Lieder: 279, 1+4 730 108 272 302, 1-3 181,7
Predigttext: II.Reihe: 1.Johannes 5, 1-4
Friede sei mit euch und die Gnade Gottes in Jesus Christus. Amen.
Der Predigttext steht im 1. Johannes-Brief im 5. Kapitel:
„Wer glaubt, dass Jesus der Christus ist,
der ist von Gott geboren;
und wer den liebt, der ihn geboren hat,
der liebt auch den, der von ihm geboren ist.
Daran erkennen wir, dass wir Gottes Kinder lieben,
wenn wir Gott lieben und seine Gebote halten.
Denn das ist die Liebe zu Gott,
dass wir seine Gebote halten; und seine Gebote sind nicht schwer.
Denn alles, was von Gott geboren ist, überwindet die Welt;
und unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.“
Liebe Schwestern und Brüder,
wir befinden uns mit dem Sonntag „Jubilate“ in der Mitte der Osterzeit. Ostern
- das sind ja nicht nur die 2 Tage an denen der Osterhase kommt, das sind 5
Sonntage, in denen die Botschaft von Jesu Auferstehung entfaltet wird:
Quasimodogeniti - Misericordias Domini - Jubilate - Kantate - Rogate - Exaudi.
Ostern - das ist überhaupt das zentrale Ereignis der Christenheit, das größte
und wichtigste, freudigsten und schönste Thema des Glaubens. Er ist nicht in
zwei Feiertagen abzuhandeln, worum es geht, das braucht eigentlich ein ganzes
Christenleben. Schon der erste Sonntag nach Ostern konkretisiert die freudige
Botschaft von der Auferstehung Jesu: Quasimodogeniti - wie die neugeborenen
Kindlein sind wir durch die Taufe reingewaschen von allen Sünden und haben
Anteil an dem neuen Leben, das Christus möglich gemacht hat, weil er das Tor
des Tod ein für allemal und auch für uns durchschritten hat.
Dann „Misericordias Domini“ - der Sonntag von der Barmherzigkeit des Herrn,
der Sonntag des Guten Hirten: Gott ist ein Gott, der das Verirrte rettet, der
uns zu neuen, frischen Quellen führt, dem wir so wichtig sind, dass er alles
für uns tut um uns zu finden.
Der nächste Sonntag ist der Sonntag „Kantate“: singet! Hier kippt schon
langsam die Rede von Gottes Tat hin zu der Antwort der Gemeinde: Ihr, die ihr
Gottes Botschaft hört, gebt ihr Raum in eurem Leben. Singt, musiziert zum Lobe
Gottes - was viel mehr ist, als ein bloßes Ausschmücken von Gottesdiensten. In
der Musik zum Lobe Gottes liegt soviel Kraft, soviel Trost, soviel Göttliches,
das trägt und zur Freude verleitet. In 14 Tagen ist Rogate „Betet!“ Früher
fanden Bittumgänge um die Felder für eine gute Ernte statt - noch mehr wird an
die Früchte der Auferstehung gemahnt: nämlich das Gebet zu nutzen, auf dem
eine große Verheißung ruht.
Dann folgt der Tag der Himmelfahrt Christi. Der Auferstandene ist nicht mehr
leibhaftig unter uns, er sitzt zur Rechten Gottes. Zu aller Freude, allem
Jubilieren über den Sieg Gottes über die Mächte des Todes kommt ein neuer Ton:
Der Ton der Verantwortung für diese Welt, die uns Christus anvertraut. Dann
folgt Exaudi: Die wartende Gemeinde, die auf Pfingsten wartet, auf das Kommen
des Heiligen Geistes - aber das ist schon ein anderes Thema.
Heute ist erst einmal „Jubilate“ - die Mitte der Osterzeit. „Jubilate Deo,
omnis terra!“ Psalm 66, 1: Jauchzt Gott, alle Lande! Es ist Jubel über die
Auferstehung. Die gesamte Schöpfung soll sich freuen: „Ist jemand in Christus,
so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist
geworden!“ Der Weinstock ist das Symbol für die neue Schöpfung. Wie die
Früchte des Weinstocks gehören wir dazu, haben wir Anteil an dem neuen Leben,
das jetzt schon beginnt. Die Wiederkunft Christi wird uns keine Angst machen,
wir gehören zu den Geretteten!
Aus dem ursprünglichen kindlichen Vertrauen ist die starke Gewissheit
gewachsen: Der Glaube an den auferstandenen Christus gibt Kraft und Lebensmut,
wir müssen noch gar nicht mahnen und aufrütteln, wir brauchen nur die Augen
aufzumachen: noch ganz dicht dran sind wir an der frohen Botschaft! Um uns
herum blüht es, wärmt uns die Sonne, werden wir innerlich und äußerlich wach
für das Leben, alles erwacht, die neue Schöpfung - der Grundton ist der Jubel
über Gottes Werk an uns!
