
Sich getrost danach fragen lassen
Predigt am 3. Sonntag nach Trinitatis, 2. Juli 2006
Pfarrerin Kerstin Heibrock, Bad Lippspringe
IV. Reihe: 1. Johannes 1,5 - 2.6
Das ist die Botschaft, die wir von Jesus Christus
gehört haben und euch verkünden: Gott ist Licht, und keine Finsternis
ist in Gott. Wenn wir sagen, dass wir Gemeinschaft mit Gott haben und
doch in der Finsternis leben, lügen wir und tun nicht die Wahrheit.
Wenn wir aber im Licht leben, wie Gott im Licht ist, haben wir
Gemeinschaft miteinander, und das Blut des Gotteskindes Jesus reinigt
uns von aller Sünde. Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben,
führen wir uns selbst in die Irre, und die Wahrheit ist nicht in uns.
Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist Gott treu und gerecht, vergibt
unsere Sünden und reinigt uns von allem Unrecht. Wenn wir sagen, dass
wir nicht gesündigt haben, bezichtigen wir Gott der Lüge und Gottes
Wort ist nicht in uns. Meine Kinder, ich schreibe euch dies, damit ihr
nicht sündigt. Wenn aberjemand sündigt, haben wir einen Beistand bei
Gott: Jesus Christus, den Gerechten. Jesus Christus ist die Sühne für
unsere Sünden, aber nicht nur für unsere Sünden, sondern auch für die
der ganzen Welt. Wenn wir Gottes Gebote halten, erkennen wir, dass wir
Gott erkannt haben. Jene, die sagen: Ich habe Gott erkannt!, aber
Gottes Gebote nicht halten, lügen, und die Wahrheit ist nicht in
ihnen. Jene aber, die sich an Gottes Wort halten, wahrhaftig, in ihnen
ist die Liebe Gottes vollendet. Wir erkennen daran, dass wir in Gott
sind. Jene, die sagen, dass sie in Gott bleiben, müssen auch leben,
wie Jesus gelebt hat.
Liebe Gemeinde, in den Worten dieses Briefabschnitts, das haben Sie
sicher gehört, steckt ganz viel von dem, was wir evangelischen
Christen und Christinnen viel später von Martin Luther neu gesagt
bekommen haben und was noch heute für uns gilt: Menschen sind, bei
allem Glauben, der sie erfüllt, doch immer auch unvollkommen, sind von
Gott getrennt durch einen "Sund" kommt das Wort Sünde vielleicht
daher? Wir brauchen immer wieder Gottes Vergebung in unserem Leben.
Aber dennoch sind die Früchte unseres Glaubens, das, was man von außen
erkennen kann, die "guten Werke". Also so sollen wir Christen und
Christinnen leben: Jene, die sagen, dass sie in Gott bleiben, müssen
auch leben, wie Jesus gelebt hat. Leben wie Jesus gelebt hat¬wir
verdanken es den Frauen und Männern von damals, dass sie weitergegeben
und aufgeschrieben haben, wie Jesus gelebt hat. Und so geht dann ja
auch die Evangeliumslesung: das verirrte Schaf wird zurückgebracht von
einem, der sich kümmert ohne lange zu fragen. Jesus ist einer, der
sucht: nach Heilung und Fürsorge für die Kranken, nach Gerechtigkeit
für die, die in Ungerechtigkeit leben müssen, nach Liebe für die
Ungeliebten. Jesus sucht danach und bringt:
Heilung, Gerechtigkeit und Liebe. In seiner Nachfolge leben Christen
und Christinnen, auch heute, in unserer Kirche. Die Kirche und ich
sage das jetzt einmal absichtlich so¬ist engagiert in vielen Projekten
in dieser Nachfolge: bei Brot für die Welt ebenso wie bei der Aktion
"Abpfiff` gegen Frauenhandel und Zwangsprostitution jetzt bei der WM.
