Evangelische Kirche Bad Lippspringe

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Predigten und Andachten

 

Selig sind die Friedfertigen

Ansprache im Ökumenischen Gottesdienst am 6. Mai 2005

Jesus Christus spricht: „Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Gottes Kinder heißen.“ Matthäus 5,9

Liebe Schwestern und Brüder,

ich spreche zu Ihnen als jemand, der – genauso wenig wie Pastor Kersting - das Kriegsende selbst miterlebt hat. Und dennoch gehören wir beide noch der Kriegsgeneration an. Denn man spricht auch bei Generation, deren Eltern den Krieg mitgemacht haben, von der Kriegsgeneration. Und man tut dies mit Recht. Denn das Erleben eines Krieges ist so einprägsam, dass des die Erziehung der Kinder bewusst oder unbewusst ganz entscheidend beeinflusst. Die Eltern, die den Schrecken des Krieges kennen, übertragen ihre Erfahrungen auf die eigenen Kinder - ob sie wollen oder nicht. Schon dadurch, dass sie wollen, dass es den Kindern einmal besser geht. Schon dadurch, dass sie das um ihrer Kinder willen verdrängen, mit dem sie selbst ein Leben lang nicht fertig werden. 60 Jahre nach Kriegsende- das ist einerseits eine schon recht lange Zeit, andererseits wird es vielleicht erst jetzt so langsam möglich, über bestimmte Dinge zu reden, über die zu Reden es vorher nicht möglich war. Das unvorstellbare Grauen. Auch die Geschichten von Schuld und von unaussprechlichem Schrecken, die sich -ungewollt und unausgesprochen - auf uns Kinder übertragen haben. Gleichzeitig aber droht nach 60 Jahren das Grauen des Krieges und die unglaubliche Freude über die Befreiung vom Krieg gar nicht mehr verstanden zu werden, weil eine ganz neue Generation überhaupt nicht mehr mit den Erfahrungen von Krieg und Not in Berührung gekommen ist. Deshalb sind Mahnmale so notwendig.

Dia Eingang KZ Dachau:

Eingang KZ Dachau

Mahnmale wie dieses. „Arbeit macht frei“. Das zynische Schild am Eingang eines KZs. Am 30.April war ich in der Gedenkstätte des KZ Dachau, die Eindrücke sind noch ganz frisch. Einen Tag vorher, am 29. April ist das KZ vor 60 Jahren durch die Amerikaner befreit worden und es fand eine große Kundgebung statt. Tag für Tag wird diese Gedenkstätte von Schulklassen und vielen Menschen aus allen Herren Ländern besucht.

Gedenktafel KZ Dachau

Mitten auf dem Platz steht eine große Tafel, dort steht in Französisch, Englisch und Russisch: Möge das Vorbild derer die von 1933 bis 1945 wegen ihres Kampfes gegen den Nationalsozialismus ihr Leben ließen die Lebenden vereinen zur Verteidigung des Friedens und der Freiheit und in Ehrfrucht vor der Würde des Menschen.
Die Opfer von Gewaltherrschaft und Krieg sind erst dann wirklich umsonst gewesen, wenn sie vergessen werden. Deshalb ist es so wichtig, dass diese Opfer der Anlass sind, sich um ihretwegen zu versammeln, in Einigkeit zusammenzustehen, aufzustehen für den Frieden, der eben nicht selbstverständlich ist, sondern Tag für Tag neu erobert, erkämpft werden muss. Für die Freiheit aller Menschen und für die Würde aller Menschen. Wir dürfen nicht wegschauen, wo auch heute noch die Würde eines Menschen mit Füßen getreten wird - denn so fängt sie an, die Gewhaltherrchaft und der Krieg, wo die Würde von Menschen nicht mehr geachtet wird.

Platz vor Baracke KZ Dachau

Mitten im Schotter auf dem erdrückenden Gelände der KZ-Gedenkstätte in Dachau habe ich diese kleine Löwenzahlpflanze entdeckt. Eigentlich dürfte sie da gar nicht wachsen. Aber so ist das Wunder des Lebens: es findet immer einen Weg selbst unter den lebensfeindlichsten Umständen. Ein Zeichen der Hoffnung. Ein Zeichen für das Leben. Solange der Krieg und der Schrecken nicht vergessen werden, kann es zur Versöhnung kommen. Versöhnung mit den Schatten der Vergangenheit. Versöhnung auch mit der Schuld. Auch der Schuld der eigenen Eltern. Versöhnung, weil es ohne Versöhnung keine Zukunft gibt auf dieser einen, doch so wunderschönen Welt.

Löwenzahn von nahem

Christus sagt unmissverständlich: Selig sind die Friedfertigen - und nicht die Kriegstreiber. Krieg darf um Gottes Willen nicht sein - Weil niemand von uns von Bomben zerfetzt, von Granaten getötet oder an den Folgen von Kriegsvorbereitung und Kriegsausübung leiden will, dürfen wir es auch nicht anderen antun - weil die anderen auch Menschen sind, Menschen wie wir, Menschen mit Würde, die leben, die feiern, die in Frieden glücklich werden wollen. So wollen wir am 60. Jahrestag des Kriegsendes die Hoffnung in den Mittelpunkt stellen - und das ist eben die uneingeschränkte, kompromisslose Menschen- Nächsten- und Feindesliebe Jesu Christi, der aller Gewalt abgeschworen hat und so die Gewalt überwunden hat. Gerade angesichts der Opfer von Gewalt und Krieg, der es auch zu unserer Zeit in unglaublicher Menge gibt, möge uns dieses Wort Jesu im Gedächtnis bleiben: Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Gottes Kinder heißen.

Amen.
 

Gebet der Vereinten Nationen:

Gebet der Vereinten Nationen