Evangelische Kirche Bad Lippspringe

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Predigten und Andachten

 

„Du bist da, wo Menschen leben … "

Gottesdienst zum 23.Psalm

Pfarrer Detlev Schuchardt, Bad Lippspringe

Martinstift 05. September 2004 (Sonntag der Diakonie)

Jede/r Gottesdienstbesucher/in erhält ein Glas Wasser am Eingang

Vorspiel

Begrüßung
Morgenlied: „Er weckt mich alle Morgen“ EG 452, 1,2,5

1. Station: „Er führet mich zum frischen Wasser“ Blau

Lesen/gemeinsames Sprechen vom Psalm 23

Der Herr ist mein Hirte,
mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue
und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele.
Er führet mich auf rechter Straße
um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,
fürchte ich kein Unglück;
denn du bist bei mir,
dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch
im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl
und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit
werden mir folgen mein Leben lang,
und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.
 

Lied: „Du bist da, wo Menschen leben“

2.Station: „Er führet mich auf rechter Straße“ Grün und braun

Lied: „Gott des Himmels und der Erden“ EG 445, 1,2,5

3.Station: „Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein
Unglück“ Schwarz

Zwischengesang: „Herr, erbarme dich (3x)“ EG 178, 11

4.Station: „Dein Stecken und Stab trösten mich“ Weiß

Zwischengesang: „Gottes Wort ist wie Licht“ EG 591

5.Station: „Du bereitest vor mir einen Tisch“ Gelb

Lied: „Vater segne diese Gaben“

6.Station: „Du salbest mein Haupt mit Öl und
schenkest mir voll ein.“ Orange

- Austeilen von Weintrauben und Brötchen –

Lied: „Da sollt ihr Jesu Jünger nicht vergessen“ EG 221

7.Station: „Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben
lang und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.“ rot


Fürbitten
Vaterunser

Lied: „Komm, bau ein Haus“
Verteilen der roten Häuschen

Schlusslied: „Komm, Herr, segne uns“

Nachspiel

 

Begrüßung:

Was ihr getan hat einem von diesen meinen geringsten Brüdern und Schwestern, das habt ihr mir getan.

Dies ist der Wochenspruch des heutigen Sonntags. Dies ist aber auch der SONNTAG der DIAKONIE.
 

DIAKONIE, das ist der Dienst der Kirche an Menschen, die Menschlichkeit besonders nötig haben. Und das sind auch die Alten und Pflegebedürftigen, auch die Pflegenden, die hier arbeiten. Die Idee zu diesem Gottesdienst hatte Erika Kretschmer, Mitglied im Presbyterium und Heimfürsprecherin hier im Martinstift. Die Idee ist, die Bilder eines ganz bekannten Psalm mit allen Sinnen nachzuspüren, und zwar auf verschiedenen Stationen, so wie am verschiedene Stationen auf dem Lebensweg. Mit allen Sinnen – mit den Ohren zum Hören, den Geschmacksnerven, den Geruchsnerven, den Augen zum Sehen – alles wird gebraucht. Deshalb sehen Sie hier so verschiedene Plakate hier auf der Terrasse verteilt.
 

Die Idee hat uns gut gefallen. Der Besuchskreis mit Andrea Hagemann, Dirk Daniel, Herrn Knoblauch, Frau Weiß und den anderen hat sich zusammen mit Frau Wittenberg viel Arbeit gemacht, diesen Gottesdienst vorzubereiten. Frau Heckers, Herr Rieper, Herr Drewes – viele haben geholfen, die Stühle zu räumen, die Bewohner hierher zubringen und vieles mehr. Ganz herzlichen Dank dafür. Und nun geht es los mit dem ersten Lied auf dem Liedzettel:

Wasser

Begrüßt worden sind wir all durch einen Schluck Wasser. Das hat richtig gut getan, nicht wahr? Ein Schluck frisches Wasser, das erquickt. Ältere Menschen sollen ja – wie alle Menschen viel, viel trinken. Weil das Wasser so wichtig ist für die Gesundheit. Manchen fällt das viele Trinken gar nicht leicht, weil sie nicht soviel Durst haben. Aber der eine erfrischende Schluck heute früh – der war doch nicht zuviel. Wie so ein erfrischender Schluck ist Gottes Einladung: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid – ich will euch erquicken.“
 

Ein Schluck Wasser kann nicht alle Gebrechen heilen. Aber er kann Mut machen zum Leben. Er kann die Lebensgeister wecken. Er kann die Lust wecken, noch mehr von Gott zu hören, der uns erquicken will. Wo ist Gott zu finden? Das nächste Lied gibt Antwort: DU bist da, wo Menschen leben … das Motto dieses Gottesdienstes …


Wir haben als zentralen Text dieses Gottesdienstes den Psalm 23 herausgesucht, den so viele von Ihnen kennen und auswendig können. Ich habe ihn hier nicht schriftlich vor mir, Sie müssen mir helfen, die richtigen Worte zu finden. Wir sprechen ihn daher gemeinsam:
Psalm 23

„Dein Stecken und Stab trösten mich“

So sieht ein Stab eines Hirten aus. Groß und kräftig. Nicht nur, dass der Hirte sich darauf ausruhen kann, sondern auch eine Waffe: Damit kann man gefährliche Tiere wie Wölfe etwa abwehren und beeindrucken. Von weither sieht man: Hier ist einer, der eine Herde verteidigen kann, der sich auskennt, der bereit ist, für seine Schafe einzutreten, der sie nicht im Stich lässt.

