Evangelische Kirche Bad Lippspringe

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Predigten und Andachten

 

Gott hat uns frei gemacht, das Gute festzuhalten

Predigt zum Sonntag INVOKAVIT 13.2.2005 Neuenbeken - Bad Lippspringe

Pfarrer Detlev Schuchardt, Bad Lippspringe

III.Reihe: 1.Mose 3,1-19

Friede sei mit euch und die Gnade Gottes in Jesus Christus, unserm Herrn. Amen.

Liebe Schwestern und Brüder,

der Predigttext heute ist die Geschichte vom Sündenfall. Wir beginnen also von Adam und Eva. Die Bedeutung des Vornamens „Eva“ ist sicher all denen bekannt, die Eva heißen - und da meine Eltern mir einmal verraten haben, dass ich, wäre ich ein Mädchen geworden, auch „Eva“ geheißen hätte, kann ich ein bißchen mitreden. Was heißt denn nun EVA? Nun: einfach „Leben“. Eva heißt Leben. Eigentlich gar kein Eigenname, sondern Ausdruck für das, was durch die Schöpfung geschaffen wurde: Leben. Und „Adam“? Adam ist auch kein Eigenname, sondern heißt schlicht Mensch. Mensch nach der Erde, dem Ackerboden, aus dem er laut Bibel geschaffen wurde.

Die Geschichte vom Sündenfall kennen Sie: Adam und Eva dürfen im Paradies alles, nur nicht von einer Frucht eines bestimmten Baumes essen. Übrigens nur durch die fehlerhafte Übersetzung aus einer lateinischen Bibel wird behauptet, dass diese Frucht ein Apfel sei, was eigentlich gar nicht stimmt. Aber da gibt es die böse Schlange, die als eine Gestalt des Teufels interpretiert wird, die auf listige Weise zunächst Eva, dann wieder Eva den Adam verführt, doch davon zu essen. Die Folgen sind bekannt: „Da wurden ihnen beiden die Augen aufgetan, und sie wurden gewahr, dass sie nackt waren.“ Gott stellt nur diese eine Frage: „Adam, wo bist du?“ Und Adam, der doch genau weiß, worum es geht, sucht die Schuld auf Eva abzuwälzen, Eva auf die Schlange. Gott straft alle drei und Ende verlieren Mensch und Leben ihr Paradies.

Soweit unser Predigttext. Gott, segne dein Wort an uns allen. Amen.
Sie kennen die Klagen, liebe Schwestern und Brüder, diese Klagen, dass alles immer schlechter wird. Dass früher die Welt noch in Ordnung war, die Jugend schwer auf Zack und die Kinder lieb und einsichtig. Und diese Klagen führen dann regelmäßig zum Selbstmitleid und werden schnell zu Anklagen: die anderen sind schuld, die antiautoritären Lehrer und Eltern, die aufsässige Jugend, Pisa die Bonzen da oben oder die faulen Arbeitslosen - je nach eigener Sichtweise - wer auch immer. Doch da gibt es diesen weisen Satz: Zeigst du mit einem Finger auf einen anderen Menschen, zeigen drei Finger auf dich selbst zurück. Natürlich ist es in der Welt nicht alles gut - aber genauso sind wir alle mit schuld daran! Die Probleme von Jugendlichen, der Hunger in der Einen Welt, die Zerstörung unserer Umwelt und auch der schlechte Ruf unserer Kirche - auch wir tragen unserer Teil dazu bei, dass es das alles gibt. Oft genug machen wir es wie Adam und Eva nachdem sie auf die Schlange hereingefallen waren. Adam sagt: Ich habe nicht von der Frucht gegessen, Eva hat sie mir gegeben. Und Eva sagt: Ich bin nicht schuld, die Schlange hat mir die Frucht gegeben. So wird die Verantwortung schnell auf andere geschoben. Am Ende ist es dann Gott, den man wunderbar für alles verantwortlich machen kann. Wie kann Gott das zulassen, dass es Krieg gibt, Gewalt und Leid. Wir Menschen, schon gar nicht wir selbst, wollen uns nicht eingestehen, dass wir auch unseren Beitrag leisten zum Bösen in der Welt.

