
Der Dreieinige Gott
Gottesdienst am Trinitatisfest, 11. Juni 2006
Lektorenkreis Ev. Kirche Bad Lippspringe: Pfr. D. Schuchardt, H. u. G. Knoblauch, E. Glatzer, G. Stange, J. Peters
VORBEREITUNGSGEBET
Wir kommen zu dir, Gott, aus all unserer Unruhe,
mit so vielen Gedanken, die wir uns machen
über das Leben und unsere Welt.
Wir kommen zu dir mit unseren Sorgen und Ängsten,
mit Sehnsucht und Hoffnung.
Hier ist ein Ort der Stille.
Hier sind Menschen vor uns getröstet und ermutigt worden.
So finden auch wir uns ein,
legen ab, was uns Unruhe macht und auf uns lastet.
Hier dürfen wir aufatmen
und darauf vertrauen, dass du, Gott, nahe bist.
Wir bitten:
Herr, erbarme dich.
TAGESGEBET
Lasst uns beten:
Herr, wir feiern Gottesdienst.
Nimm diese Stunde heraus aus der Selbstverständlichkeit und Routine.
Zeige uns das Besondere, dass du redest, dass du uns meinst.
Und wenn du in deinem Wort den Weg zu uns gehst, dann mach uns bereit,
den Weg zu anderen zu finden.
Wir danken dir für diesen Tag, der schön zu werden scheint – schön,
wie wir es meinen. Lass uns das Licht und die Wärme der Sonne
zeichenhaft sein für das Licht und die Wärme, die du schenkst.
Durch Jesus Christus, deinen Sohn, der mit dir im Heiligen Geist lebt
und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.
PREDIGT
Prof. Dr. Harald Knoblauch
Der Skeptiker:
Natürlich
bin ich Christ oder zumindest christlich orientiert.
Aber wissen, Sie, diese alten Geschichten in der Bibel, z.B. dass
Jesus Gottes Sohn sein soll, das ist doch in unserer modernen Zeit
einfach nicht glaubhaft.
Ja, Weihnachten, das ist doch anheimelnd schön, besonders für Kinder,
aber Ostern, nein, da gehen wir lieben Ostereier suchen, das ist doch
was ganz anders.
Und dann die erwachende Natur im Frühling, noch schöner zu Pfingsten.
Übrigens,
wenn ich Gott danken will, dann gehe ich in den grünen Wald. Dort, in
seiner Schöpfung, fühle ich mich ihm an nächsten.
Heiliger Geist? Was soll das denn! Damit kann ich am allerwenigsten
anfangen. Ich halte es lieber mit geistigen Getränken.
Was heißt "Person"?
Im
antiken Theater banden sich die Schauspieler eine Maske vors Gesicht,
durch die sie hindurch sprachen: „per sona“. Daraus entwickelte sich
das Wort Person, ursprünglich war damit die Rolle gemeint, die der
Schauspieler jeweils verkörperte, inzwischen meint man damit den
einzelnen Menschen.
Wenn nun die Kirche von den drei Seinsweisen Gottes spricht, so meint
sie, dass Gott in der jeweiligen Gestalt – Vater, Sohn oder Heiliger
Geist – doch immer noch ein und derselbe Gott ist, der zu uns (nach
Karl Barth) als Schöpfer, als Erhalter oder als Erlöser spricht.
Was heißt dreieinig"?



Den dreieinigen Gott, wie soll ich den erklären?
Gott ist ohnehin nicht erklärbar, für uns Menschen unfassbar, jenseits
aller Vorstellungskraft.
Es ist wie mit einer Figur: ob von vorn, von der Seite oder von
hinten: jedes Mal bietet sich mir ein anderer Anblick, obwohl ich doch
die gleiche Gestalt betrachte. Vater, Sohn und Heiliger Geist: dreimal
ein anderes Bild, aber dennoch der gleiche liebevolle Gott.
