Monatsspruch November: Gott spricht. Siehe, ich mache alles neu.
Offenbarung des Johannes 21,56

Friede sei mit euch und die Gnade Gottes in Jesus Christus, unserm Herrn. Amen.

Liebe Schwester und Brüder, liebe Jubelkonfirmandinnen und –konfirmanden,

kennen Sie noch alle Ihre Konfirmationssprüche? Keine Angst, ich frage sie jetzt nicht ab. Obwohl … z.B. Frau Hella Settemeyer, konfirmiert am Sonntag Laetare, am 31.März 1946 von Pfr.Ködding, zusammen mit noch 18 Jungs und Mädchen - es war: Sei getreu bis in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben.
Offenbarung 2,10 . Von den doch recht wenigen Konfirmandinnen und Konfirmanden hatten immer 4 einen Spruch aus der Offenbarung des Johannes, z.B. auch: Halte, was du hast, dass niemand deine Krone nehme! Offenbarung des Johannes 3,11 .

10 Jahre später, bei den jetzigen Goldkonfirmanden, war das schon anders. Palmsonntag, 25.März 1957 waren es nicht weniger als 50 Jungs und Mädchen – und nur eine hatte einen Spruch aus der Offenbarung des Johannes von Pfarrer Ködding mit auf den Weg bekommen. Es waren durchgängig fröhlichere, positivere Sprüche – wie etwa bei einer gewissen Ingrid Pochadt, die heute schon ganz lange Ingrid Kehne heißt: Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet. Römer 12,12

Es war auch eine andere Zeit. Der Krieg und die schweren Nachkriegsjahre waren dem Wirtschaftswunder gewichen, es war schon ein gutes Stück aufwärts gegangen. Die Schrecken von Krieg, Vertreibung, Hunger und schlimmen Sorgen waren längst nicht vergessen, aber andere Dinge hatten sich davor geschoben, durchaus angenehmere – eben ein bisschen Wohlstand, man konnte sich schon mehr leisten und hatte ja auch so einiges nachzuholen.

Wieso komme ich darauf? Ich bin von einem Vers aus der Offenbarung des Johannes ausgegangen, aus diesem Buch mit den „sieben Siegeln“, dem Monatsspruch des gerade begonnen Novembers: Offenbarung 21,56 Gott spricht. Siehe, ich mache alles neu. Ein Spruch, der so recht gut tut zu Beginn des trüben und tristen zweitletzten Monats im Jahr. Ein Spruch, der angesichts von fallenden Blättern, traurigen Gedenktagen wie Volkstrauertag, Toten- oder Ewigkeitssonntag, Mut machen will: Diese Welt mit all ihrer Vergänglichkeit hat nicht das letzte Wort. Das letzte Wort ist Gottes Wort. Und dieses Wort wird Leben und Licht sein, nicht Dunkelheit und Tod. „Siehe, ich mache alles neu!“ Gott schafft neues Leben, ganz gewiss – auch wenn wir traurig und mutlos sind. Das soll uns stärken und festmachen.

„Festmachen“, „Bestärken“ heißt auf Latein: confirmare -- davon kommt „Konfirmation“. Wenn Sie zurückschauen, liebe Jubelkontirmandinnen und –konfirmanden, haben Sie nicht alle diese Stärkung irgendwann in Ihrem Leben gebraucht? Waren da nicht Momente, da wäre es aus eigener Kraft kaum weitergegangen? Sicher, man erinnert sich gern an gute Zeiten, das sollen Sie auch. Aber es ist doch gut zu wissen, wer einen in schweren Zeiten, in Schicksalsschlägen hält und bewahrt. Wer dann, wenn alles am Ende ist, wieder „alles neu machen“ kann.

