Jede/r Gottesdienstbesucher/in erhält ein Glas Wasser am Eingang
Vorspiel
Begrüßung
Morgenlied: „Er weckt mich alle Morgen“ EG 452, 1,2,5
Lesen/gemeinsames Sprechen vom Psalm 23
Der Herr ist mein Hirte,
mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue
und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele.
Er führet mich auf rechter Straße
um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,
fürchte ich kein Unglück;
denn du bist bei mir,
dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch
im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl
und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit
werden mir folgen mein Leben lang,
und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.
Lied: „Du bist da, wo Menschen leben“
Lied: „Gott des Himmels und der Erden“ EG 445, 1,2,5
Zwischengesang: „Herr, erbarme dich (3x)“ EG 178, 11
Zwischengesang: „Gottes Wort ist wie Licht“ EG 591
- Austeilen von Weintrauben und Brötchen –
Lied: „Da sollt ihr Jesu Jünger nicht vergessen“ EG 221
Fürbitten
Vaterunser
Lied: „Komm, bau ein Haus“
Verteilen der roten Häuschen
Schlusslied: „Komm, Herr, segne uns“
Nachspiel
Was ihr getan hat einem von diesen meinen geringsten Brüdern und Schwestern, das habt ihr mir getan.
Dies ist der Wochenspruch des heutigen Sonntags. Dies ist aber auch der
SONNTAG der DIAKONIE.
DIAKONIE, das ist der Dienst der Kirche an Menschen, die Menschlichkeit
besonders nötig haben. Und das sind auch die Alten und Pflegebedürftigen, auch
die Pflegenden, die hier arbeiten. Die Idee zu diesem Gottesdienst hatte Erika
Kretschmer, Mitglied im Presbyterium und Heimfürsprecherin hier im
Martinstift. Die Idee ist, die Bilder eines ganz bekannten Psalm mit allen
Sinnen nachzuspüren, und zwar auf verschiedenen Stationen, so wie am
verschiedene Stationen auf dem Lebensweg. Mit allen Sinnen – mit den Ohren zum
Hören, den Geschmacksnerven, den Geruchsnerven, den Augen zum Sehen – alles
wird gebraucht. Deshalb sehen Sie hier so verschiedene Plakate hier auf der
Terrasse verteilt.
Die Idee hat uns gut gefallen. Der Besuchskreis mit Andrea Hagemann, Dirk Daniel, Herrn Knoblauch, Frau Weiß und den anderen hat sich zusammen mit Frau Wittenberg viel Arbeit gemacht, diesen Gottesdienst vorzubereiten. Frau Heckers, Herr Rieper, Herr Drewes – viele haben geholfen, die Stühle zu räumen, die Bewohner hierher zubringen und vieles mehr. Ganz herzlichen Dank dafür. Und nun geht es los mit dem ersten Lied auf dem Liedzettel:
Begrüßt worden sind wir all durch einen Schluck Wasser. Das hat richtig gut
getan, nicht wahr? Ein Schluck frisches Wasser, das erquickt. Ältere Menschen
sollen ja – wie alle Menschen viel, viel trinken. Weil das Wasser so wichtig
ist für die Gesundheit. Manchen fällt das viele Trinken gar nicht leicht, weil
sie nicht soviel Durst haben. Aber der eine erfrischende Schluck heute früh –
der war doch nicht zuviel. Wie so ein erfrischender Schluck ist Gottes
Einladung: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid – ich
will euch erquicken.“
Ein Schluck Wasser kann nicht alle Gebrechen heilen. Aber er kann Mut
machen zum Leben. Er kann die Lebensgeister wecken. Er kann die Lust wecken,
noch mehr von Gott zu hören, der uns erquicken will. Wo ist Gott zu finden?
Das nächste Lied gibt Antwort: DU bist da, wo Menschen leben … das Motto
dieses Gottesdienstes …
Wir haben als zentralen Text dieses Gottesdienstes den Psalm 23 herausgesucht,
den so viele von Ihnen kennen und auswendig können. Ich habe ihn hier nicht
schriftlich vor mir, Sie müssen mir helfen, die richtigen Worte zu finden. Wir
sprechen ihn daher gemeinsam:
Psalm 23
So sieht ein Stab eines Hirten aus. Groß und kräftig. Nicht nur, dass der
Hirte sich darauf ausruhen kann, sondern auch eine Waffe: Damit kann man
gefährliche Tiere wie Wölfe etwa abwehren und beeindrucken. Von weither sieht
man: Hier ist einer, der eine Herde verteidigen kann, der sich auskennt, der
bereit ist, für seine Schafe einzutreten, der sie nicht im Stich lässt.
Ein anderer Stecken und Stab: eine Gehhilfe. Manche sind darauf angewiesen.
