„Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“ Psalm 90,12
Es heißt nicht: Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass
wir verzweifeln, auf wir mutlos werden, sondern auf dass wir klug
werden, lebensklug. Gott will uns Hoffnung geben angesichts des Todes,
aber er mutet uns auch zu, uns dem Tod, dem Ende des irdischen Lebens zu
stellen. Bei manchen von Ihnen ist der Schmerz noch groß, fast
übermächtig. Bei anderen liegt die unmittelbare Trauer schon länger
zurück. Wir wollen gemeinsam in diesem Gottesdienst nicht den Tod
feiern, sondern das Leben. Denn Gott ist ein Gott der Lebenden, der
Hoffnung schenkt auch in der Trauer. Er nimmt dem Tod den Schrecken und
will jedem und jeder unter uns einen neuen Weg in die Zukunft öffnen. Er
segne unseren Gottesdienst.
Man sagt,
wir müssten das Halleluja singen,
wenn man einen der Unsrigen zum Friedhof trägt,
wenn wir an den Gräbern unserer Toten stehen.
Man sagt,
wir müssten das Halleluja singen,
weil wir doch glauben,
das das Leben stärker ist als der Tod;
weil wir doch hoffen,
dass wir unsere Toten wieder sehen,
dass sie uns nur eins Stück voraus
sind auf dem Weg.
Wir glauben und wir hoffen ja,
aber in uns ist auch die Trauer,
das Leid um einen Menschen,
den wir noch nicht übrig hatten.
Wir glauben ja,
aber in uns ist eine Wunde,
die, wie es heißt, die Zeit allein heilen wird.
Doch da ist die Sorge,
dass die Zeit nur das Vergessen lehrt,
wo die Erinnerung doch so gern bewahren will.
Man sagt,
wir müssten das Halleluja singen.
Wir möchte es ja singen,
aber unser Glaube ist noch nicht groß
und unsere Hoffnung noch nicht stark genug.
Wir werden es singen, bald.
Vielleicht singen wir es nur leise,
tief drinnen in unseren Herzen.
Wenn die Trauer zu ihrem Recht gekommen ist,
wenn das Ja gesagt ist,
dann ist die Zeit für unser Halleluja,
für das Lied vom Glauben an das Leben,
für das Lied der Hoffnung auf ein Wiedersehen.
Worte aus Psalm 126:
Wenn der Herr die Gefangenen Zions erlösen wird,
so werden wir sein wie die Träumenden.
Dann wird unser Mund voll Lachens
und unsere Zunge voll Rühmens sein.
Dann wird man sagen unter den Heiden:
Der Herr hat Großes an ihnen getan!
Die mit Tränen säen,
werden mit Freuden ernten.
Sie gehen hin und weinen
und streuen ihren Samen
und kommen mit Freuden
und bringen ihre Garben.
Evangelium des Johannes 6, 37- 40:
Alles, was mir mein Vater gibt, das kommt zu mir; und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinaus stoßen. Denn ich bin vom Himmel gekommen, nicht damit ich meinen Willen tue, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat. Das ist aber der Wille dessen, der mich gesandt hat, dass ich nichts verliere von allem, was er mir gegeben hat, sondern dass ich's auferwecke am Jüngsten Tage. Denn das ist der Wille meines Vaters, dass, wer den Sohn sieht und glaubt an ihn, das ewige Leben habe; und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tage.
Verlesung der Namen der Verstorbenen …
Wir wollen auch all derer gedenken, deren Namen jetzt nicht verlesen
worden sind, aber deren Tod uns noch immer berührt und an die wir jetzt
besonders denken. Wir wissen, bei dir ist jeder Namen gleich wichtig und
unvergessen ist.
Gott unser Vater,
wir gedenken vor dir all derer,
die in unserer Gemeinde gestorben sind.
Wir haben Leid und Trauer erfahren.
Wir haben erlebt, wie ohnmächtig wir sind angesichts des Todes.
Darum lass uns auf dein Wort vertrauen, Gott:
dass deine Liebe stärker ist als der Tod,
dass du uns Hoffnung gibst zum Leben.
Amen.
Christus spricht: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich
glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe. Und wer da lebt und glaubt
an mich, der wird nimmermehr sterben.
Friede sei mit euch und die Gnade Gottes in Jesus Christus.
Liebe Schwestern und Brüder,
ich erinnere mich an folgende Zeilen anlässlich einer Beerdigung:
Du siehst den Garten nicht mehr grünen
in dem du einst so froh geschafft
siehst deine Blumen nicht mehr blühen,
weil dir der Tod nahm deine Kraft.
Was du aus Liebe uns gegeben,
dafür ist jeder Dank zu klein,
was wir an dir verloren haben,
das wissen wir nur ganz allein.
Menschen und Blumen – sie pflanzen Blumen, pflegen sie – und es scheint
immer so weiterzugehen, Jahr für Jahr. Dann mit einem Mal ist alles
anders: die oder der die Blumen gepflanzt ist, lebt nicht mehr, wir
mussten schmerzlich Abschied nehmen. Und die Blumen erinnern uns, mach
en uns wehmütig, traurig, können uns aber auch trösten: etwas bleibt,
wächst, hat Bestand.