Ein anderer Stecken und Stab: eine Gehhilfe. Manche sind darauf angewiesen. Manche haben sich schwer damit getan, sich damit in der Öffentlichkeit zu zeigen, weil sie bisher immer ohne fremde Hilfe gehen konnten. Aber wenn man sich fortbewegen möchte, ist ein solcher Stecken und Stab ein großer Segen. Er gibt Sicherheit, stärkt die eigenen Fähigkeiten. Auch wenn es nicht mehr so schnell geht wie früher, ich kann noch laufen, am Leben teilhaben. Es kommt nämlich gar nicht darauf an, ob jemand gesund, jung, beweglich, fitt ist – sondern es kommt darauf an, mit welcher Lebenseinstellung jemand die Welt sieht: Ob man mit Vertrauen in die Welt schaut, dass man schon seinen Weg findet, dass da schon jemand ist, der es gut mit einem meint – dann ist man auch viel eher bereit, Hilfen anzunehmen, sich anderen anzuvertrauen, Trost anzunehmen. Es gibt nämlich viel mehr Hilfen und freundliche Menschen als wir allgemein meinen. Auch wenn uns andere enttäuscht haben – Gott schickt uns immer wieder Menschen, die wie ein guter Hirte uns zu neuer Hoffnung führen. Mir müssen nur die Augen aufmachen und diese Menschen sehen …

„Stecken und Stab“ - ein Gebet von Kurt Wolff

„Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang und ich werde bleiben im Hause der Herrn immerdar“

Das Haus, in dem wir wohnen, das Dach über dem Kopf spielt eine große Rolle in unserem Leben. Ein Haus gibt Sicherheit. Im Haus wohnt die Familie. Mehrere Generationen unter einem Dach. Häuser können aber auch abbrennen, ausgebombt werden. Aus Häusern muss man vielleicht ausziehen. Wir sehnen uns alle nach dem EINEN Haus, in dem immer Frieden ist. In dem wir Geborgenheit erfahren.

Hier auf der Erde sind alle Häuser nur manchmal Häuser des Friedens und der Geborgenheit. Für über 120 Menschen ist das Martinstift hier ihr ZUHAUSE. Auch hier ist nicht alles perfekt. Menschen kommen, Menschen gehen. Menschen streiten sich, Menschen versöhnen sich. Für andere ist es ihr Arbeitsplatz, für nicht wenige ist es ihr Leben, ihre Welt, sie identifizieren sich mit diesem Zuhause.

Unsere Häuser, auch das Martinstift, können Abbilder sein von Gottes Haus. Gottes Haus ist nämlich nicht der Tempel auf einem Berg, weit weg von den Menschen. Wie haben wir gesungen: Du bist da, wo Menschen leben… Hier, wo Menschen leben, lebt auch Gott. Hier, wo Menschen an Gott denken, zu ihm beten, manchmal auch über ihn schimpfen und ihn nicht mehr verstehen – hier ist Gott zu finden. Mittendrin in diesem Haus. Wir wollen nicht aufgeben, Gott zu suchen. Mitten in diesem Haus. Und wir wollen nicht aufgeben, mitzubauen an diesem Haus, es zu verändern, damit mehr Platz ist für Menschlichkeit, Wärme und Liebe. Es liegt ja auch uns, ob dies ein Haus des Vertrauens und Verstehens ist.

Wir brauchen aber alle zum Bauen und zum Finden den Segen Gottes. Deshalb bekommt jede und jeder ob von hier oder aus einem anderen Haus in das Sie gleich zurückgehen, als Erinnerung an diesen Gottesdienst ein kleines Häuschen mit auf dem Weg. Vorne drauf ein Segenswunsch, innen verborgen der Psalm 23. Für den Nachttisch, den Schreibtisch – wo immer Sie mögen. …
 

Du, großer Gott, hast einen Blick auch für die kleinen Dinge.
Du siehst nicht nur die Großen der Weltgeschichte, sondern jede und jeden von uns. Uns allen bist du der gute Hirte. Du kennst unsere Schmerzen und unser Angst, unsere Krankheiten und unsere Traurigkeiten; unsere Freude und unseren Mut; unsere Fähigkeiten und die verbliebene Kraft. Wir bitten dich: Schenke uns die Gewissheit, dass dein Blick auf uns ruht.
- dass du uns erquicken willst,
- dass du uns einen Tisch bereitest,
- dass wir in deinem Haus geborgen sind.

Du, guter Hirte, siehst uns an und bietest uns deine Liebe an. Davon können wir leben. Wir bitten dich: Schenke uns heute einen liebevollen Blick auf uns selbst und die Menschen, die uns begegnen. Du siehst die Menschen, die in hier im Haus arbeiten. Du kennst ihre Freuden und ihre Sorgen. Gib du ihnen Kraft, ihre Arbeit mit Freude zu tun.

Du, guter Hirte, siehst unsere Stadt und unsere Welt. Siehst Menschen in Not und Angst. Viele sind einsam und unglücklich. Noch voller Schrecken denken wir an die Kinder und Eltern und Großeltern, die in Beslan einen grausamen Tod gestorben sind oder unvorstellbar Schlimmes durchgemacht haben. Ihnen gilt unser ganzes Mitgefühl. Wir bitten dich: Gib du den Verantwortlichen den richtigen Blick auf die Menschen, die zu entscheiden haben. Wir leben alle in EINER Welt. Jeder Mensch auf ihr ist dir so lieb, wie wir es sind.
 

Du, guter Hirte, bist bei uns: In Freude und Leid, in der Kindheit und im Alter, in guten und schweren Tagen, im Leben und im Sterben. Immer bleibst du uns nahe mit deiner ganzen Liebe und Treue und nimmst uns einst in Gnaden an. So beten wir, wie dein Sohn Jesus Christus uns zu beten gelehrt hat: Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen!