II. Reihe: 1.Kor 15,12-20
Friede sei mit Euch und die Gnade Gottes in Jesus Christus. Amen.
Liebe Gemeinde!
Es ist Ostern!
Wir feiern die Auferstehung Jesu Christi von den Toten. Wir feiern, dass Jesus
Christus den Tod überwunden hat. Wir feiern den Sieg Gottes über den Tod, den
Sieg Gottes auch über unseren Tod.
- Gestern haben wir im Osternacht-Gottesdienst versucht, dieses Geschehen
nachzuempfinden, als wir ein erst nur einzelnes, zartes Kerzenlicht sich zu
einem Lichtermeer von vielen, vielen Kerzen ausbreiten ließen, das - als
Symbol für das Leben - über die Dunkelheit – als Symbol für den Tod –
triumphieren konnte.
Wir haben die alten, schönen Osterlieder gesungen: „Erschienen ist der
herrlich Tag, dran niemand g´nug sich freuen mag: Christ, unser Herr, heut
triumphiert, sein Feind er all gefangen führt. Halleluja. Die alte Schlange,
Sünd und Tod, die Höll, all Jammer, Angst und Not hat überwunden Jesus Christ,
der heut vom Tod erstanden ist. Halleluja.“
„Der heut vom Tod erstanden ist“. „Der heut vom Tod erstanden ist“? – Was
heißt denn das: „Der heut vom Tod erstanden ist“? Was meinen wir denn, wenn
wir von der „Auferstehung“ sprechen, was stellen wir uns vor?
Ich nehme an, wenn ich eine Umfrage auf der Straße machte, bekäme ich eine
Vielzahl unterschiedlichster Antworten. Einige würden mich wahrscheinlich
schräg angucken: „Auferstehung? Keine Ahnung. – Geht mich das was an?“ Anderen
wäre es vielleicht ein bisschen peinlich, auf eine solche Frage eine Antwort
geben zu sollen: „Auferstehung? Hat das nicht irgendwie was mit dem Tod zu
tun? Leben nach dem Tod und so?“ Wieder andere hätten etwas konkretere
Vorstellungen: „Auferstehung: Das ist, wenn man stirbt, dass die Seele den
Körper verlässt und in die Ewigkeit zu Gott eingeht.“ Vielleicht wäre auch
jemand dabei, der antworten würde: „Auferstehung? Wenn ich an Jesus Christus
und seine Auferstehung glaube – und das tue ich -, dann bin ich schon in
diesem Leben mit ihm auferstanden.“ Und vermutlich würde ich auch auf einige
treffen, die mir bescheinigen würden: „Auferstehung? Das gibt es nicht. Mit
dem Tod ist alles vorbei, alles andere ist Wunschdenken und Träumerei.“
Diese Schwierigkeiten im Umgang mit der Vorstellung von der Auferstehung und
auch die Zweifel, die uns befallen mögen, wenn wir über „Auferstehung“
nachdenken, sind nicht erst eine Erscheinung unserer heutigen Zeit. Auch schon
unter den ersten Christen gab es unterschiedliche Ansichten über die
Auferstehung, Zweifel und Unsicherheiten.
In unserem heutigen Predigttext spricht Paulus zu einer Gruppe von Christen in
Korinth, die die Auferstehung der Toten leugneten.
Der Predigttext steht im Ersten Korintherbrief, im 15. Kapitel:
Wenn aber Christus gepredigt wird, dass er von den Toten auferstanden ist, wie sagen dann einige unter euch: Es gibt keine Auferstehung der Toten? Gibt es keine Auferstehung der Toten, so ist auch Christus nicht auferstanden. Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist unsre Predigt vergeblich, so ist auch euer Glaube vergeblich. Wir würden dann auch als falsche Zeugen Gottes befunden, weil wir gegen Gott bezeugt hätten, er habe Christus auferweckt, den er nicht auferweckt hätte, wenn doch die Toten nicht auferstehen. Denn wenn die Toten nicht auferstehen, so ist Christus auch nicht auferstanden. Ist Christus aber nicht auferstanden, so ist euer Glaube nichtig, so seid ihr noch in euren Sünden; so sind auch die, die in Christus entschlafen sind, verloren. 19) Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendesten unter allen Menschen. Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind.
Die Christen in Korinth, zu denen Paulus spricht, haben eine besondere
Schwierigkeit mit der Auferstehung: Sie glauben und bekennen zwar die
Auferstehung Jesu Christi, scheinen aber nichts von der Auferstehung der Toten
zu halten, sondern diese zu leugnen.
Aus dem Brief des Paulus können wir nicht entnehmen, welche Gründe die
Korinther wohl für ihre Anschauung hatten, wir erfahren jedoch einiges über
die Anschauung des Paulus, der die Korinther vehement von der Falschheit und
Gefährlichkeit ihrer Anschauung zu überzeugen sucht.