Manche haben sich schwer damit getan, sich damit in der Öffentlichkeit zu
zeigen, weil sie bisher immer ohne fremde Hilfe gehen konnten. Aber wenn man
sich fortbewegen möchte, ist ein solcher Stecken und Stab ein großer Segen. Er
gibt Sicherheit, stärkt die eigenen Fähigkeiten. Auch wenn es nicht mehr so
schnell geht wie früher, ich kann noch laufen, am Leben teilhaben. Es kommt
nämlich gar nicht darauf an, ob jemand gesund, jung, beweglich, fitt ist –
sondern es kommt darauf an, mit welcher Lebenseinstellung jemand die Welt
sieht: Ob man mit Vertrauen in die Welt schaut, dass man schon seinen Weg
findet, dass da schon jemand ist, der es gut mit einem meint – dann ist man
auch viel eher bereit, Hilfen anzunehmen, sich anderen anzuvertrauen, Trost
anzunehmen. Es gibt nämlich viel mehr Hilfen und freundliche Menschen als wir
allgemein meinen. Auch wenn uns andere enttäuscht haben – Gott schickt uns
immer wieder Menschen, die wie ein guter Hirte uns zu neuer Hoffnung führen.
Mir müssen nur die Augen aufmachen und diese Menschen sehen …
„Stecken und Stab“ - ein Gebet von Kurt Wolff
Das Haus, in dem wir wohnen, das Dach über dem Kopf spielt eine große Rolle
in unserem Leben. Ein Haus gibt Sicherheit. Im Haus wohnt die Familie. Mehrere
Generationen unter einem Dach. Häuser können aber auch abbrennen, ausgebombt
werden. Aus Häusern muss man vielleicht ausziehen. Wir sehnen uns alle nach
dem EINEN Haus, in dem immer Frieden ist. In dem wir Geborgenheit erfahren.
Hier auf der Erde sind alle Häuser nur manchmal Häuser des Friedens und der
Geborgenheit. Für über 120 Menschen ist das Martinstift hier ihr ZUHAUSE. Auch
hier ist nicht alles perfekt. Menschen kommen, Menschen gehen. Menschen
streiten sich, Menschen versöhnen sich. Für andere ist es ihr Arbeitsplatz,
für nicht wenige ist es ihr Leben, ihre Welt, sie identifizieren sich mit
diesem Zuhause.
Unsere Häuser, auch das Martinstift, können Abbilder sein von Gottes Haus.
Gottes Haus ist nämlich nicht der Tempel auf einem Berg, weit weg von den
Menschen. Wie haben wir gesungen: Du bist da, wo Menschen leben… Hier, wo
Menschen leben, lebt auch Gott. Hier, wo Menschen an Gott denken, zu ihm
beten, manchmal auch über ihn schimpfen und ihn nicht mehr verstehen – hier
ist Gott zu finden. Mittendrin in diesem Haus. Wir wollen nicht aufgeben, Gott
zu suchen. Mitten in diesem Haus. Und wir wollen nicht aufgeben, mitzubauen an
diesem Haus, es zu verändern, damit mehr Platz ist für Menschlichkeit, Wärme
und Liebe. Es liegt ja auch uns, ob dies ein Haus des Vertrauens und
Verstehens ist.
Wir brauchen aber alle zum Bauen und zum Finden den Segen Gottes. Deshalb
bekommt jede und jeder ob von hier oder aus einem anderen Haus in das Sie
gleich zurückgehen, als Erinnerung an diesen Gottesdienst ein kleines Häuschen
mit auf dem Weg. Vorne drauf ein Segenswunsch, innen verborgen der Psalm 23.
Für den Nachttisch, den Schreibtisch – wo immer Sie mögen. …
Du, großer Gott, hast einen Blick auch für die kleinen Dinge.
Du siehst nicht nur die Großen der Weltgeschichte, sondern jede und jeden von uns. Uns allen bist du der gute Hirte. Du kennst unsere Schmerzen und unser Angst, unsere Krankheiten und unsere Traurigkeiten; unsere Freude und unseren Mut; unsere Fähigkeiten und die verbliebene Kraft. Wir bitten dich: Schenke uns die Gewissheit, dass dein Blick auf uns ruht.
- dass du uns erquicken willst,
- dass du uns einen Tisch bereitest,
- dass wir in deinem Haus geborgen sind.Du, guter Hirte, siehst uns an und bietest uns deine Liebe an. Davon können wir leben. Wir bitten dich: Schenke uns heute einen liebevollen Blick auf uns selbst und die Menschen, die uns begegnen. Du siehst die Menschen, die in hier im Haus arbeiten. Du kennst ihre Freuden und ihre Sorgen. Gib du ihnen Kraft, ihre Arbeit mit Freude zu tun.
Du, guter Hirte, siehst unsere Stadt und unsere Welt. Siehst Menschen in Not und Angst. Viele sind einsam und unglücklich. Noch voller Schrecken denken wir an die Kinder und Eltern und Großeltern, die in Beslan einen grausamen Tod gestorben sind oder unvorstellbar Schlimmes durchgemacht haben. Ihnen gilt unser ganzes Mitgefühl. Wir bitten dich: Gib du den Verantwortlichen den richtigen Blick auf die Menschen, die zu entscheiden haben. Wir leben alle in EINER Welt. Jeder Mensch auf ihr ist dir so lieb, wie wir es sind.
Du, guter Hirte, bist bei uns: In Freude und Leid, in der Kindheit und im Alter, in guten und schweren Tagen, im Leben und im Sterben. Immer bleibst du uns nahe mit deiner ganzen Liebe und Treue und nimmst uns einst in Gnaden an. So beten wir, wie dein Sohn Jesus Christus uns zu beten gelehrt hat: Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen!