Lesen Sie zuerst: Eine afrikanische Geschichte
Hinterlasst
Zeichen auf eurem Weg - so lautet der Auftrag des Vaters an seine Kinder.
Beide hören die selben Worte und tun etwas ganz unterschiedliches. Der eine
Sohn, Tambu, knüpft Knoten ins Gras und knickt Zweige um. Zeichen , die seinen
Weg markieren.
Der andere, Rafiki, geht zu den Menschen, feiert mit ihnen, lacht und weint
mit ihnen, hört ihre Geschichten und erzählt die eigenen Geschichten. Und es
bleibt nichts sichtbares am Wegesrand zurück. So sieht es zunächst mal aus.
Nachdem beide Söhne wieder zu Hause sind, bricht der Vater mit ihnen auf, um
sich anzuschauen, wie seine Söhne den Auftrag erfüllt haben.
Er sieht die Grasbüschel und Zweige, die Tambu für seine Zeichen benutzt hat.
Und er erlebt, dass Rafiki in allen Dörfern freundlich aufgenommen wird, die
Menschen ihn erkennen und willkommen heißen.
Rafikis Zeichen sind Zeichen in den Herzen der Menschen, so sagt das die
Geschichte, solche Zeichen bleiben, auch wenn der Wind längst Grasbüschel und
Zweige der Tambu-Zeichen weg geweht hat.
Mir sagt die Geschichte zwei Dinge:
Auch wir Menschenkinder haben einen Auftrag vom Vater, auch wir sollen Zeichen
auf unserem Weg hinterlassen. Gott, unser Vater, hat uns beauftragt, seine
Zeichen in die Welt zu tragen. Sein Auftrag ist uns in der Bibel überliefert.
Die können wir wortwörtlich verstehen, wie es Tambu mit dem Auftrag seines
Vaters tat. Aber ich fürchte, wir sind dann auch versucht, Grasbüschel zu
knoten oder Zweige zu knicken, das heißt die Worte zu verstehen und doch
mißzuverstehen.
Oder wir können versuchen, den Sinn zu begreifen. Gottes Zeichen seiner Liebe
zu uns Menschen in die Welt zu tragen.
Und das zweite, was mir diese Geschichte sagt:
Gerade sind wir dabei, unsere Kirche umzubauen. Auch diese Kirche ist so ein
Zeichen auf unserem Lebensweg.
Wenn wir sie bauen, um des Baus willen, wenn es nur um die Steine geht, um das
Holz der Stühle, um die schönen bunten Glasfenster oder die Farben des
Anstrichs - ich glaube, dann hinterlassen wir ein Zeichen wie Tambu.
Irgendwann werden dann wieder die Steine baufällig werden, die Stühle marode,
das Glas zerbricht und der Anstrich verblaßt. Aber ich glaube, unser Umbau
kann ein Rafiki-Zeichen werden. Ich habe das erlebt, bei den Samstagen, als
ganz unterschiedliche Menschen unserer Gemeinde sich hier getroffen haben, um
in Eigenleistung die Kirche für den Umbau vorzubereiten, je nach den eigenen
Kräften und dem eigenen Können.
Ich erlebe das auch in den Gruppen und Kreisen, wenn gefragt wird, wie sieht
es denn aus mit dem Umbau, was geschieht, wie wird es denn sein, wie ist es
geplant.
Ich merke es an dem Verständnis, mit dem viele Menschen hier bei den
Gottesdiensten im Gemeindehaus zusammenrücken, es ist provisorisch, so hat mir
mal jemand gesagt, aber es kommt doch nicht auf das Haus an, es kommt auf uns
an, die Menschen, die lebendigen Steine, aus denen diese Gemeinde aufgebaut
ist.
Ich denke, gerade die Herausforderung des Umbaus kann dazu beitragen, das wir
als Gemeinde Rafiki-Zeichen zurücklassen. Ich will lernen, solche Zeichen auf
meinem Weg zu hinterlassen. Amen
Bilder und Lieder vom Familiengottesdienst finden Sie
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