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Evangelische Kirche Bad Lippspringe

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Predigten und Andachten

 

Kein Eiapopeia vom Himmel

Predigt zum Sonntag Quasimodogeniti, 18. April 2004

Pfarrerin Antje Lütkemeier, Bad Lippspringe

Predigt zu 1. Petrus 1, 3-9 (II. Reihe)

Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten, zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das aufbewahrt wird im Himmel für euch, die ihr aus Gottes Macht durch den Glauben bewahrt werdet zur Seligkeit, die bereit ist, daß sie offenbar werde zu der letzten Zeit. Dann werdet ihr euch freuen, die ihr jetzt eine kleine Zeit, wenn es sein soll, traurig seid in mancherlei Anfechtungen, damit euer Glaube als echt und viel kostbarer befunden werde als das vergängliche Gold, das durchs Feuer geläutert wird, zu Lob, Preis und Ehre, wenn offenbart wird Jesus Christus. Ihn habt ihr nicht gesehen und habt ihn doch lieb; und nun glaubt ihr an ihn, obwohl ihr ihn nicht seht; ihr werdet euch aber freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude, wenn ihr das Ziel eures Glaubens erlangt, nämlich der Seelen Seligkeit.
1. Petr 1, 3-9 Lutherbibel 1984 © 1985 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
 

Wie hätten wir wohl reagiert, liebe Gemeinde, wären wir eben nicht die Gemeinde in Bad Lippspringe im Jahr 2004, sondern eine von Paulus gegründete Gemeinde, irgendwo in Kleinasien irgendwann zwischen 70-100 n. Chr.

Ein Lehrer, der sich in der Nachfolge und Autorität des Petrus versteht, schreibt uns vom Dank und Lobpreis. Der Grund zum Danken und Loben, nämlich die Auferstehung Jesu Christi von den Toten, ist auch der Grund für Trost und Hoffnung.

Aber trifft er damit unsere Lebenswirklichkeit? Kann er uns in unserem Alltag erreichen? Oder sitzt er irgendwo weit weg in Rom und erreicht mit seinen theologisch korrekten Lehrphrasen vielleicht unsere Köpfe, aber nicht unsere Herzen?!

Christen sollen sich im Glauben bewähren, denn nach dem Leiden der Zeit erwartet sie die Auferstehung und das Offenbarwerden Jesu Christi.
Aber wie sieht das Leben, wie sieht der Alltag denn eigentlich aus? Es ist nicht einfach, wirklich Christ zu sein, sich zur Gemeinde zu halten im ersten Jahrhundert. Die Leitkultur ist eine andere. Bestenfalls wird man mißtrauisch beäugt und für spinnert gehalten, schlimmstenfalls kommt es zu offener Feindseligkeit und Verfolgung.

Wer nicht mitmacht, was alle machen, steht außen vor. Wer nicht den alten Göttern opfert, den Machthaber als gottgleich verehrt, und den alten Bräuchen folgt, der gilt als verdächtig, sogar gefährlich.

Es ist nicht einfach, in dieser Welt zu leben und nicht ganz dazu zu gehören.

Wie schnell höre ich da den Trost des Petrusbriefes: Keine Sorge, wer hier, in dieser Welt viel leidet, der wird seinen Lohn in der nächsten Welt schon erhalten. Haltet aus, muckt nicht auf, kämpft nicht gegen das Unrecht an. Hier ist nichts zu ändern. Unser Lohn ist bei Gott.

Oder ich höre die Lebensverneinung des Briefes, eine vermeintlich christliche Haltung, die Leben auf die Zeit nach dem Tod vertagt und so wunderbar dazu taugt, unterdrückte und ausgebeutete Menschen ruhig zu stellen.

Also brav Gott loben und ansonsten den Mund halten?

Ostern ist vorbei, lange vorbei und Menschen leiden und sterben wie zuvor. Tod herrscht und Unheil. Nichts hat sich zum Besseren gewendet. Wundert es, wenn sich in den Gemeinden ähnliche Zweifel bemerkbar machen, wie sie heute auch unter uns vorkommen?

Was wussten denn die ersten Christen von der Auferstehung Jesu und dem Anbruch einer neuen Welt? Mehr als wir? Nein, auch sie hatten keine ursprünglichen Erfahrungen, keine authentische Begegnung mit dem Auferstandenen, keine visionären Erlebnisse. Sie waren nicht dabei, als Jesus durch Galiläa und nach Jerusalem hinaufzog. Sie merkten nicht, dass die Welt gerechter, besser, schöner, friedlicher geworden wäre. Im Gegenteil. Sie sind verunsichert angesichts der herrschenden Verhältnisse: überall Gewalt, Elend, Verfolgung. Und keine Anzeichen für einen neuen Himmel und eine neue Erde. Deshalb droht ihr Glaube in eine Krise zu geraten. Die Christen erfahren ihren Glauben als anfällig und schwach, er erweist sich als zaghaft und klein.

Zu diesen Menschen redet der Petrusbrief und er „singt kein Eiapopeia vom Himmel, nicht das Lied der Anpassung, sondern ein Kampflied“, so hat das mal jemand ausgedrückt.

Er erinnert an den Grund für das Gotteslob, die Auferstehung aus Tod, Ausweglosigkeit, Verzweiflung. Und er erinnert an die Taufe.

Durch die Taufe werden die Christen "wie eben Geborene" - quasi modo geniti - der Name des heutigen Sonntags. Neugeboren, wiedergeboren aus dem Wasser und dem Geist, verändert und verwandelt durch den Glauben an Jesus Christus. Ein Herrschaftswechsel hat stattgefunden. Nicht mehr nur Bürger dieser Welt. Als Bürger von Gottes Reich bekennen wir uns zu Jesus Christus, unserm Herrn. Wir glauben, dass der Tod nicht mehr das letzte Wort hat. Wir vertrauen darauf, dass Jesus Christus von den Toten auferstanden ist.

Wie eben Geborene, so sind wir durch die Taufe immer wieder. Wie eben Geborene haben wir die Resignation noch nicht gelernt. Den Rückzug in die alten Strukturen, weil Neues ja nicht möglich ist, kennen wir noch nicht. Wie Neugeborene können wir uns nicht hinter dem „Das war schon immer so“ verstecken, sondern auf Gottes Wirken in dieser Welt und auf seine Zukunft hoffen. Zurecht hoffen. Gott sei Lob und Dank. Amen.

Und der Geist Gottes, der größer ist als unsere Vorstellungskraft, sei uns Stärke und Hilfe zu allem Guten und bewahre uns in Gottes Liebe. Amen.

(unter Einbeziehung einer Vorlage von Hanna Hirschberger in „Werkstatt für Liturgie und Predigt“)