
Das neue Antependium
Predigt am 12. Sonntag nach Trinitatis, 3. September 2006
Pfarrerin Antje Lütkemeier, Bad Lippspringe
Das Trinitatisfest gibt es erst seit etwa 1000 Jahren. Mit dem Trinitatisfest erreicht das Kirchenjahr gewissermaßen einen ersten Abschluß. Während in der 1. Hälfte des Kirchenjahres über die bestimmten Offenbarungen Gottes in der Geschichte nachgedacht wurde, ist Trinitatis das Fest, an dem es um das Geheimnis der göttlichen Dreieinigkeit selbst geht.
In der dem Fest folgenden Zeit denken wir darüber nach, wie die
christliche Gemeinde den Glauben an diesen dreieinigen Gott in ihrem
Leben umsetzt.
Die liturgische Farbe des Dreieinigkeitsfestes ist Weiß als Fest der
Herrlichkeit Gottes. Alle nachfolgenden Sonntage haben die Farbe Grün.
Sie ist die Farbe des Lebens, der aufgehenden Saat.
Für unsere Gemeinde hat diese Trinitatiszeit heute so etwas wie einen kleinen Höhepunkt, denn zum ersten Mal hängt heute unser neues Antependium. Keines „von der Stange“, wie es in Dutzenden von Kirchen zu finden wäre, sondern ein Antependium, das in unserer Gemeinde entstanden ist, entworfen, erarbeitet und umgesetzt hauptsächlich von Frau Kaulbars-Edelmann.
Im
Zentrum der drei mal drei Reihen: 3 Blätter: Symbol der Dreifaltigkeit
Gott Vater, Gott Sohn und Gott der Heilige Geist – ein Gott der sich
in drei Wirkweisen uns Menschen offenbart.
Fische:
Ichtys gehört zu den ältesten christlichen Symbole überhaupt Jesous
Christos theou hyios soter das kürzeste Glaubensbekenntis, vielleicht
sogar in der Zeit der Christenverfolgung als geheimes
Erkennungssymbol. Fische erinnern aber auch an den Fischzug des
Petrus, aus Scheitern wird überbordender Erfolg, aus enttäuschten
Fischern werden Menschenfischer in der Nachfolge Jesu, lebendige
Fische sind Kennzeichen für frisches, gesundes Wasser, Zeichen für
Leben schlechthin, Fische verweisen auch auf die Geschichte der fünf
Brote und zwei Fische: Speisungswunder, die Unerschöpflichkeit von
Gottes Gaben, und nicht zuletzt ist es ein Walfisch, der Jona aus dem
Meer rettet und zu seinem Bestimmungsort bringt.
Christus-Monogramm:
uraltes seit dem 4. Jhd Christus-Symbol aus den Anfangsbuchstaben Chi
X und Rho P ChRistos , in der Legende gilt es als das Zeichen, das
Kaiser Konstantin im Jahr 312 im Traum vor der Schlacht gesehen hat:
In diesem Zeichen wirst du siegen. Es ist wie ein Wappen: es zeigt, um
wessen Besitz es sich handelt, welche Macht dahinter steht.
A
und O: Alpha und Omega: Anfangs- und Endbuchstabe des griechischen
Alphabets, die alle anderen Buchstaben einschließen, Symbol für das
Umfassende der Liebe Gottes in Jesus Christus.
Ähren:
Viele Gleichnisse Jesu handeln von Saat und Ernte, Wachstum, Reife. So
sind die Ähren Zeichen für das Brot des Lebens im Abendmahl, aber auch
Hinweis auf die Auferstehung: „wenn das Weizenkorn nicht in die Erde
fällt, bleibt es allein, wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht
(Joh 12,24)“
Kelch:
Symbol überströmender Fülle, Abendmahl
Traube:
Symbol der Fülle und des Lebens, Sinnbild des Volkes Israel für das
Gott Sorge trägt, Christus als wahrer Weinstock: Ich bin der
Weinstock, ihr seid die Reben, Traube als Symbol der Verheissung – die
israelitischen Kundschafter bringen aus Kanaan, dem verheißenen Land
eine übergroße Traube mit als Zeichen dafür, dass Gott sein
Versprechen erfüllt: Ich will euch Heimat geben, nach den dürren
Jahren der Wüste werdet ihr Leben in Fülle haben.
Taube:
Zeichen des hlg Geistes, Noah-Taube Friedensbotin nach der Sintflut:
Leben ist wieder möglich
Jerusalemkreuz:
Die ursprüngliche Bedeutung, so es eine geben sollte, ist historisch
ungeklärt. Mir sind vier verschiedene Deutungsmöglichkeiten bekannt:
1) Christus und seine Bedeutung für alle Welt. Kleinere Kreuze
symbolisieren die Himmelsrichtungen.
2) Christus, das Wort Gottes. Kleine Kreuze stehen für die Evangelien.
3) Jerusalem, „Mutter der Kirchen“. Kleine Kreuze symbolisieren die
vier großen Kirchenfamilien (orientalisch, orthodox, katholisch,
protestantisch). (Achtung: Kreuz läßt sich historisch vor der
protestantischen Kirchenfamilie nachweisen.)
4) Franziskaner-Kreuz: Kreuze symbolisieren die Stigmata (Wundmale)
Ganz bewußt will unser neues Antependium viele Geschichten erzählen, von denen ich einige jetzt nur in kurzen Worten anreißen konnte. Ganz bewußt sind auf ihm drei mal drei Symbole zu finden, die von Gott und den Menschen, von der Geschichte und dem Leben der Christinnen und Christen erzählen. Die Zeit nach dem Trinitatisfest ist vielleicht eine festarme Zeit, aber sicher keine Saure-Gurken-Zeit der Kirche. Es ist eine Zeit der ganz unterschiedlichen Themen und Gedanken. Das Antependium kann uns dazu anregen, diesen nachzudenken und nachzugehen. Und Gott schenke dazu seinen Geist. Amen
Und der Geist Gottes, der größer ist als unsere Vorstellungskraft,
sei uns Stärke und Hilfe zu allem Guten und bewahre uns in Gottes
Liebe. Amen.
© Ev. Kirche Bad Lippspringe 05.09.06