Ganz in diesem Grundton ist auch unser Predigttext geschrieben: „Unser Glaube
ist der Sieg, der die Welt überwunden hat!“ Wir wissen heute, dass diese
Zeilen auf dem Hintergrund eines konkreten Problems einer Gemeinde geschrieben
worden sind. Da hatte sich eine Elite in der Gemeinde über die anderen
erhoben, die einseitig den erhöhten, also den zur Rechten Gottes sitzenden
Christus predigten, aber den Menschen Jesus, den der gelitten hat und mit den
Zöllnern und Sündern am Tisch saß, als unwichtig zur Seite taten. Entsprechend
erhoben sie sich auch über solche in der Gemeinde, die nicht zur ihrer Elite
gehörten.
Ihnen schreibt der Apostel: „Alle Getauften sind von Gott neu geboren und
absolut gleich. Die Liebe des Vater macht sie zu Geschwistern. Und wichtiger
als theologische Spitzfindigkeiten ist einzig und allein die Liebe. Die Liebe
zu Gott und die Liebe zu den Mitmenschen. Und diese Liebe ist hier nicht ein
unerklärbares, romantische Gefühl, nein, sie lässt sich klar festmachen: an
den Zehn Geboten, an dem Doppelgebot: „Du sollst Gott lieben und deinen
Nächsten wie dich selbst.“. Das ist eine klare Ohrfeige für die Elitären der
Gemeinde. Diejenigen, die meinen, es müsse noch etwas Besonderes, Erhöhtes,
Wahres, Besonderes (das natürlich nur sie besitzen) hinzukommen und die
Gottes- und Nächstenliebe könne nicht alles sein. Aber sie ist alles. Das Gute
tun, das, was den anderen nützt, einfach, weil es eine Freude ist, Gutes zu
tun. Einfach aus der Dankbarkeit, ein Kind Gottes zu sein, leben zu dürfen,
Gaben zu besitzen, angenommen und geliebt zu sein.
Wie gesagt, wir befinden uns hier ganz in der Mitte, ganz auf der Höhe von
Ostern. Manchmal ist unser Herz ganz schwer, wie versteinert, da sind wir
unten und können das Licht der Auferstehung gar nicht oder nur als schwachen
Funken begreifen. Aber gerade dann ist es doch wichtig, dass dieses Wissen von
der Liebe Gottes hochgehalten wird. Dieses Wissen des Glaubens, dass die Liebe
Gottes den Sieg davon trägt. Dass wir unter Gottes Schutz wie die neugeborenen
Kindlein. Dass er für uns sorgt wie der Gute Hirte. Dass wir uns freuen, zu
seiner Ehre singen und musizieren, zu ihm beten, auf ihn geduldig warten
können. Die dankbare Freude können wir nicht immer selbst hochhalten. Dann ist
es es wichtig: da sind andere, die stellvertretend glauben. Denn das gibt es
auch: den stellvertretenden Glauben. Etwa bei den vier Freunden, die den
gelähmten durch das aufgedeckte Dach zu Jesus bringen.
„Jubilate Deo, omnis terra!“ Wenn Gott die ganze Welt neu geschaffen hat -
warum kann er dann nicht auch mein Herz berühren, erfreuen, zum Blühen und
Wachsen bringen? Es ist nicht so schwer, ein Kind Gottes zu sein. Wer die
Liebe Gottes in sich spürt und diese Liebe ganz natürlich durch die Nächsten-
und Eigenliebe zu beantworten sucht, der ist ganz gewiß auf dem richtigen Weg.
Weil er, weil sie Anteil hat an diesem Glauben, „der die Welt überwunden hat.“
„Die Welt überwunden“ - das heißt nicht Weltflucht. Heißt auch nicht, frei zu
sein von Angst und Abhängigkeiten. Es heißt aber, wie Archimedes schon sagte:
„Geben Sie mir einen Hebel, der lang genug ist und einen Standpunkt außerhalb
der Welt - und ich werde die Welt bewegen.“ Einen solchen Standpunkt haben wir
Christen im Glauben durch die Auferstehung Jesus Christi von den Toten. Der
Glaube schützt nicht vor Schmerz und Enttäuschung, aber er fängt uns vor dem
Absturz auf. Er verweist uns auf das, was uns hält, was stärker ist als die
Welt und der Tod: Die unendliche, unfassbare, unaufhaltsame Liebe Gottes.
Amen.