Halt geben - das soll der christliche Glaube. Vieles hat sich verändert seit Ihren Konfirmationsgottesdiensten. Der Altarraum ist längst umgestaltet, ja steht inzwischen an der komplett anderen Seite. Manche von Ihnen kennen noch die ganz alte Ausmalung der Kirche, den Sternenhimmel mit Jesus, dem Weltrichter, der wie Gott Vater über allem herrscht. Die Sterne, der Weltenrichter sind längst übermalt. Diejenigen, die gar nicht hier, sondern in einer anderen Kirche konfirmiert wurden, haben vielleicht ähnliche Erinnerungen. Vielleicht gibt es Ihre Kirche gar nicht mehr oder Sie können sie nicht mehr besuchen.

Vieles hat sich im Laufe der Jahre geändert. Hier, in der Kirche ist der Zugang über die hohe, unbequeme Treppe an der Detmolder Straße ersetzt worden durch den barrierefreien Eingang vom Gemeindezentrum her. Den Menschen sollte der Weg in die Kirche erleichtert werden. Einheitlich ist die Gestaltung geworden. Ein ruhiger Gesamteindruck wurde geschaffen. Warmes Licht durch die Glasmalereien zum Thema „Wasser“ hier hinter mir. In das Blau der Urflut ist Gottes Wort als ein helles Licht gekommen, hat das Leben geschaffen und ist in der Welt geblieben. „Siehe, ich mache alles neu“ ist auch das Thema dieser Bilder: Gott schafft Leben allein durch sein Wort – und seine Schöpfung ist noch nicht beendet – dass er immer noch am Werk ist, will uns Mut für die Zukunft machen.

Statt unbeweglicher Bänke, von denen man in den Seitenschiffen aus nicht sehen konnte, was vorn am Altar geschah, gibt es jetzt eine flexible Bestuhlung. Platz für Chöre, Platz für das Feiern auch in anderen Gottesdienstformen.

Was war letztlich der Grund für all die Arbeiten des Planens, die Mühen zur Neugestaltung? Sicher nicht ein falsch verstandenes: „Wir machen mal eben alles neu!“ Der Grund ist derselbe wie damals das, was Ihnen Ihre damaligen Pfarrer mitgeben wollten: Das Herz fester zu machen im Glauben an den einen Gott, der Halt gibt zu einem mutigen Leben - auch in schweren Zeiten; das Vertrauen darauf, nicht allein zu sein, sondern dass es da jemanden gibt, der auch in der ausweglosesten Situation alles neu machen kann.

Jede Zeit hat eigene Vorstellungen, eigene Moden. Alles ist dem Wandel unterworfen. Auch Kirchengebäuden sind Zeichen ihrer Zeit. Wir sehnen uns nach Dingen, die bleiben, Werten, die Bestand haben, am besten ein Leben lang. Und doch mutet uns Gott zu, immer wieder Abschied zu nehmen von Vertrautem und uns auf einen neuen Weg in ein unbekanntes Land zu machen. Wir haben einen Gott, der mitgeht durch die Zeit. Der uns verändert und der uns in unseren Veränderungen begleitet. Der neu macht, was verstaubt, traurig, vergessen und abgelegt ist.

Gott bleibt dabei immer derselbe - ob wir nun bemalten Chorräumen vor unserem geistigen Auge haben oder in diese Kirche heute sitzen. - Entscheidend ist: Gott geht mit uns in die Zukunft, schenkt offene Herzen und dankbare Gedanken, gibt Mut und Zuversicht für das, was kommt: „Siehe, ich mache alles neu.“

Fröhlich können wir in die Zukunft hoffen, Geduld fassen, wenn es trübe Tage und Gedanken gibt, denn sie müssen nicht das letzte Wort behalten. Dran bleiben ist wichtig. Dran bleiben im Glauben, im Gebet, im Gottvertrauen.
Darum: Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet. Römer 12,12

Das hat sich bei so vielen bewährt, dass ist ein guter Rat für die Zukunft.

Amen.


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© Ev. Kirche Bad Lippspringe 05.11.06