Denn siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, daß man der vorigen nicht mehr gedenken und sie nicht mehr zu Herzen nehmen wird. Freuet euch und seid fröhlich immerdar über das, was ich schaffe. Denn siehe, ich will Jerusalem zur Wonne machen und sein Volk zur Freude, und ich will fröhlich sein über Jerusalem und mich freuen über mein Volk. Man soll in ihm nicht mehr hören die Stimme des Weinens noch die Stimme des Klagens. Es sollen keine Kinder mehr da sein, die nur einige Tage leben, oder Alte, die ihre Jahre nicht erfüllen, sondern als Knabe gilt, wer hundert Jahre alt stirbt, und wer die hundert Jahre nicht erreicht, gilt als verflucht. Sie werden Häuser bauen und bewohnen, sie werden Weinberge pflanzen und ihre Früchte essen. Sie sollen nicht bauen, was ein anderer bewohne, und nicht pflanzen, was ein anderer esse. Denn die Tage meines Volks werden sein wie die Tage eines Baumes, und ihrer Hände Werk werden meine Auserwählten genießen. Sie sollen nicht umsonst arbeiten und keine Kinder für einen frühen Tod zeugen; denn sie sind das Geschlecht der Gesegneten des HERRN, und ihre Nachkommen sind bei ihnen. Und es soll geschehen: ehe sie rufen, will ich antworten; wenn sie noch reden, will ich hören. Wolf und Schaf sollen beieinander weiden; der Löwe wird Stroh fressen wie das Rind, aber die Schlange muß Erde fressen. Sie werden weder Bosheit noch Schaden tun auf meinem ganzen heiligen Berge, spricht der HERR.

Am Ende
Wird es ganz anders sein
Als wir glauben
Und leichter womöglich
Als wir zu hoffen wagen
Am Ende
Werden wir wissen
Was wirklich zählt
Und worauf es ankommt
Im Leben und Sterben
Am Ende
Wird auch für mich
Sich die Grenze öffnen
Und trotz aller Angst
Wird ich springen
Ins leuchtende Du
Soweit ein Text von Carola Moosbach. (Carola Moosbach, Himmelsspuren. Neukirchen-Vluyn.2001.)

