
Seien Sie freundlich
Predigt am Ostermontag, 17. April 2006
Pfarrerin Kerstin Heibrock, Bad Lippspringe
IV. Reihe: 1. Korinther 15, 12-20
Paulus schreibt: Das sage ich euch, Geschwister, der vergängliche Leib allein kann nicht teilhaben an Gottes Macht, und die von Gott entfernt leben, können Gottes Leben nicht teilen. Seht, ich sage euch eine besondere Botschaft Gottes: Nicht alle werden sterben, aber alle werden verwandelt werden, plötzlich, in einem Augenblick, bei der letzten Posaune. Sie wird nämlich ertönen, und die Toten werden aufstehen als Lebendige, und wir werden verwandelt. Diese Vergänglichen sollen die Lebendigkeit anziehen wie ein Kleid, und diese zerstörbaren Menschen sollen das Ende der Macht des Todes erfahren. Wenn das Vergängliche Unvergänglichkeit anzieht und das Sterbliche die Unsterblichkeit, dann wird das Wort wahr, das in der Schrift steht: "Der Tod ist vom Sieg verschlungen. Wo ist dein Sieg, Tod? Wo ist deine Geißel, Tod?" Die Geißel des Todes ist die Sünde, und die Sünde bedient sich zu ihrer Herrschaft des Wortes Gottes. Wir danken Gott für die Freundlichkeit, die uns den Sieg über den Tod schenkt durch den, der uns lebendig macht, Jesus, der Messias. Deshalb, meine geliebten Geschwister, steht auf festem Boden, werdet nicht unsicher, denn euer ganzes Leben lang könnt ihr überreich werden, weil ihr Christi Werk tut. Ihr wisst ja, dass eure Anstrengung nicht vergeblich ist, weil Christus euch trägt. (Übersetzung Luise Schottroff )
Was kommt nach dem Tod? Wie sieht sie aus, die Auferstehung? Diese
Frage bewegte die Korintherinnen und Korinther, und uns in mancher
stillen Stunde wohl auch. Die bunten mittelalterlichen Bilder eines
Paradieses, mit himmlischen Wesen und immerwährenden Freuden, die
haben wir sicher nicht mehr. Aber vielleicht hat mancher von uns ganz
verborgen in sich doch das Bild der Auferstehung des irdischen Leibes
in einer paradiesähnlichen Welt, Was kommt nach dem Tod? Zu unseren
Kindern sagen wir: Wer gestorben ist, kommt in den Himmel. Manchmal
bringen wir noch über die Lippen: ganz nah zu Gott.
Was kommt nach dem Tod? Kommt etwas nach dem Tod? Der Tod wirft mehr
Fragen auf, als dass es Antworten gibt. Das kann den Mund
verschließen. Und deshalb finde ich es so befreiend, das Paulus hier
offen spricht über den Tod und seine Macht, und das Ende dieser Macht,
und ich finde befreiend, dass dabei manches offen bleiben kann. Was
feststeht? Wir werden verwandelt werden. Wir vergänglichen Menschen
werden die Lebendigkeit anziehen, werden mit dem Leben selbst
überkleidet. Denn so, wie wir sind, sind wir noch nicht für die
Ewigkeit geschaffen.
Unverweslichkeit, Unsterblichkeit das ist Gottes Geschenk an uns,
Gottes Freundlichkeit, der uns genauso wenig im Tod lässt wie seinen
Sohn Jesus Christus. Gottes Freundlichkeit was für ein wunderbarer
Ausdruck. Er erinnert mich an die Freundlichkeit Jesu zu Zachäus dem
Zöllner, er erinnert mich an die Freundlichkeit des Auferstandenen zu
Maria, die ihn nicht erkennt: Frau, warum weinst du? Und dann sagt er
ihren Namen, Maria: mit aller Freundlichkeit Gottes. Wenn Gott
dereinst am Jüngsten Tag mit solcher Freundlichkeit zu mir spricht, zu
Ihnen, zu Ihnen und zu Ihnen, wenn er dann sagt: Du bist verwandelt
ja, dann wird das Wort wahr, von dem die Schrift sagt: Der Tod ist vom
Sieg verschlungen! Dann kann für uns auch offen bleiben, was offen
bleiben muss bis zum jüngsten Tag: wie wir uns die Auferstehung
vorstellen können wenn der freundliche Gott uns auferweckt. Am Schluss
des Abschnittes, liebe Gemeinde, schreibt Paulus: Steht auf festem
Boden, tut Christi Werk, weil Christus euch trägt. Der Glaube an die
eigene Auferstehung, der für uns Christinnen und Christen an Ostern
und die Auferstehung Jesu gebunden ist, dieser Osterglaube hat etwas
mit unserem Leben hier und jetzt zu tun.
Gott will seine Freundlichkeit schon jetzt für uns¬also sage ich:
Seien Sie freundlich heute und diese Woche: Seien Sie freundlich zu sich selbst, mit allem, was ihnen gut tut, und seien Sie freundlich zu den Menschen, die Ihnen begegnen.
Seien Sie freundlich zur Natur, auch wenn die noch nicht so will
wie wir gern hätten, seien Sie freundlich zu Ihren Kindern, seien Sie
freundlich zu Ihren Eltern: das ist Christi Werk.
Liebe Gemeinde, nach Ostern hören die Fragen nicht auf Das ist und
bleibt sicher so. Aber nach Ostern können wir manche Fragen, die
bleiben, besser aushalten. Und hoffentlich haben wir Hoffnung
gewonnen, Hoffnung, die über alles Fragen hinweg trägt, die uns hilft,
irnmer wieder aufzustehen zum Leben, jetzt. Und Vertrauen, das sich
traut, zu glauben über den Tod hinaus, zu glauben an die
Freundlichkeit Gottes. Amen
© Ev. Kirche Bad Lippspringe 11.07.06