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Evangelische Kirche Bad Lippspringe

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Das Zentrum

Predigt am Ostermontag, 12. April 2004

Vikarin Anne Biesterfeldt, Bad Lippspringe

II. Reihe: 1.Kor 15,12-20

Friede sei mit Euch und die Gnade Gottes in Jesus Christus. Amen.

Liebe Gemeinde!

Es ist Ostern!
Wir feiern die Auferstehung Jesu Christi von den Toten. Wir feiern, dass Jesus Christus den Tod überwunden hat. Wir feiern den Sieg Gottes über den Tod, den Sieg Gottes auch über unseren Tod.
- Gestern haben wir im Osternacht-Gottesdienst versucht, dieses Geschehen nachzuempfinden, als wir ein erst nur einzelnes, zartes Kerzenlicht sich zu einem Lichtermeer von vielen, vielen Kerzen ausbreiten ließen, das - als Symbol für das Leben - über die Dunkelheit – als Symbol für den Tod – triumphieren konnte.
Wir haben die alten, schönen Osterlieder gesungen: „Erschienen ist der herrlich Tag, dran niemand g´nug sich freuen mag: Christ, unser Herr, heut triumphiert, sein Feind er all gefangen führt. Halleluja. Die alte Schlange, Sünd und Tod, die Höll, all Jammer, Angst und Not hat überwunden Jesus Christ, der heut vom Tod erstanden ist. Halleluja.“

„Der heut vom Tod erstanden ist“. „Der heut vom Tod erstanden ist“? – Was heißt denn das: „Der heut vom Tod erstanden ist“? Was meinen wir denn, wenn wir von der „Auferstehung“ sprechen, was stellen wir uns vor?
Ich nehme an, wenn ich eine Umfrage auf der Straße machte, bekäme ich eine Vielzahl unterschiedlichster Antworten. Einige würden mich wahrscheinlich schräg angucken: „Auferstehung? Keine Ahnung. – Geht mich das was an?“ Anderen wäre es vielleicht ein bisschen peinlich, auf eine solche Frage eine Antwort geben zu sollen: „Auferstehung? Hat das nicht irgendwie was mit dem Tod zu tun? Leben nach dem Tod und so?“ Wieder andere hätten etwas konkretere Vorstellungen: „Auferstehung: Das ist, wenn man stirbt, dass die Seele den Körper verlässt und in die Ewigkeit zu Gott eingeht.“ Vielleicht wäre auch jemand dabei, der antworten würde: „Auferstehung? Wenn ich an Jesus Christus und seine Auferstehung glaube – und das tue ich -, dann bin ich schon in diesem Leben mit ihm auferstanden.“ Und vermutlich würde ich auch auf einige treffen, die mir bescheinigen würden: „Auferstehung? Das gibt es nicht. Mit dem Tod ist alles vorbei, alles andere ist Wunschdenken und Träumerei.“

Diese Schwierigkeiten im Umgang mit der Vorstellung von der Auferstehung und auch die Zweifel, die uns befallen mögen, wenn wir über „Auferstehung“ nachdenken, sind nicht erst eine Erscheinung unserer heutigen Zeit. Auch schon unter den ersten Christen gab es unterschiedliche Ansichten über die Auferstehung, Zweifel und Unsicherheiten.
In unserem heutigen Predigttext spricht Paulus zu einer Gruppe von Christen in Korinth, die die Auferstehung der Toten leugneten.

Der Predigttext steht im Ersten Korintherbrief, im 15. Kapitel:

 

Wenn aber Christus gepredigt wird, dass er von den Toten auferstanden ist, wie sagen dann einige unter euch: Es gibt keine Auferstehung der Toten? Gibt es keine Auferstehung der Toten, so ist auch Christus nicht auferstanden. Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist unsre Predigt vergeblich, so ist auch euer Glaube vergeblich. Wir würden dann auch als falsche Zeugen Gottes befunden, weil wir gegen Gott bezeugt hätten, er habe Christus auferweckt, den er nicht auferweckt hätte, wenn doch die Toten nicht auferstehen. Denn wenn die Toten nicht auferstehen, so ist Christus auch nicht auferstanden. Ist Christus aber nicht auferstanden, so ist euer Glaube nichtig, so seid ihr noch in euren Sünden; so sind auch die, die in Christus entschlafen sind, verloren. 19) Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendesten unter allen Menschen. Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind.

