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Evangelische Kirche Bad Lippspringe

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Papierflieger

Konfirmationspredigt 01./02. Mai 2004

Pfarrerin Antje Lütkemeier, Bad Lippspringe

 

Freiheit ist Ausprobieren der eigenen Möglichkeiten und Grenzen.

Freiheit hat ganz unterschiedliche Formen und Wege.

Freiheit ist Risiko

Was hält und trägt weiter? Was ermöglicht Freiheit auch nach Rückschlägen und Abstürzen?
 


Gnade sei mit euch und Friede von Gott. Amen

Liebe Gemeinde, liebe Konfis,

was eigentlich ist wichtig an Konfirmation, oder besser: was ist euch wichtig. Diese Frage haben wir vor einigen Wochen besprochen, vielleicht erinnert Ihr euch an die Pyramide im Buch.

Ihr wart sehr ehrlich: bei vielen belegten die zu erwartenden Geschenke Listenplatz Nummer eins. Keine Sorge, ich werde jetzt nicht gegen die Geschenke zur Konfirmation anpredigen - ich denke, die gehören einfach zu diesem Tag dazu, und wer von uns läßt sich nicht gerne auch mal beschenken?

Ich war nur froh, dass es euch eben nicht nur um Geschenke geht. Denn auch Gottes Segen wurde häufig genannt, Anerkennung bei den Erwachsenen, die Rechte und Pflichten eines vollberechtigten Mitglieds der Kirche, d.h. Patenamt und kirchl. Trauung) und eben auch: ein Stück mehr Freiheit.
Mehr Freiheit. Ich habe nachgefragt: geht es um den zusätzlichen freien Nachmittag, wenn der Unterricht am Dienstag oder Donnerstag jetzt wegfällt?
Sicher, auch das. Aber mit dem Stück mehr Freiheit war mehr gemeint. Persönliche Entscheidungsfreiheit, z.B., ein wachsender Freiraum, das eigene Leben zu gestalten, nicht mehr nur das tun müssen, was andere Menschen: Lehrer, Vater, Mutter, Oma, Opa, Pfarrerin ...., von mir verlangen und erwarten.

Vielleicht war da noch eine dunkle Erinnerung an das Thema: die 10 großen Freiheiten, manchmal auch noch 10 Gebote genannt.
Gott will Menschen befreien: wir müssen nicht mehr andere Götter befriedigen, ob die nun Geld, Macht, Schönheit, Jugend oder sonst wie heißen. Wir müssen auch keinem tradierten Gottesbild anhängen, Gott ist sowieso ganz anders als all unsere Bilder. Wir müssen nicht sieben Tage die Woche schuften und auch nicht shoppen: an einem Tag dürfen wir die Freiheit haben, nichts zu tun, oder nur das zu tun, was dem Menschen dient. Sei das nun ein Familienausflug, das Engagement für andere oder auch mal ein Tag Extrem-Couching.

Allerdings ist mit Freiheit nicht die absolute Leere gemeint, von der Janis Joplin mal gesungen hat: freedom is just another word for nothing left to loose (Freiheit ist nur ein anderer Ausdruck für: nichts mehr zu verlieren.) Freiheit meint viel mehr als das.

Zur Freiheit hat uns Christus frei gemacht, laßt euch nicht wieder zu Sklaven machen.

Das heißt: Ihr Konfis müßt euch nicht der herrschenden Meinung unterwerfen, welche Kleidungsmarken, Musiktrends oder Gruppenzwänge gerade angesagt sind. Gott liebt euch als die, die ihr seid. Ihr seid frei, eigene Wege zu gehen, euren eigenen Stil zu finden, euren Geschmack.

Freiheit heißt allerdings auch nicht Rücksichtslosigkeit und Egoismus. Ich kann auch zum Sklaven meiner eigenen Wünsche, Absichten und Begierden werden. Auch hier sagt Gott: lass dich nicht verskaven. Freiheit heißt auch: von sich selbst mal absehen zu können, frei zu sein für andere!

Zur Freiheit hat uns Christus frei gemacht, laßt euch nicht wieder zu Sklaven machen.

Wir Menschen lassen uns von vielen Dingen versklaven und letztendlich auch von unserer Angst vor dem Tod. Sterben und Tod sind die letzten Grenzen und Zwänge, denen wir alle uns unterwerfen müssen. So scheint es. Allerdings hat Gott uns auch auch diesen Zwängen herausgeholt. In Christus ist er am Kreuz gestorben und am dritten Tag wieder auferstanden, er lebt, so wissen und bekennen wir es seit dem Ostertag vor 2000 Jahren in Jerusalem.

Zur Freiheit hat uns Christus frei gemacht, laßt euch nicht wieder zu Sklaven machen.


Amen