Menschen sind vergänglich wie die Blumen, wie die Pflanzen. Ich erinnere
mich die Verse eines Psalms:
Gott weiß, was wir für Geschöpfe sind; er kennt uns doch: Wir sind nur
Staub! Der Mensch ist so vergänglich wie das Gras, es ergeht ihm wie der
Blume im Steppenland: Ein heißer Wind kommt - schon ist sie fort, und wo
sie stand, bleibt keine Spur von ihr. Doch die Güte Gottes bleibt für
immer bestehen; bis in die fernste Zukunft gilt sie denen, die ihn
ehren. Er hält auch noch zu ihren Kindern und Enkeln, wenn sie nur
seinem Bund treu bleiben und nach seinen Geboten leben. Psalm 103, 14
-18
„Für dich soll’s rote Rosen regnen...“ Sie kennen diese Zeile aus dem
Lied von Hildegard Knef. Die Rose als eine besondere symbolträchtige
Blume ist das Zeichen der Liebe, der Zuneigung, der Sympathie, ein
Dankeschön, eine Entschuldigung.
Im Psalm 103 wird die Vergänglichkeit des Menschen verglichen mit
Gräsern und Blumen. Auch die schönsten Blumen, die rotesten Rosen
verwelken- doch das, was damit gesagt werden soll, das bleibt doch: Du
bist mir wichtig, ich liebe dich, ich danke dir. Auch der menschliche
Körper vergeht, ist nur Hülle, doch das, was den Menschen ausmacht,
bleibt, in veränderter, neuer Form. Für manche, an die wir uns heute
erinnern, war das Sterben auch eine Erlösung. Für andere kam es viel zu
früh und bleibt auch heute noch unverständlich. Und wir spüren in diesem
Moment: etwas bleibt, ist nicht vergänglich, hat Bestand. Mitten in
unseren Herzen, mitten in unserem Leben, hat uns geprägt, verändert uns.
Manches mal hab ich es an einem Sarg so ausgedrückt:
„Die Liebe eines Menschen
kannst du nicht begraben,
sie mit Erde zuschaufeln,
wie Urnenasche in den Wind zerstreuen.
Die Liebe eines Menschen
vervielfältigt sich mit seinem Tod
unter den Lebenden tausendfach,
die Liebe kannst du nicht begraben.
Du siehst es bei Jesus aus Nazareth:
die Liebe eines Menschen weckt die Schlafenden,
tröste die Traurigen,
ermutigt die Hoffnungslosen.
Die Liebe dieses Jesus
lehrt die Stummen eine neuen Sprache,
ist für die Blinden neues Licht,
bringt den Lahmen das Gehen bei.
Viele von uns habe es am eigenen Leib erfahren
und bewahren es im Herzen.“
Uwe Seidel
Für uns Hinterbliebene heißt das: Lasst rote Rosen regnen, geizt nicht
damit. Davon leben wir - das wir Liebe, Dank und Anteilnahme weitergeben
an andere. Wohl alle Verstorbenen hätte noch so gern gelebt. Hatte noch
Pläne. Hätten gern noch Blumen blühen sehen. Vergessen wir aber nicht,
dass ihnen allen auch manches Schweres auferlegt wurde in ihrem Leben.
Sie sind gestorben und - so unsere christliche Hoffnung - ruhen nun ganz
im Frieden des lebendigen Gottes. Er wird sie auferwecken zu neuem
Leben. Wie das aussehen wird, wann das ist - das können die Augen nicht
sehen, der Verstand nicht erfassen. Doch das es so ist - davon weiß das
Herz.
Für dich soll’s rote Rosen regnen ... nicht immer erleben wir das in
unserem Leben. Aber es sind rote Rosenblätter wohl auch in Ihr Herz
gefallen, die Sie heute aufrichtig um die Verstorbenen trauern. Diese
Rosenblätter sind die Liebe, die bleibt, die Kraft gibt und Hoffnung und
uns einfach für das mit dem Leben der Verstorbenen Geschenkte Dank sagen
lässt.
Amen.
Gott, Schöpfer des Himmels und der Erde, der du Herr bist über Lebende
und über Tote, wir kommen zu dir mit dem, was uns bewegt.
Wir bitten dich für die, die um einen Menschen trauern,
der ihnen lieb und wert war:
Sei du bei ihnen in ihrer Trauer und Einsamkeit.
Hilf, dass wir darauf vertrauen,
dass deine Liebe stärker ist als der Tod.
Wir bitten dich für die, die Schmerzen leiden,
die Kranken und die Sterbenden:
Sei du bei ihnen in ihren Ängsten.
Hilf, dass wir darauf vertrauen,
dass wir im Leben und im Sterben von dir gehalten sind.
Wir bitten dich für die, die in Not und Elend leben,
die nicht wissen, wovon sie morgen leben werden:
Sei du bei ihnen in ihren Sorgen.
Hilf, dass wir im Vertrauen auf dein Reich
jetzt schon für Frieden und Gerechtigkeit eintreten.
Wir bitten dich für uns, die wir Hoffnung brauchen,
die wir oft nicht weiter wissen im Alltag:
Sei du bei uns in unseren Fragen.
Hilf uns, dass wir auf deine Worte vertrauen,
durch die wir heute und morgen leben können.
So beten wir zu dir, wie dein Sohn Jesus Christus uns zu beten gelehrt
hat:
Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.
Gott segne deine Augen,
dass du weinen kannst
und nicht in der Kälte deiner Trauer erstarrst.
Gott segne deine Begegnungen,
damit du Menschen findest,
die dir geduldig und verstehend zuhören.
Gott segne deinen Mund
damit du Worte findest
für deine Trauer
und deinen Schmerz.
Gott segne deine Schritte,
dass du einen Weg findest in dein neues Leben.
Gott segne dein Herz,
dass deine Erinnerung wie ein Nest wird,
in dem du dich bergen kannst.
Gott segne dich damit,
dass dein Glaube nicht zerbricht
und deine Hoffnung wächst,
denn er sieht und hört, tröstet
und befreit unseren Tod
zu neuem Leben.
© Ev. Kirche Bad Lippspringe 26.11.06