Liebe Gemeinde, liebe Konfis,
gute anderthalb Jahre hattet ihr jetzt Zeit, Christentum, Glauben und Kirche
kennen zu lernen. Konfirmation heißt jetzt auch für euch: die Zustimmung zur
Taufe, heißt: Ja, ich will Teil dieser Gemeinschaft sein, Mitglied dieser
Kirche.
Habt ihr euch das auch gut überlegt? Kirche ist doch bekanntermaßen ein
Verein, zu dem vielen Menschen nur einfällt: schlimme Geschichte der
Kreuzzüge. In jeder Kirche steht ein Kreuz vorn, wie auf dem Friedhof. Das
Logo ist doch eine Katastrophe! Ein Folterinstrument und Todessymbol als
Erkennungsmerkmal Wie konnte das passieren?
Als die Menschheit noch jung war, damals, schuf Gott eine Verbindung von einem
zum anderen Menschen. Eine Verbindung, die die Welt umspannte, von rechts nach
links, von Westen nach Osten und wieder zurück. Der menschliche Horizont.
Aber irgendwann, mit der Zeit, vergaßen die Menschen, dass die Linie eine
Verbindung darstellte. Sie sahen darin eine Grenze. Abgrenzung. Trennlinie.
Drinnen und draußen. Wir und die anderen da.
Der Blick ging von einem zum anderen, von rechts nach links und wieder von
links nach rechts. Und die Menschen schauten sich gegenseitig immer
misstrauischer an. Alles spielte sich auf einer Ebene ab, alles drehte sich
nur noch um das eigene Selbst im Gegensatz zu den Anderen. Rechts links, links
rechts und irgendwann fiel es ihnen noch nicht einmal mehr auf, welche
Kopfbewegung sie bei immer machten: rechts links, links rechts – die Menschen
konnten nur noch den Kopf schütteln – nein. Aus der Verbindungslinie war ein
Minus geworden. Die Menschen konnten nur noch ihre Mängel sehen, aber
besonders die Fehler und Makel der anderen.
Und Gott dachte sich: das muss ich ändern. Das kann nicht so bleiben, ich
werde diese Haltung der Menschen ganz einfach durchkreuzen! Und so machte Gott
die Verbindung zwischen Himmel und Erde ganz sichtbar durch eine starke Linie
von oben nach unten. Himmel und Erde, Gott und die Menschen. Gott wollte, dass
sich die Menschen eben auch an diese Linie erinnern und mal eine Auszeit vom
andauernden Kopfschütteln bekommen. Oben unten, unten oben, Gottes großes Ja
zum Menschen. Die Beziehung von Mensch zu Mensch und die Verbindung von Gott
und Mensch, zusammen ergibt das ein Kreuz. Nun schon seit 2000 Jahren das
Erkennungszeichen von Christinnen und Christen, ihr Logo sozusagen.
Das Kreuz steht für die Tatsache, dass Gott unsere Pläne durchkreuzt. Aus dem
grausamen Folter- und Hinrichtungsinstrument der Römer wurde Gottes Zeichen
der Hoffnung. Aus dem Todessymbol ein Zeichen des Lebens. Gottes großes Plus
gegen das Minus.
Aber das Kreuz hat mehr Bedeutungen:
Die meisten von uns nehmen in irgendeiner Art und Weise am Straßenverkehr
teil. In vier, fünf Jahren habt ihr Konfis einen Führerschein und fahrt Auto.
Meist ohne darüber groß nachzudenken sind Kreuzungen Teil unserer täglichen
Wege.
An einer Wegkreuzung gibt es immer vier Möglichkeiten wie es weitergehen soll:
geradeaus, rechts, links oder vielleicht auch zurück. Das Kreuz zeigt
Alternativen auf: Für die meisten Entscheidungen im Leben gibt es mehr als nur
eine Lösung.
In einigen Jahren verdient ihr euer erstes eigenes Geld. Wie allen geht es
euch dann so: am Ende eines Monats wollt ihr gerne ein kleines Kreuz vor dem
Betrag auf euren Kontoauszügen sehen. Das Kreuz heißt, ich kann eine positive
Bilanz ziehen. Egal ob es manchmal rosig aussieht und manchmal eben nicht so
gut, unterm Strich heißt das Kreuz – alles in Ordnung.
Ein Kreuz kann ein Warnhinweis sein: Stopp, dein Weg ist falsch, führt ins
Abseits. Entschleunigen, nachdenken, welche Richtung ist die angemessene,
welche Spur führt ins Leben?
Das Kreuz stellt eine verlässliche Verbindung zwischen Himmel und Erde dar,
eine Beziehung zwischen Menschen und zwischen Gott und Mensch.
Das Kreuz ist aber auch Symbol der Entscheidung: wir Menschen können Ja sagen,
das Leben bejahen.
Aber wir müssen nicht zu allem Ja und Amen sagen. Wir können und sollen nein
sagen, wenn etwas nicht dem Leben dient.
In wenigen Jahren könnt ihr wählen, in der Kirche und auf Landesebene schon
mit 16, überall anders spätestens mit 18 Jahren. Ihr geht hin und macht euer
Kreuz. Dieser gewählten Person traue ich einiges zu: mich zu vertreten, für
mich einzustehen, meine Meinung da zu sagen, wo es mir nicht möglich ist.
Gott hat sein Kreuz schon gemacht. An eurem Namen. Er traut euch und uns
einiges zu. Gott hat sich für euch entschieden. Nehmt diese Wahl an!