Die Christen in Korinth, zu denen Paulus spricht, haben eine besondere Schwierigkeit mit der Auferstehung: Sie glauben und bekennen zwar die Auferstehung Jesu Christi, scheinen aber nichts von der Auferstehung der Toten zu halten, sondern diese zu leugnen.
Aus dem Brief des Paulus können wir nicht entnehmen, welche Gründe die Korinther wohl für ihre Anschauung hatten, wir erfahren jedoch einiges über die Anschauung des Paulus, der die Korinther vehement von der Falschheit und Gefährlichkeit ihrer Anschauung zu überzeugen sucht.
Paulus sagt: Wie könnt ihr, liebe Korinther, nicht an die Auferstehung der Toten glauben und aber verkündigen, Jesus Christus sei von den Toten auferstanden!? Das passt doch nicht zusammen! Die Auferstehung Jesu Christi hängt untrennbar zusammen mit der Auferstehung der Toten.
Jesus Christus ist Mensch gewesen – wie wir. Jesus Christus hat gelitten. Jesus Christus ist gestorben – wie wir einst sterben werden.
Jesus Christus hat den Tod überwunden – für uns, nicht für sich selbst. Jesus Christus hat durch sein Leben und Leiden, sein Sterben und seine Auferstehung uns von der Macht des Todes befreit.
Paulus weist auf die Konsequenzen hin, die eine Leugnung der Auferstehung der Toten hätte: Da Auferstehung der Toten und Auferstehung Jesu Christi so eng miteinander zusammenhängen, würde der, der die Auferstehung der Toten leugnet, auch gleichzeitig die Auferstehung Jesu Christi leugnen. Das aber würde bedeuten, das Zentrum und Ziel unseres Glaubens nicht zu kennen. Unsere Verkündigung, unsere Predigt wäre ohne Inhalt und vergeblich, unser Glaube wäre bedeutungslos und nichtig, wir stünden nach wie vor unter der alleinigen Macht der Sünde und des Todes, - wir wären „die elendesten unter allen Menschen“.
In der Auferstehung wird die Liebe Gottes zu uns Menschen offenbar: Gottes Liebe reicht über den Tod hinaus, wir dürfen uns im Leben, im Sterben, im Tod und in der Auferstehung von Gottes Liebe begleitet und getragen wissen.

Trotzdem bleibt die Auferstehung für unseren Verstand schwer fassbar. Wir können mit unserem Verstand die Auferstehung nicht wirklich begreifen und es fällt schwer, angemessene und verständliche Worte für das Geschehen der Auferstehung zu finden.
Auch die Bibel sagt nicht: „So und so hat Auferstehung stattgefunden, so „funktioniert“ Auferstehung.“ Es finden sich allerdings Bilder für die Auferstehung in der Bibel, die das Verständnis und Nachvollziehenkönnen vielleicht erleichtern: Paulus spricht im selben Kapitel, in dem auch unser Predigttext steht, von einem „verweslichen“ irdischen Leib, den er einem „unverweslichen“ himmlischen Leib gegenüberstellt. Er vergleicht den verweslichen, irdischen Leib mit einem (tot scheinenden) Weizenkorn, das man in die Erde legt, und aus dem – unsichtbar und geheimnisvoll – ein neuer, unverweslicher, himmlischer Leib „aufersteht“. An anderer Stelle spricht er von einem alten und einem neuen Gewand, das unseren irdischen Leib und unseren himmlischen Leib bekleidet. Als Umschreibung dessen, was in der Auferstehung geschieht, wählt er das Wort „Verwandlung“.
Auferstehung ist nicht mit dem Verstand zu fassen, Auferstehung ist nichts, worüber gesichertes Wissen zur Verfügung steht.
Auferstehung erschließt sich im Glauben.
- Nach Jesu Tod ist der Auferstandene verschiedenen Menschen erschienen, - auch Paulus, wie er uns in den Versen, die unserem Predigttext unmittelbar vorangehen, berichtet. Und auch den Emmausjüngern, von denen wir heute in der Lesung des Evangeliums gehört haben: Ihnen hat sich Jesus beim gemeinsamen Mahl gezeigt.
Ihre Zeugnisse fordern zum Glauben an die Auferstehung Jesu auf.
Wir können aber auch selbst den lebenden, den lebendigen, auferstandenen Christus erfahren: im gemeinsamen Abendmahl – wie die Emmausjünger, in der Gemeinschaft mit anderen Menschen, in Begegnungen mit anderen Menschen, im Gebet.
Wir dürfen dabei auf die Hilfe Gottes, der uns unseren Glauben und unsere Glaubenserfahrungen schenkt, hoffen, und wir dürfen Gott um diese Hilfe bitten.

Der Glaube an die Auferstehung Jesu, die Erfahrungen des lebendigen Christus – sie befreien und ermutigen zu einem neuen Leben. Einem Leben, das sich getragen weiß von der Liebe Gottes und sich auch in schweren Zeiten auf Gottes Ja zu uns verlässt.
Ostern ist das Fest, an dem wir den Beginn dieses neuen Lebens feiern. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.