
Was wir nicht so gerne hören
Predigt am 1. Sonntag nach Trinitatis, 18. Juni 2006
Pfarrerin Kerstin Heibrock, Bad Lippspringe
IV. Reihe: Jerermia 23, 16-29
So spricht der HERR Zebaoth: Hört nicht auf die Worte der Propheten, die euch weissagen! Sie betrügen euch; denn sie verkünden euch Gesichte aus ihrem Herzen und nicht aus dem Mund des HERRN. Sie sagen denen, die des HERRN Wort verachten: Es wird euch wohl gehen , und allen, die nach ihrem verstockten Herzen wandeln, sagen sie: Es wird hin Unheil über euch kommen. Aber wer hat im Rat des HERRN gestanden, daß er sein Wort gesehen und gehört hätte? Wer hat sein Wort vernommen und gehört? Siehe, es wird ein Wetter des HERRN kommen voll Grimm und ein schreckliches Ungewitter auf den Kopf der Gottlosen niedergehen. Und des HERRN Zorn wird nicht ablassen, bis er tue und ausrichte, was er im Sinn hat; zur letzten Zeit werdet ihr es klar erkennen. Ich sandte die Propheten nicht, und doch laufen sie, ich redete nicht zu ihnen, und doch weissagen sie. Denn wenn sie in meinem Rat gestanden hätten, so hätten sie meine Worte meinem Volk gepredigt, um es von seinem bösen Wandel und von seinem bösen Tun zu bekehren. Bin ich nur ein Gott, der nahe ist, spricht der HERR, und nicht auch ein Gott, der ferne ist? Meinst du, daß sich jemand so heimlich verbergen könne, daß ich ihn nicht sehe? spricht der HERR. Bin ich es nicht, der Himmel und Erde erfüllt? spricht der HERR, [...] Ist mein Wort nicht wie ein Feuer, spricht der HERR, und wie ein Hammer, der Felsen zerschmeißt?
Liebe Gemeinde, das sind keine Worte von Führung und Begleitung,
keine Trostworte. Es sind Worte, die uns den Kopf einziehen lassen:
Meinst du, dass sich jemand verbergen könne, dass ich ihn nicht sehe?
Es sind Worte, die uns in Deckung gehen lassen vor dem Zorn Gottes,
der wie ein Ungewitter kommt. Ungewitter, Unwetter, Gewitter ich
musste dabei an das Gewitter über Bad Lippspringe in der letzten Woche
denken: wohl dem, der bei diesem entfesseltem Blitz und Donner ruhig
liegen konnte. So ist Gott? So ist Gott ich bekomme eine Ahnung davon,
dass Gott nicht nur ein Hirte ist, ein Tröster, ein Halt für mein
Leben ist. Er ist auch das Gewitter über meinem Leben, das Feuer, das
verbrennt, der Hammer, der zerschmettert. Gewitter, Feuer und Hammer,
das sind die Bilder, in denen Gott hier, im Munde Jeremias, über sich
selber spricht. Und ich merke, dass mir diese Bilder fremd sind, dass
ich sie nicht wahrhaben will, dass ich sie nicht haben will wie geht
es Ihnen mit diesen Bildern, liebe Gemeinde?
Aber obwohl ich diese Bilder nicht mag, und ich denke, dass es vielen
von Ihnen ähnlich geht sind sie doch von hoher Eindrücklichkeit.
Gewitter mit ihrem Donnergrollen und Blitzen galten von jeher als
Ausdruck des göttlichen Zornes. Und gleichzeitig haben Gewitter etwas
reinigendes. Nach einem Gewitter ist die Luft klarer. Man kann weiter
sehen und besser atmen. Aber manchmal ist der Preis dafür hoch, die
Verwüstung groß. Was hat Bestand in so einem Gewitter: Was von meinem
Leben hat Bestand vor Gottes Zorn?
Was in meinem Leben hat Bestand vor dem Feuer Gottes, einem Feuer, das
versengt und zerstört, aber auch klärt und reinigt?Was bleibt von mir,
wenn Gottes Wort mich wie ein Hammer trifft und zerschmettert, meinen
Kein freilegt? Was hat Bestand? Wird es wenig sein? Ist es das, was
uns diese Bilder so fremd, so angsteinflößend macht? Fürchten wir, das
so wenig von unserem Leben Bestand haben könnte vor Gott? Dass wir in
der Hölle landen, wie der Reiche im Evangelium von heute, dass wir zu
denen gehören könnten, die am Ende zur Linken stehen, trotz mancher
Mühe, die wir uns im Leben und Glauben machen? Dass es nicht reicht
zum Bestehen? Oder und vielleicht wäre das schlimmer fürchten wir, uns
in Gott getäuscht zu haben? Fürchten wir, dass er am Ende doch nur ein
Wolf im Schafspelz ist? Fürchten wir, den guten Hirten zu verlieren,
ihn sich auflösen zu sehen in Donner, Feuer und Hammerschlag?
Und als letzte der Fragen dann diese, Gottes Wort Bin ich nur ein
Gott, der nahe ist, und nicht auch ein Gott, der ferne ist? Ich
glaube, dass die meisten von uns diese Frage verstehen und für sich
beantworten können, liebe Gemeinde. Gott ist manchmal nahe bei uns,
fühlbar, wie ein guter Hirte. Und Gott ist manchmal fern, so fern,
dass wir ihn nicht spüren, oder nur noch als Gewitter, als
verzehrendes Feuer oder den Hammer, der mich trifft: Wenn vieles bei
uns keinen Bestand mehr hat, wenn Tod und Krankheit, Verlust und
Trauer einbrechen.
Aber selbst dann ist Gott noch der Gott, der fern ist und der nah ist.
Vielleicht ist es so, dass Gott uns ja auch in seinem Zorn noch nah
ist, uns nicht aufgibt, sondern um uns kämpft. Der gute Hirte und der
Gott des Feuers und des Ungewitters sind eins. Hier wird das Reden
über Gott schwierig .....
Bin ich nur ein Gott, der nahe ist, und nicht auch ein Gott, der ferne
ist? Ich finde diesen Satz tröstlich. Er wird mein Herz wohl nie so
bewegen, wie es manche Jesus Worte tun oder der 23. Psalm. Aber er
sagt mir:
Gott ist da fern und nah. Und der Friede Amen.
© Ev. Kirche Bad Lippspringe 11.07.06