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Evangelische Kirche Bad Lippspringe

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Kreuz

Predigt zu den Konfirmationen am 8. und 9. Mai 2004

Pfarrerin Antje Lütkemeier, Bad Lippspringe

Liebe Gemeinde, liebe Konfis,

gute anderthalb Jahre hattet ihr jetzt Zeit, Christentum, Glauben und Kirche kennen zu lernen. Konfirmation heißt jetzt auch für euch: die Zustimmung zur Taufe, heißt: Ja, ich will Teil dieser Gemeinschaft sein, Mitglied dieser Kirche.

Habt ihr euch das auch gut überlegt? Kirche ist doch bekanntermaßen ein Verein, zu dem vielen Menschen nur einfällt: schlimme Geschichte der Kreuzzüge. In jeder Kirche steht ein Kreuz vorn, wie auf dem Friedhof. Das Logo ist doch eine Katastrophe! Ein Folterinstrument und Todessymbol als Erkennungsmerkmal Wie konnte das passieren?

Als die Menschheit noch jung war, damals, schuf Gott eine Verbindung von einem zum anderen Menschen. Eine Verbindung, die die Welt umspannte, von rechts nach links, von Westen nach Osten und wieder zurück. Der menschliche Horizont.

Aber irgendwann, mit der Zeit, vergaßen die Menschen, dass die Linie eine Verbindung darstellte. Sie sahen darin eine Grenze. Abgrenzung. Trennlinie. Drinnen und draußen. Wir und die anderen da.

Der Blick ging von einem zum anderen, von rechts nach links und wieder von links nach rechts. Und die Menschen schauten sich gegenseitig immer misstrauischer an. Alles spielte sich auf einer Ebene ab, alles drehte sich nur noch um das eigene Selbst im Gegensatz zu den Anderen. Rechts links, links rechts und irgendwann fiel es ihnen noch nicht einmal mehr auf, welche Kopfbewegung sie bei immer machten: rechts links, links rechts – die Menschen konnten nur noch den Kopf schütteln – nein. Aus der Verbindungslinie war ein Minus geworden. Die Menschen konnten nur noch ihre Mängel sehen, aber besonders die Fehler und Makel der anderen.

Und Gott dachte sich: das muss ich ändern. Das kann nicht so bleiben, ich werde diese Haltung der Menschen ganz einfach durchkreuzen! Und so machte Gott die Verbindung zwischen Himmel und Erde ganz sichtbar durch eine starke Linie von oben nach unten. Himmel und Erde, Gott und die Menschen. Gott wollte, dass sich die Menschen eben auch an diese Linie erinnern und mal eine Auszeit vom andauernden Kopfschütteln bekommen. Oben unten, unten oben, Gottes großes Ja zum Menschen. Die Beziehung von Mensch zu Mensch und die Verbindung von Gott und Mensch, zusammen ergibt das ein Kreuz. Nun schon seit 2000 Jahren das Erkennungszeichen von Christinnen und Christen, ihr Logo sozusagen.

Das Kreuz steht für die Tatsache, dass Gott unsere Pläne durchkreuzt. Aus dem grausamen Folter- und Hinrichtungsinstrument der Römer wurde Gottes Zeichen der Hoffnung. Aus dem Todessymbol ein Zeichen des Lebens. Gottes großes Plus gegen das Minus.

Aber das Kreuz hat mehr Bedeutungen:

Die meisten von uns nehmen in irgendeiner Art und Weise am Straßenverkehr teil. In vier, fünf Jahren habt ihr Konfis einen Führerschein und fahrt Auto. Meist ohne darüber groß nachzudenken sind Kreuzungen Teil unserer täglichen Wege.

An einer Wegkreuzung gibt es immer vier Möglichkeiten wie es weitergehen soll: geradeaus, rechts, links oder vielleicht auch zurück. Das Kreuz zeigt Alternativen auf: Für die meisten Entscheidungen im Leben gibt es mehr als nur eine Lösung.

In einigen Jahren verdient ihr euer erstes eigenes Geld. Wie allen geht es euch dann so: am Ende eines Monats wollt ihr gerne ein kleines Kreuz vor dem Betrag auf euren Kontoauszügen sehen. Das Kreuz heißt, ich kann eine positive Bilanz ziehen. Egal ob es manchmal rosig aussieht und manchmal eben nicht so gut, unterm Strich heißt das Kreuz – alles in Ordnung.

Ein Kreuz kann ein Warnhinweis sein: Stopp, dein Weg ist falsch, führt ins Abseits. Entschleunigen, nachdenken, welche Richtung ist die angemessene, welche Spur führt ins Leben?

Das Kreuz stellt eine verlässliche Verbindung zwischen Himmel und Erde dar, eine Beziehung zwischen Menschen und zwischen Gott und Mensch.

Das Kreuz ist aber auch Symbol der Entscheidung: wir Menschen können Ja sagen, das Leben bejahen.

Aber wir müssen nicht zu allem Ja und Amen sagen. Wir können und sollen nein sagen, wenn etwas nicht dem Leben dient.

In wenigen Jahren könnt ihr wählen, in der Kirche und auf Landesebene schon mit 16, überall anders spätestens mit 18 Jahren. Ihr geht hin und macht euer Kreuz. Dieser gewählten Person traue ich einiges zu: mich zu vertreten, für mich einzustehen, meine Meinung da zu sagen, wo es mir nicht möglich ist.

Gott hat sein Kreuz schon gemacht. An eurem Namen. Er traut euch und uns einiges zu. Gott hat sich für euch entschieden. Nehmt diese Wahl an!