Paulus sagt: Wie könnt ihr, liebe Korinther, nicht an die Auferstehung der
Toten glauben und aber verkündigen, Jesus Christus sei von den Toten
auferstanden!? Das passt doch nicht zusammen! Die Auferstehung Jesu Christi
hängt untrennbar zusammen mit der Auferstehung der Toten.
Jesus Christus ist Mensch gewesen – wie wir. Jesus Christus hat gelitten.
Jesus Christus ist gestorben – wie wir einst sterben werden.
Jesus Christus hat den Tod überwunden – für uns, nicht für sich selbst. Jesus
Christus hat durch sein Leben und Leiden, sein Sterben und seine Auferstehung
uns von der Macht des Todes befreit.
Paulus weist auf die Konsequenzen hin, die eine Leugnung der Auferstehung der
Toten hätte: Da Auferstehung der Toten und Auferstehung Jesu Christi so eng
miteinander zusammenhängen, würde der, der die Auferstehung der Toten leugnet,
auch gleichzeitig die Auferstehung Jesu Christi leugnen. Das aber würde
bedeuten, das Zentrum und Ziel unseres Glaubens nicht zu kennen. Unsere
Verkündigung, unsere Predigt wäre ohne Inhalt und vergeblich, unser Glaube
wäre bedeutungslos und nichtig, wir stünden nach wie vor unter der alleinigen
Macht der Sünde und des Todes, - wir wären „die elendesten unter allen
Menschen“.
In der Auferstehung wird die Liebe Gottes zu uns Menschen offenbar: Gottes
Liebe reicht über den Tod hinaus, wir dürfen uns im Leben, im Sterben, im Tod
und in der Auferstehung von Gottes Liebe begleitet und getragen wissen.
Trotzdem bleibt die Auferstehung für unseren Verstand schwer fassbar. Wir
können mit unserem Verstand die Auferstehung nicht wirklich begreifen und es
fällt schwer, angemessene und verständliche Worte für das Geschehen der
Auferstehung zu finden.
Auch die Bibel sagt nicht: „So und so hat Auferstehung stattgefunden, so
„funktioniert“ Auferstehung.“ Es finden sich allerdings Bilder für die
Auferstehung in der Bibel, die das Verständnis und Nachvollziehenkönnen
vielleicht erleichtern: Paulus spricht im selben Kapitel, in dem auch unser
Predigttext steht, von einem „verweslichen“ irdischen Leib, den er einem
„unverweslichen“ himmlischen Leib gegenüberstellt. Er vergleicht den
verweslichen, irdischen Leib mit einem (tot scheinenden) Weizenkorn, das man
in die Erde legt, und aus dem – unsichtbar und geheimnisvoll – ein neuer,
unverweslicher, himmlischer Leib „aufersteht“. An anderer Stelle spricht er
von einem alten und einem neuen Gewand, das unseren irdischen Leib und unseren
himmlischen Leib bekleidet. Als Umschreibung dessen, was in der Auferstehung
geschieht, wählt er das Wort „Verwandlung“.
Auferstehung ist nicht mit dem Verstand zu fassen, Auferstehung ist nichts,
worüber gesichertes Wissen zur Verfügung steht.
Auferstehung erschließt sich im Glauben.
- Nach Jesu Tod ist der Auferstandene verschiedenen Menschen erschienen, -
auch Paulus, wie er uns in den Versen, die unserem Predigttext unmittelbar
vorangehen, berichtet. Und auch den Emmausjüngern, von denen wir heute in der
Lesung des Evangeliums gehört haben: Ihnen hat sich Jesus beim gemeinsamen
Mahl gezeigt.
Ihre Zeugnisse fordern zum Glauben an die Auferstehung Jesu auf.
Wir können aber auch selbst den lebenden, den lebendigen, auferstandenen
Christus erfahren: im gemeinsamen Abendmahl – wie die Emmausjünger, in der
Gemeinschaft mit anderen Menschen, in Begegnungen mit anderen Menschen, im
Gebet.
Wir dürfen dabei auf die Hilfe Gottes, der uns unseren Glauben und unsere
Glaubenserfahrungen schenkt, hoffen, und wir dürfen Gott um diese Hilfe
bitten.
Der Glaube an die Auferstehung Jesu, die Erfahrungen des lebendigen Christus –
sie befreien und ermutigen zu einem neuen Leben. Einem Leben, das sich
getragen weiß von der Liebe Gottes und sich auch in schweren Zeiten auf Gottes
Ja zu uns verlässt.
Ostern ist das Fest, an dem wir den Beginn dieses neuen Lebens feiern. Amen.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen
und Sinne in Christus Jesus. Amen.