gleichgültigkeit und Glaube,
Hartherzigkeit und Liebe.
Darum bitten wir dich: Dein Reich komme und dein Wille geschehe,
damit Unmenschlichkeit und Unfrieden nicht überhand nehmen,
sondern unter den Menschen deine Schöpfung gepriesen und dein Name geheiligt werde.
Durch Jesus Christus, deinen Sohn unser Herrn, der mit dir lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.