Die Diakonie unterhält immer noch Beratungsstellen, in vielen
Gemeinden gibt es auch heute noch Hilfskreise für Migranten und
Asylbewerber. Das passiert im Großen. Und im kleinen, bei jedem
einzelnen? Vielleicht muss man da etwas genauer hinschauen. Aber ich
bin davon überzeugt, dass sich auch dort die "guten Werke" in der
Nachfolge finden. Warum ich das glaube? Weil ich weiß, dass jedes
große gute Werk einmal klein angefangen hat, bei einem einzelnen
Christ, einer einzelnen Christen. Und auch das große Werk lebt weiter
von der Nachfolge vieler. Und so glaube ich auch, dass man den Glauben
an uns Christen und Christinnen erkennen kann: ich sehe das Vertrauen,
die Hoffnung, die Phantasie bei vielen, auch bei Kolleginnen und
Kollegen in den Gemeinden. Haben Sie gestern vom Labyrinth vor der
Christuskirche in Schloss Neuhaus gelesen, wo man, wie Mose, heiligen
Boden unter den Füßen spüren kann? Oder waren Sie hier bei uns in der
Nacht der offenen Kirche? Ich sehe die Freude am Leben und auch den
Mut für die Zukunft darin. Das Wichtigste aber, das uns immer wieder
zum Glauben und zum Tun verhilft, das haben wir im ersten Satz des
Briefabschnitts eben gehört: "Das ist die Botschaft, die wir von Jesus
Christus gehört haben und euch verkünden: Gott ist Licht, und keine
Finsternis ist in Gott." Ich denke dabei an meine Kinder, vielleicht
denken Sie an Ihre Kinder oder Enkel: Ihnen vertreibt nachts beim
Einschlafen ein Licht die Angst. Und auch wir warten manchmal in einer
langen dunklen Nacht mit schwarzen Gedanken darauf, dass es Tag wird
und die Angst vergeht. Und wenn die Angst vertrieben ist, dann können
wir es leichter: gut sein. Dann müssen wir uns nicht beweisen, nicht
mehr wert sein als der andere. Dann können wir den anderen als
Nächsten sehen.
Gott ist Licht. Strahlendes Licht, über all unsere Finsternis hinweg.
Gottes Licht erleuchtet noch unser Versagen, unsere kleine Kraft,
erleuchtet unsere Nachfolge und unsere Glaubensstärke. Gottes Licht
leuchtet ohne Finsternis: Martin Luther sagt das mit seinen Worten:
"Er ist der Gott, der nichts nimmt, sondern nur gibt." Was für ein
Gott! Wir können gut sein, Gutes tun, gut leben, weil wir aus diesem
Gott und seiner Güte leben, aus seinem Licht.
Zum Schluss möchte ich Sie urn etwas bitten . Richten Sie sich auf,
machen Sie den Rücken gerade, so gerade, wie sie können. Schauen Sie
dahin, wo Licht ist: vor Ihnen, neben Ihnen, aus dem Fenster an der
Seite, hier vorne hin. Denken Sie an das Licht, das Ihnen heute morgen
schon begegnet ist, als Sie aus der Haustür getreten sind, in diesen
wunderbaren Sommermorgen. Und dann sehen Sie Ihren Nachbarn oder Ihre
Nachbarin an, die Menschen um sie herum. Gottes Licht fällt auf Sie,
auf uns alle, auf die Welt. Der Gott, der nichts nimmt, sondern immer
nur gibt, gibt uns die Kraft, aus seiner Güte gut zu leben. Danach
kann und soll man uns getrost fragen!! Und so schließe ich die Predigt
heute mit einem alten irischen Segenswort: Möge die strahlende Sonne
dich daran erinnern, dass du neben dir einen anderen Begleiter hast
durch deine Tage und Jahre die wahre Sonne, die Christus heißt. Amen
© Ev. Kirche Bad Lippspringe 11.07.06