Der Maler Pablo Picasso hatte einst ein Gemälde fertiggestellt, das in besonders eindrücklicher Weise das Grauen des Krieges darstellte. Eines Tages kam ein deutscher Offizier in sein Atelier. Als er das Gemälde entdeckt, blieb er wie versteinert stehen. Nach einer Weile stammelte er: „Haben Sie das gemacht?“ „Nein“, sagte Picasso und sah den Fremden mit blitzenden Augen an, „nei, das haben Sie gemacht.“ Wir können diese Geschichte übertragen, indem wir auf das Grauen dieser Welt schauen, wenn wir die zerstörten Wälder oder drogenabhängige Kinder oder verhungernde Menschen sehen und dann ganz erschüttert fragen: „Lieber Gott, hast du das gemacht?“ Dann würde er uns antworten: „Nein, ihr Menschen, das habt ihr gemacht. Das ist die Folge eures Wegschauens, eures Egoismus, weil ihr nur an euch selbst gedacht habt, aber die Schwachen an die Wand drängtet, weil ihr nicht teilen wollt, weil ihr eure Nächsten eben nicht liebt.“

Was vielleicht wie eine Anklage klingt, ist in Wirklichkeit eine große Befreiung. Mensch und Leben, Adam und Eva sind zur Freiheit geschaffen. Sie können sich entscheiden, zum Guten und zum Bösen. Sind keine Marionetten, die von irgendwoher ferngesteuert werden. Auf uns kommt es an, was wir aus unserem Leben machen. Deshalb sind auch Erziehung und Bildung so wichtig; denn es liegt ja auch an uns, welches Denken in den Kindern und Jugendlichen angelegt ist, von welchen Vorbildern sie lernen, welche Werte ihnen einleuchten und von ihnen übernommen werden. Verbote allein nutzen wenig. Das musste auch schon Gott im Paradies erfahren. Nur in Freiheit kann ein Mensch reifen, kann volles Leben zur Entfaltung kommen.

Es gibt sie, die Kehrseite der Freiheit. Es gibt nicht nur Licht, auch Schatten, nicht nur Leben, auch Tod, nicht nur das Gute, auch das Böse. Gott mutet es uns zu, dass wir Mensch beides durchleben müssen. Aber er greift ein und bezieht Stellung: In Jesus, seinem Sohn, in dessen Namen wir taufen und getauft sind. Er hat gelitten um unseretwillen, weil wir schuldig sind und es immer wieder werden: Durch unsere Lieblosigkeit, durch unser Unaufmerksamkeit, durch unser Wegschauen, wenn jemand Hilfe braucht, durch unseren Wohlstand, durch vieles mehr. Und Jesus ist auferstanden um unseretwillen, weil er Erbarmen hatte mit unserern Schwächen. So schenkt er aus freien Stücken die Gemeinschaft mit ihm und seinem Sohn, so auch etwa im Abendmahl. Das Abendmahl ist ein Freudenmahl mitten in der Leidenszeit: Gott kommt zu uns, Christus lädt uns ein, an seinem Tisch die Vergebung aller Schuld und Sünde zu feiern. Wir können einfach kommen, unsere Schwäche eingestehen, umkehren und ganz neu beginnen. Einfach so, weil Gott uns liebt.

Bei Adam und Eva habe ich angefangen. Bei Gottes Liebe in Jesus Christus bin ich angekommen. Aber die Geschichte von Mensch und Leben geht weiter. In den alten Menschen, die viele Geschichten erzählen können, den jungen Menschen. In den jugnen Menschen wie Viola, Erik und jetzt auch Richard Robert. Sie wachsen in eine bedrohte, oft böse Welt hinein. Aber es gibt keinen Grund daran zu zweifeln, dass der Mensch die Kraft zu einem guten Leben hat. Niemand kann die Verhältnisse zur Entschuldigung vorbringen. Gott hat uns frei gemacht, das Gute festzuhalten. Und wenn wir zweifeln oder zu schwach werden, dann ist er da, nimmt uns an der Hand oder in den Arm, dass wir bewahrt werden und hindurchkommen und stark bleiben gegen alles, was uns bedroht. Vertraut darauf.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserm Herrn. Amen.