Evangelische Kirche Bad Lippspringe

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Die Trauer der Rizpa

Meditation zum Sonntag Okuli, 27. Februar 2005

Von Gerlinde Stange, Claudia Rupp, Moji Bidardel
und den Frauen des „Letzten Donnerstag“
 

Gustave Doré: Die Trauer der Rizpa

2. Samuel 21;

Es war eine Hungersnot zu Davids Zeiten drei Jahre nacheinander. Und David suchte das Angesicht des HERRN und der HERR sprach: Auf Saul und auf seinem Hause liegt eine Blutschuld, weil er die Gibeoniter getötet hat. Da ließ der König die Gibeoniter rufen und sprach mit ihnen. Die Gibeoniter aber gehörten nicht zu den Israeliten, sondern waren übrig geblieben von den Amoritern. Und die Israeliten hatten einen Bund mit ihnen geschlossen; jedoch suchte Saul sie auszurotten in seinem Eifer für Israel und Juda.
Da sprach David zu den Gibeonitern: Was soll ich für euch tun? Und womit soll ich Sühne schaffen, dass ihr das Erbteil des HERRN segnet?
Die Gibeoniter sprachen zu ihm: Es ist uns nicht um Gold noch Silber zu tun bei Saul und seinem Hause, auch steht es uns nicht zu, jemand zu töten in Israel. Er sprach: Was wollt ihr dann, dass ich für euch tun soll? Sie sprachen zum König: Von dem Mann, der uns zunichte gemacht hat und der uns vertilgen wollte, dass uns nichts bleibe in allen Landen Israels aus seinem Hause gebt uns sieben Männer, damit wir sie aufhängen vor dem HERRN in Gibeon, auf dem Berge des HERRN. Der König sprach: Ich will sie euch herausgeben. Aber der König verschonte Mefi-Boschet, den Sohn Jonatans, des Sohnes Sauls, um des Eides willen, den David und Jonatan, der Sohn Sauls, einander vor dem HERRN geschworen hatten. Aber die beiden Söhne der Rizpa, der Tochter Ajas, die sie Saul geboren hatte, Armoni und Mefi-Boschet, dazu die fünf Söhne der Merab, der Tochter Sauls, die sie dem Adriël geboren hatte, dem Sohn Barsillais aus Mehola, nahm der König und gab sie in die Hand der Gibeoniter. Die hängten sie auf dem Berge vor dem HERRN auf. So kamen diese sieben auf einmal um und starben in den ersten Tagen der Ernte, wenn die Gerstenernte anfängt. Da nahm Rizpa, die Tochter Ajas, ein Sackgewand und breitete es für sich aus auf dem Fels am Anfang der Ernte, bis Regen vom Himmel auf die Toten troff, und ließ am Tage die Vögel des Himmels nicht an sie kommen noch des Nachts die Tiere des Feldes. Und es wurde David angesagt, was Rizpa, die Tochter Ajas, Sauls Nebenfrau, getan hatte. Und David ging hin und nahm die Gebeine Sauls und die Gebeine seines Sohnes Jonatan von den Bürgern von Jabesch in Gilead. Die hatten sie vom Platz am Tor Bet-Scheans heimlich weggenommen, wohin die Philister sie gehängt hatten zu der Zeit, da die Philister Saul schlugen auf dem Berge Gilboa.
Und David brachte sie von dort herauf, und sie sammelten die Gebeine der Gehängten und begruben sie mit den Gebeinen Sauls und seines Sohnes Jonatan im Lande Benjamin in Zela im Grabe seines Vaters Kisch und taten alles, wie der König geboten hatte. Danach wurde Gott dem Lande wieder gnädig.

Es ist Schreckliches passiert.

Hungersnot, kriegerische Auseinandersetzung, Tod, Qual, sieben Männer erhängt.

Wozu? Warum ist das geschehen?

Spielt Macht eine Rolle? Konkurrenz?

Wem nützt das große Unheil, dass den Gibeoniter durch Saul angetan wird?

Müssen wieder Menschen getötet werden, um einen Neuanfang zu ermöglichen?

Rizpa ist eine außergewöhnliche Frau.

Sie sieht das Unrecht.

Ihre Söhne sind erhängt worden.

Kein Recht auf Bestattung.

Den wilden Tieren ausgeliefert.

Rizpa sieht nicht weg.

Sie lässt alles stehen und liegen und mahnt stumm.

Es ist heiß.

Sie setzt ein Zeichen gegen die Unmenschlichkeit, gegen Gewalt und Ohnmacht -

für die Würde eines jeden Menschen, für den Frieden und die Liebe untereinander.

Durch Standhaftigkeit und Mut bewegt sie den mächtigen König David.

Sie besiegt den Hass und erfährt die Gnade Gottes.

Und heute?

Eine alte Geschichte mit Parallelen zu heutigen Ereignissen, Kriegen, vielen einzelnen Schicksalen.

Die Geschichte zeigt auf, dass sich Einsatz lohnt;

Ausdauer Standhaftigkeit Mut nicht wegsehen Dienst im Stillen

Was kann ich heute als Einzelne bewegen?

Wo sehe ich heute weg?

Damals ist das Wunder geschehen, dass die Hungersnot ein Ende hatte.

Wo geschehen heute die Wunder, kleine und große, im Verborgenen, im Stillen, um uns herum


Kann ich etwas für die kleinen und großen Wunder im Alltag tun?

 

Hintergrundinformationen zu "Die Trauer der Rizpa"