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Evangelische Kirche Bad Lippspringe

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Familiengottesdienst 20. Juni 2004

Zeichen hinterlassen


Pfarrerin Antje Lütkemeier, Bad Lippspringe

 

Lesen Sie zuerst: Eine afrikanische Geschichte

Hinterlasst Zeichen auf eurem Weg - so lautet der Auftrag des Vaters an seine Kinder. Beide hören die selben Worte und tun etwas ganz unterschiedliches. Der eine Sohn, Tambu, knüpft Knoten ins Gras und knickt Zweige um. Zeichen , die seinen Weg markieren.
Der andere, Rafiki, geht zu den Menschen, feiert mit ihnen, lacht und weint mit ihnen, hört ihre Geschichten und erzählt die eigenen Geschichten. Und es bleibt nichts sichtbares am Wegesrand zurück. So sieht es zunächst mal aus.

Nachdem beide Söhne wieder zu Hause sind, bricht der Vater mit ihnen auf, um sich anzuschauen, wie seine Söhne den Auftrag erfüllt haben.
Er sieht die Grasbüschel und Zweige, die Tambu für seine Zeichen benutzt hat.
Und er erlebt, dass Rafiki in allen Dörfern freundlich aufgenommen wird, die Menschen ihn erkennen und willkommen heißen.
Rafikis Zeichen sind Zeichen in den Herzen der Menschen, so sagt das die Geschichte, solche Zeichen bleiben, auch wenn der Wind längst Grasbüschel und Zweige der Tambu-Zeichen weg geweht hat.
Mir sagt die Geschichte zwei Dinge:
Auch wir Menschenkinder haben einen Auftrag vom Vater, auch wir sollen Zeichen auf unserem Weg hinterlassen. Gott, unser Vater, hat uns beauftragt, seine Zeichen in die Welt zu tragen. Sein Auftrag ist uns in der Bibel überliefert.
Die können wir wortwörtlich verstehen, wie es Tambu mit dem Auftrag seines Vaters tat. Aber ich fürchte, wir sind dann auch versucht, Grasbüschel zu knoten oder Zweige zu knicken, das heißt die Worte zu verstehen und doch mißzuverstehen.
Oder wir können versuchen, den Sinn zu begreifen. Gottes Zeichen seiner Liebe zu uns Menschen in die Welt zu tragen.

Und das zweite, was mir diese Geschichte sagt:
Gerade sind wir dabei, unsere Kirche umzubauen. Auch diese Kirche ist so ein Zeichen auf unserem Lebensweg.
Wenn wir sie bauen, um des Baus willen, wenn es nur um die Steine geht, um das Holz der Stühle, um die schönen bunten Glasfenster oder die Farben des Anstrichs - ich glaube, dann hinterlassen wir ein Zeichen wie Tambu. Irgendwann werden dann wieder die Steine baufällig werden, die Stühle marode, das Glas zerbricht und der Anstrich verblaßt. Aber ich glaube, unser Umbau kann ein Rafiki-Zeichen werden. Ich habe das erlebt, bei den Samstagen, als ganz unterschiedliche Menschen unserer Gemeinde sich hier getroffen haben, um in Eigenleistung die Kirche für den Umbau vorzubereiten, je nach den eigenen Kräften und dem eigenen Können.
Ich erlebe das auch in den Gruppen und Kreisen, wenn gefragt wird, wie sieht es denn aus mit dem Umbau, was geschieht, wie wird es denn sein, wie ist es geplant.
Ich merke es an dem Verständnis, mit dem viele Menschen hier bei den Gottesdiensten im Gemeindehaus zusammenrücken, es ist provisorisch, so hat mir mal jemand gesagt, aber es kommt doch nicht auf das Haus an, es kommt auf uns an, die Menschen, die lebendigen Steine, aus denen diese Gemeinde aufgebaut ist.
Ich denke, gerade die Herausforderung des Umbaus kann dazu beitragen, das wir als Gemeinde Rafiki-Zeichen zurücklassen. Ich will lernen, solche Zeichen auf meinem Weg zu hinterlassen. Amen

Bilder und Lieder vom Familiengottesdienst finden Sie hier >>