III: Reihe: Johannes 6,55-65
Liebe
Gemeinde,
ich lese für die heutige Predigt aus dem Johannesevangelium, Kapitel 6.
Jesus sprach:
Ich bin das Brot des Lebens. ....
Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit. Und dieses Brot ist mein Fleisch, das ich geben werde für das Leben der Welt. ....
Denn mein Fleisch ist die wahre Speise, und mein Blut ist der wahre Trank. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm.Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und ich lebe um des Vaters willen, so wird auch, wer mich isst, leben um meinetwillen.
Dies ist das Brot, das vom Himmel gekommen ist. Es ist nicht wie bei den Vätern, die gegessen haben und gestorben sind. Wer dies Brot isst, der wird leben in Ewigkeit.
Das sagte er in der Synagoge, als er in Kapernaum lehrte.
Liebe Gemeinde,
Sie alle kennen das Wort aus der Bibel, das zum Sprichwort geworden ist: Der
Mensch lebt nicht vom Brot allein.
Aber wie geht dieses Wort weiter? Wie geht dieses Wort für Sie weiter?
Überlegen Sie einen Moment! Was ist für Sie so wichtig, dass Sie sagen
könnten: Ich lebe nicht vom Brot allein, sondern von....???
Wovon leben Sie? Von der Liebe Ihres Partners oder Partnerin, jetzt oder in
der Vergangenheit? Vom Lachen und Reden Ihrer Kinder und Enkelkinder? Von der
Erfüllung, die Ihr Beruf Ihnen gibt? Von ruhigen Stunden des Nachdenkens oder
des Gebetes? Von der Gemeinschaft mit anderen Menschen? Von der Hoffnung?
Vielleicht ist auch ein wenig zum Anfassen, Sehen und Schmecken dabei gewesen:
eine schöne Wohnung als Ort von Ruhe und Gemeinschaft, ein paar weltliche
Genüsse, Kaffee, gutes Essen, guter Wein? Und sicher war bei einigen hier auch
Gesundheit dabei, Gesundheit zum Leben. Wovon leben wir, liebe Gemeinde?
Jesus sagt: Ich bin das Brot des Lebens. Wer mein Fleisch isst und mein Blut
trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm.
Das sind auch für uns, trotz aller Vertrautheit durch die Liturgie des
Abenmahls, immer doch auch fremde, abständige Worte.
So konkret, so körperlich: Fleisch und Blut, zum Anfassen, zum Schmecken, zum
Zerbeissen in den Zähnen, zum Rinnen durch unsere Kehlen.
Geht es denn nicht etwas geistlicher, etwas innerlicher? Erfahren wir die Nähe
Gottes denn nicht auch im Geist, beim Lesen der Bibel, im Gebet? Sicher auch.
Das hat Jesus uns ja auch immer wieder versprochen.
Aber wie können wir Christinnen und Christen denn Jesus als auferstandenen
Christus denn heute ganz nah kommen? Wo bleibt denn unsere ganze
Menschlichkeit, wenn nicht in dem Bedürfnis nach Essen und Trinken, nach
Fühlen und Schmecken? Wo bleibt denn unsere Menschlichkeit, wenn nicht in der
Sehnsucht nach erfahrbarer Nähe Gottes?
Denn bei allem, was wir uns eben als Brot unseres Lebens vor Augen geführt
haben, bei allem, was sicher auch gottgewollt unser Leben hier schön und
wertvoll macht, gilt doch: Die Nähe Gottes ist das, was wir mehr als alles
andere zum Leben brauchen. Ohne sie würden wir wohl bei vollem Bauch
verhungern.
Fleisch und Blut, Jesus selbst, in Brot und Wein: Das ist das Geheimnis
unseres Glaubens- mehr Worte kann ich dafür nicht finden.
Ich lasse stattdessen ein Bild zu uns sprechen, liebe Gemeinde.
Ich bitte Sie das Bild zur Hand zu nehmen, das Sie vor dem Gottesdienst
bekommen haben. Es zeigt, nur in schwarz-weiß, einen Wandteppich, der im
Andachtsraum der Christusbruderschaft in Selbitz in Oberfranken hängt. „Ich
bin das Brot des Lebens“- diese Worte habe ich aus unserem Johanneswort
unter das Bild gesetzt. Sicher haben Sie es sich schon angeschaut, jeder für
sich. Ich möchte jetzt mit Ihnen gemeinsam auf dieses Bild schauen, es mit
meinen Worten und mit den Worten des Theologen Peter Klever zum Sprechen
bringen.
Einen Tisch sehen wir dort, an dem sich Menschen zusammengefunden haben,
Männer und Frauen. Ob sie aus dem Dunkel gekommen sind, das den Tisch umgibt?
Nachtblau ist es, wenn wir die Farbe sehen könnten, nicht ganz schwarz, das
finde ich wichtig.
Wie sind die Menschen an diesen Tisch gekommen? Sind sie gerufen worden? Hat
eine den anderen mitgebracht? Hatten sie Hunger, die dort sitzen, Hunger nach
Leben, Sehnsucht nach Licht?
Beides, Hunger und Sehnsucht, wird dort gestillt. Wie der Schein einer Lampe,
so steht der lebendige Christus über und hinter dem Tisch. Er hat seine Hände
segnend ausgebreitet. Seine Hände sind wie ein Lichtkegel, der sie alle
umfasst, die an diesem Tisch sitzen.
Da ist keiner, der nicht im Licht sitzt, so unterschiedlich alle auch sein
mögen. Hellere und dunklere, verschiedenfarbige Gewänder tragen sie. Sie
sollen wohl zeigen, wie verschieden sie alle sind, die an diesem Tisch sitzen.
Selbst auf die Gestalt links unten fällt noch ein kleines bißchen Licht des
Auferstandenen.
Auf dem Tisch liegt ein Brot und auf dem Tisch steht ein Kelch. Und durch
beide -Brot und Kelch- geht sein Licht, geht sein Leib.
Wir trinken nicht nur Wein und essen nicht nur Brot, wir nehmen ihn auf.
Sein Licht- für unser Dunkel. Seine Kraft- für unsere Schwäche.
Seinen Trost- für unsere Tränen. Seine Klarheit- für unsere Zweifel.
Seine Hoffnung- für unsere Hoffnungen. Sein Leben- für unser Leben.
Wir nehmen ihn in uns auf in Brot und Wein, die auf dem Tisch stehen. In, mit
und unter dem Brot und Wein- so bin ich künftig da, sagt der Auferstandene.
Wenn ihr von diesem Brot esst und von diesem Wein trinkt, werdet ihr
hineingenommen in mein Licht, in meine Hoffnung und Leben.
Jedesmal tritt er so unter die Seinen und sagt: Friede sei mit euch. Die
Schuld ist vergeben. Nichts Trennendes ist mehr zwischen Gott und dir. Leben
wird mit dir sein- über deinen Tod hinaus.
Denn ich bin das Brot des Lebens. Amen
Das Bild und Teile der Bildinterpreation sind mit Dank entnommen dem Buch von
Peter Klever: Uns blüht das Leben, Verlag Ernst Kaufmann.