
3. Platz
Predigt in Bad Lippspringe am 4. Sonntag nach Trinitatis, 9. Juli 2006
Pfarrer Detlev Schuchardt, Bad Lippspringe
Kolosser 3,11-15
Vom Gold der
Bronzemedaille

Wo das geschieht, gibt es nicht mehr
Griechen oderJuden, Beschnittene
oder Unbeschnittene, Fremde, Skythen,
Sklaven oder Freie, sondern Christus
ist alles und in allen.
Ihr seid von Gott geliebt, seid seine
auserwählten Heiligen. Darum beklei-
det euch mit aufrichtigem Erbarmen,
mit Güte, Demut Milde, Geduld!
Ertragt euch gegenseitig, und vergebt
einander, wenn einer dem andern
etwas vorzuwerfen hat. Wie der Herr
euch vergeben hat, so vergebt auch
ihr!
Vor allem aber liebt einander,
denn die Liebe ist das Band, das alles
zusammenhält und vollkommen
macht.
In eurem Herzen herrsche der
Friede Christi; dazu seid ihr berufen
als Glieder des einen Leibes.
Friede sei mit euch und die Gnade Gottes in Jesus Christus. Amen.
Liebe Schwestern und Brüder,
Sicherlich haben Sie diese Karikatur auf der Rückseite des
Liedzettels, schon bemerkt. Wenn nicht, dann schauen Sie doch jetzt
einmal darauf. Vielleicht haben Sie geschmunzelt: 3. Platz und alle
jubeln – „Weltmeister der Herzen“ – fällt einem spontan ein.
Aber es steht ja ein Bibeltext über dieser Karikatur, und den möchte
ich zunächst einmal vorlesen:
Kolosser 3, 11-15:
„Wo das geschieht, gibt es nicht mehr Griechen oder Juden, Beschnittene oder Unbeschnittene, Fremde, Skythen, Sklaven oder Freie, sondern Christus ist alles und in allen.
Ihr seid von Gott geliebt, seid seine auserwählten Heiligen. Darum bekleidet euch mit aufrichtigem Erbarmen, mit Güte, Demut, Milde, Geduld! Ertragt euch gegenseitig, und vergebt einander, wenn einer dem andern etwas vorzuwerfen hat. Wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr!
Vor allem aber liebt einander, denn die Liebe ist das Band, das alles zusammenhält und vollkommen macht. In euerem Herzen herrsche der Friede Christi; dazu seid ihr berufen als Glieder des einen Leibes.“
An frisch getaufte Menschen ist dieser Text gerichtet: „Wo Ihr
durch die Taufe ein neuer Mensch geworden seid, wo das geschieht, gibt
es nicht mehr unterschiedliche Religionen, kein Oben und Unten, kein
Arm oder Reich, da ist Christus alles und in allem.“
Die Gemeinschaft der Getauften bezeichnet Paulus als die „Gemeinschaft
der Heiligen“, sogar der „auserwählten Heiligen“ – wie ist das
möglich? Schaut man sich rein objektiv die Gemeinde der Christen in
der damaligen Zeit an, waren sie eher drittklassig: Eine kleine,
uneinheitliche Gruppe mit wenig ansehnlichen Gestalten quer aus allen
Gesellschaftsschichten, auch den unteren, Anhänger eines
Religionsstifters, den sie wie einen Verbrecher ans Kreuz genagelt
hatten. Mit solchen Leuten kann man es doch nicht auf Platz 1
schaffen!!!
Und dennoch gab es in dieser Gemeinschaft etwas, was sogar andere
neidlos anerkennen mussten: Sie gingen anders miteinander um als
andere Menschen. Bei Ihnen nämlich war jeder Mensch gleich viel wert.
Sie hatten einander vorbehaltlos lieb, ließen jeden und jede so gelten
wie er, wie sie war, alle standen sie auf einer Stufe, sie freuten
sich aneinander. Es war kein Zusammenschluss von Egoisten, sondern von
Menschen, denen der andere wichtiger war als sie sich selbst. Nicht
das eigene ICH stand im Mittelpunkt, sondern das DU.
Was war das Geheimnis dieser Gemeinschaft? Nun nicht aus sich heraus
waren sie so nett zu einander. Schauen auf die Karikatur: Die Menschen
zeigen nach oben und sie freuen sich dabei. Ein anderer, nämlich
Jesus, hat uns zu dem gemacht was wir sind. Er hat uns gemeint, jeden
einzelnen: DU – DICH meine ich hat er gesagt: So wie du bist, liebe
ich dich – nun mache auch etwas daraus und gebe diese Liebe an anderer
weiter!
Auch wenn diese Menschen sich freuen, vergessen wir nicht: Diese Liebe
ist teuer erkauft. Am Kreuz ist Jesus gestorben um uns zu erlösen, und
Gott musste ihn auferwecken von den Toten, damit seine Liebe auch uns
erreicht.
Durch die Taufe haben wir Anteil an Tod und Auferstehung Jesu – und
damit eben auch der Gemeinschaft von der unser Text spricht. Wir sind
verbunden mit dem Band der Liebe. Vergebung und Friede sind die Werte,
die das Miteinander bestimmen.
Und deshalb ist diese Gemeinschaft vielleicht nicht immer auf dem
Platz Nummer 1 in der Rangfolge dieser Welt. Aber auch der Platz
weiter hinten ist trotzdem der Platz an dem es sich gut aushalten
lässt. In christlicher Gemeinde sind die Sieger der Herzen. Gott sagt
zu jedem, zu jeder: DU, DICH meine ich, so wie du bist, bin auch
deiner Seite und nichts kann dir besiegen! Es tut gut, dies zu wissen
und dies zu feiern!
Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre
eure Herzen und Sinne in Jesus Christus.
Amen.
© Ev. Kirche Bad Lippspringe 11.07.06