Liebe Gemeinde,

Wir sind am Ende angekommen, am Ende zumindest des Kirchenjahres. Am Ende des Herbstes. Es ist die Zeit der trüben Tage. Zeit der trüben Gedanken auch für manche Menschen, denn an diesem letzten Sonntag des Kirchenjahres gehen die Gedanken traditionell zurück zu dem was war, in diesem Jahr, in der vergangenen Zeit. Vergänglichkeit steht uns ganz bewußt vor Augen. Die Erinnerungen an Menschen, von denen wir Abschied nehmen mußten.
Am Ende – und doch sind die Zeichen, die Symbole, die Texte dieses Sonntags zwiespältig. Zeichen der Schwermut und Trauer über Abschied, Tod vergehende Zeit. In den Bildern, die Schülerinnen und Schüler der Klassen 9 und 10 der Lippspringer Hauptschule gestaltet haben, steht uns das deutlich vor Augen:
Sie haben mit Sand gearbeitet – Zeit zerrinnt wie Sand in unseren Händen, wir vermögen nicht, etwas festzuhalten, alles ist dem Werden und Vergehen unterworfen.
Sie haben Symbole der Vergänglichkeit und Trauer aufgenommen: das Blatt, das im Herbst vom Baum fällt und vergeht. Die Blume, abgeknickt, die sterben wird. Zerbrochene Herzen.
Die Texte, die sie dazu geschrieben und gesammelt haben erzählen von Verzweiflung, Trauer, Dunkel.
Ende.
Doch auch die Bilder der Schülerinnen und Schüler zum Thema Tod und Trauer reden von dem Weg, der weiterführt. Weiter, wenn das Tor durchschritten ist, die Brücke überquert. Weiter, aber wohin?
Wir wissen nichts von diesem Hingehn, das nicht mit uns teilt, so hat der Dichter Rainer Maria Rilke einmal unsere Sprachlosigkeit über dieses Ende und den Weg danach in Worte gefasst. Wir wissen nichts, sind sprachlos und so brauchen wir Bilder. Bilder der Hoffnung auf Leben. Solche Bilder malt seinen Zeitgenossen im 5. Jahrhundert vor Christus und uns der Prophet vor Augen, den die Wissenschaft den „dritten Jesaja“ nennt.
Wir haben seine Bilder eben in der Lesung gehört: Ich schaffe einen neuen Himmel und eine neue Erde, spricht Gott. Ich schaffe der Stadt Jerusalem Lachen und ihrem Volk Freude. Es wird kein Weinen mehr gehört werden und kein Klagen. Sie bauen Häuser und bewohnen sie. Sie pflanzen Weinberge und essen ihre Früchte. Bevor sie rufen, werde ich antworten, während sie noch reden, werde ich sie erhören. Niemand wirkt Verderben.
Sie ist uns wohl vertraut diese Hoffnung auf einen neuen Himmel und eine neue Erde – auch der Seher Johannes nimmt dieses starke Bild im letzten Buch unserer Bibel, in der Offenbarung, noch einmal auf. Gottes Ewigkeit, die so ganz anders ist als unsere Wirklichkeit. Kein Mensch mehr belastet durch Krankheit und Tod, nie wieder Krieg, keine Gewalt, keine Ungerechtigkeit. Die Menschen dürfen einen Platz zum Wohnen haben, sie können Bauen und selbst die Frucht ihrer Arbeit genießen. Da wird es nicht mehr sein, dass einige profitieren von der Arbeit und Mühe vieler. Gebete werden erhört und beantwortet. Alle Menschen werden Grund haben zu lachen. Gottes neue Welt eben, Gottes Reich, seine Ewigkeit.
Mit dieser Vision, mit dieser Hoffnung im Herzen, läßt sich hier einiges ertragen. Leid wird nicht ohne Ende sein, irgendwann werden alle Mühe, alles Elend, aller Tod von Gott beseitigt sein. Mit dieser Erwartung wurde viel ausgehalten und durchgestanden. Irgendwann hat auch die Ungerechtigkeit ein Ende. In Gottes Reich haben auch die Armen Recht, die Kranken Gesundheit, die Trauernden Freude, die Unterdrückten Gerechtigkeit.
Wenn wir den Worten, die uns überliefert sind, Glauben schenken, dann können wir jetzt schon Kraft daraus schöpfen. Ja und Amen, so wird es sein wenn Gott alles in allem ist.
Da gibt es allerdings eine große Unsicherheit, die erwähnt werden muss. Einen bitteren Wermutstropfen für die Unterdrücker und Vertröster: Gottes Reich, seine Ewigkeit, läßt sich nicht bis ins Jenseits hinhalten.
Indem der Prophet sie ausspricht und überliefert, indem die Bibel sie uns über 2500 Jahre erhält und weitergibt, werden die Bilder der Hoffnung, wird Gottes neue Welt schon hier und jetzt virulent und wirkmächtig.
So sieht Gottes Willen für uns aus, Gott will, das wir Menschen etwas zu lachen haben und Gott will sich mit uns freuen. Ungerechtigkeit und Tod sollen nicht mehr herrschen, niemand soll sich mit der Tatsache abfinden, dass es eben Täter und Opfer gibt, Starke und Schwache, sonder es können auch Wölfin und Lamm einträchtig weiden und Löwen wie Rinder Stroh fressen.
Und all das eben nicht in einem fernen Jenseits. Oder in den Broschüren der Seelenfänger mit bunten Farben naiv gemalt. Hier und jetzt fängt Reich Gottes an, sein neuer Himmel, seine neue Erde. Mitten unter uns.
Eine schöne neue Welt malt Jesaja vor die inneren Augen seiner Zuhörer. Nicht, um sie zu vertrösten mit einer glücklichen Zukunft und den rosigen Aussichten eines fernen Tages. Sondern um sie zu ermuntern und einzuladen, zu helfen, dass Zeichen dessen, was Gott schaffen wird, schon jetzt gesetzt werden. Wenn die Menschen nur wollen, dann ist es möglich, vom neuen Himmel und der neuen Erde schon jetzt etwas zu erfahren.
Schöne Worte, werden Sie denken, aber wie werden die konkret?
Ich werde Ihnen nicht die Arbeit und die Freude abnehmen, Ihre Bilder der neuen Erde und des neuen Himmels im Hier und jetzt zu erzählen. Ich bin selbst immer wieder neu dabei, diese Bilder zu entdecken, zu sammeln, für mich zu erkunden. Ich möchte Ihnen die Worte von Irene Dilling (in: Katharina Schridde. Evangelisches Frauenbrevier. Gütersloh. 2006) weitersagen, ich denke, sie passen hierher: Gott sagt: Ich habe dir Leben und Blüten geschenkt. Ich habe dir die Lichter des Himmels entzündet. Ich habe dir einen hellen Schein in dein Herz gegeben. Ich habe dir das Geheimnis des Weizenkorn gesagt. Ich warte auf dich. Amen.
Und der Geist Gottes, der größer ist als unsere Vorstellungskraft, sei uns Stärke und Hilfe zu allem Guten und bewahre uns in Gottes Liebe. Amen.


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© Ev. Kirche Bad Lippspringe 26.11.06