Eine andere Erklärung
Wie
ist das mit der Dreifaltigkeit? Stellen Sie sich vor: Sie sitzen im
Auto und fahren durch eine wunderschöne Landschaft. Die Straße ist mal
schnurgerade, mal sanft gewunden, je nachdem. Doch plötzlich tut sich
vor Ihnen eine tiefe Schlucht auf, ein unüberwindlicher Abgrund. Zum
Glück führt eine Brücke darüber, eine Brücke, die auf drei Pfeilern
ruht. Der erste Pfeiler spricht: Ich Gott, der Vater, der dich
geschaffen habe, biete Dir deinen Halt. Du kannst mir getrost
vertrauen.
Der zweite Pfeiler spricht. Ich; Jesus Christus, Gottes Sohn, der ich
für Dich in den Tod gegangen und wieder auferstanden bin, ich will
Dich tragen, Dich auffangen, Dich wieder aufrichten.
Und der dritte Pfeiler spricht. Ich; Gott, der Heilige Geist, ich will
immer bei Dir sein, Dich führen und leiten. Keine Macht der Welt
sollst Du fortan fürchten, vor keiner Gewalt, und sei sie noch so
drohend oder verführerisch, brauchst Du Dich zu beugen. Komm mit, bei
mir ist die Zukunft, das Leben, die Ewigkeit.
Der Heilige Geist gibt es den heute noch?
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Ja,
ich bin felsenfest davon überzeugt. Natürlich kann man ihn nicht
direkt sehen, aber vielleicht mittelbar erleben.
Da strömten am 9.Oktober 1989 Zehntausende nach dem Friedensgebet in
der Nikolaikirche auf dem Karl-Marx-Platz in Leipzig zusammen. Vor
ihnen die Staatsmacht: Volkspolizei, Volksarmee, Betriebskampfgruppen,
schwer bewaffnet.
Auf der anderer Seite das Volk, mit Blumen und Kerzen in den Händen.
Wie viele mögen vor Angst gezittert haben, aber mit dem Rufen: „Keine
Gewalt“, „Wir sind das Volk“ und mit der Suche nach dem persönlichen
Gespräch wiesen sie die nackte Gewalt in ihre Schranken.
Am
Anfang saßen ein Dutzend Menschen in Dresden beisammen, beseelt von
dem Gedanken: die Frauenkirche soll wiedererstehen. Daraus entwickelte
sich eine Lawine an Hilfe und Hilfsbereitschaft, mit Geld, mit
praktischer Arbeit, mit Ingenieurwissen.
Wussten Sie, dass auf der Baustelle Frauenkirche jeden Morgen vor
Arbeitsbeginn gebetete wurde? Vom ersten bis zum letzen Handschlag hat
es keinen tödlichen Unfall gegeben. Erinnern Sie sich noch an die
Einweihungsfeier mit der vollen Kirche und den vielen tausend Menschen
auf dem Platz davor – einmütig im Geist?
FÜRBITTGEBET
Herr, unser Gott, wir bitten dich um deinen Geist,
der uns stark macht im Glauben, fröhlich und geduldig,
der uns mit Hoffnung erfüllt und unsere Phantasie beflügelt.
Wir bitten dich, Gott, um den Geist der Kräftigung
für alle, die deinen Geist empfangen haben,
für alle, die in deinem Geist leben.
Komm, Heiliger Geist.
Wir bitten dich, Gott, um den Geist des Friedens für alle, denen Macht
wichtiger ist als Leben,
für alle, die unter Gewalt und Krieg leiden.
Komm, Heiliger Geist.
Wir bitten dich, Gott, um den Geist des Mutes
für alle, denen es an Courage fehlt,
für alle, die Angst haben aufzufallen.
Wir bitten dich, Gott, um den Geist der guten Einfälle
für alle, die auf ihre Fragen keine Antworten finden,
für alle, die verlernt haben zu träumen.
Komm, Heiliger Geist.
© Ev. Kirche Bad Lippspringe 12.06.06