
Alle Menschen werden auferstehen
Predigt Osternacht, 16. April 2006
Pfarrer Detlev Schuchardt, Bad Lippspringe
IV. Reihe: 1.Thessalonicher 4,13-14
Entstanden beim letzten Blockunterricht der Konfirmanden-Gruppe,
die im nächsten Jahr erst konfirmiert wird. Das Thema ist Kreuz und
Auferstehung. Unten die Steine, einer vielleicht der Stein, der vor
dem Grab Jesu lag und weggewälzt wurde, die anderen für die Steine im
eigenen Leben, ein Kreuz aus allem möglichen Stoffen, das, was man so
trägt oder getragen hat, dann die Vögel, die zum Himmel fliegen,
Zeichen für das Leben, das weitergeht, dass es auch nach dem Tod
aufwärts geht .. Ein Thema für Jugendliche? Ich meine ja. Auch
Jugendliche kennen den Tod und die Traurigkeit, wenn man einen lieben
Menschen, der bisher mit einem das Leben geteilt hat, durch den Tod
verliert. Und auch Jugendliche haben ein Recht zu erfahren, was denn
Christen über den Tod hinaus glauben, hoffen und erwarten.
Ich lese vom Apostel Paulus aus dem 1.ThessalonicherBrief 4,13-14:
„Wir wollen euch nicht im Ungewissen lassen über die, die entschlafen sind, damit ihr nicht traurig seid wie die andern, die keine Hoffnung haben. Denn wenn wir glauben, dass Jesus gestorben und auferstanden ist, so wird Gott auch die, die entschlafen sind, durch Jesus mit ihm einher führen.“
Ein Kreuz aus Kleidung. Vergänglich wie die Mode ist das Leben.
Fetzen von ehemals teuren und guten Sachen. Der Stoff aus dem das
Leben sein sollte, ist vergänglich, „altern wie Gewänder,“ wie es in
einem Kirchenlied von Jochen Klepper heißt. Die letzte Bethel-Sammlung
fällt mir ein, unter Tränen haben mir manche Menschen Säcke mit
abgelegter Kleidung in die Garage gestellt. „Wir haben den
Kleiderschrank von Mutter jetzt endlich leer geräumt.“ „Gehen Sie gut
mit den Sachen meines verstorbenen Mannes um, sie sind teuer gewesen.“
Was bleibt von einem Menschen?
Ich denke an manche Situation an einem Grab und an das brennendes
Gefühl im Herzen: „Das kann nicht alles sein. Da muss noch etwas
kommen.“ Die Vögel, die zum Himmel aufsteigen, das sind nicht die
unsterblichen Seelen, die sowieso automatisch weiterleben. Der Tod ist
schlimm und hart. Und der ganze Mensch stirbt. Und mit ihm ein Stück
von uns selbst. Machen wir uns da gar nichts vor. Die aufsteigenden
Vögel sind vielmehr Gottes neue, machtvolle Tat. Ich denke hier
besonders an die Taufe. Bei der Taufe Jesu kam eine Taube von Himmel.
Gott adoptiert Jesus als seinen Sohn. Durch die Taufe haben wir Anteil
an Jesu Tod und Auferstehung. Und Gott wäre nicht Gott, wenn er die
Ungetauften nicht auch annehmen und lieben würde.
Das ist keine Magie. Das ist keine Vertröstung. Paulus will uns nicht
im Unklaren lassen. Er wagt sich weit hinaus mit seiner Äußerung:
„Denn wenn wir glauben, dass Jesus gestorben und auferstanden ist, so
wird Gott auch die, die entschlafen sind, durch Jesus mit ihm einher
führen.“ Paulus geht weiter als mancher Theologieprofessor und
Kirchenfürst. Aber er weiß: nichts ist unglaubwürdiger, als einem
Menschen, der um Stellungnahme bittet, fleht, der traurig ist und nach
Antwort sucht, abzuspeisen mit allgemeinen Weisheiten und glatten,
aber unverbindlichen Lehrformeln. Hier müssen wir Christen Stellung
beziehen. Auch wenn ein Mensch in seiner Trauer uns nicht folgen will
oder kann.
Ich bin es dem Mädchen, dem Jungen, schuldig zu sagen, wo der
verstorbene Vater, der kleine Bruder, die Großmutter, wer auch immer,
jetzt ist, nachdem der Tod so brutal zugeschlagen hat. Woran glaubst
du? Worauf hoffst du? Was ist DEINE Überzeugung?
Denn wenn wir glauben, dass Jesus gestorben und auferstanden ist, so
wird Gott auch die, die entschlafen sind, durch Jesus mit ihm einher
führen.“
Und dann sehe ich dies Bild: Christi Auferstehung ist keine
egoistische, einmalige Tat. Alle Menschen werden auferstehen. Und
nicht zum Gericht oder zum Fegefeuer, sondern zum ewigen, zum neuen,
zum leidlosen und friedvollen Leben. Das ist der Kern des christlichen
Glaubens. Nicht weniger. Auch nicht mehr: denn wie dieses Leben
aussehen wird, entzieht sich unserer Vorstellungskraft.
Paulus macht es vor: Als Christen sollen wir diesen Glauben
hochhalten, den Traurigen als großes, tröstendes Bild vor Augen malen.
Die Steine auf unseren Herzen verwandeln sich durch das Kreuz Christi
zu Vögeln der Hoffnung, die zum Himmel fliegen. Diese Botschaft
verändert schon jetzt das Leben. Lässt Lasten loswerden und neuen
Lebensmut fassen. Die alten Kleidungsstücke des geliebten Menschen
hergeben, vielleicht, weil sie für anderen noch einen Sinn erfüllen,
kann das Herz freimachen für das Neue. Da, wo die Verstorbenen sind,
braucht es keine modischen Kleider. Da kleidet uns Christus selbst
ein. Und das Kleid strahlt und wärmt, und macht unendlich froh. Warum?
„Christus ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden.“
Amen
© Ev. Kirche Bad Lippspringe 17.04.06