Evangelische Kirche Bad Lippspringe

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Predigten und Andachten

 

Kein Zeichen und kein Beweis?

Predigt zum Sonntag Reminiscere, 20. Februar 2005

Pfarrerin Kerstin Heibrock, Kurseelsorgerin in Bad Lippspringe

III. Reihe: Matthäus 12, 38-42

Da fingen einige von den Schriftgelehrten und Pharisäern an und sprachen zu ihm: Meister, wir möchten gern ein Zeichen von dir sehen. Und er antwortete und sprach zu ihnen: Ein böses und abtrünniges Geschlecht fordert ein Zeichen, aber es wird ihm kein Zeichen gegeben werden, es sei denn das Zeichen des Propheten Jona. Denn wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches war, so wird der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Schoß der Erde sein. Die Leute von Ninive werden auftreten beim Jüngsten Gericht mit diesem Geschlecht und werden es verdammen; denn sie taten Buße nach der Predigt des Jona. Und siehe, hier ist mehr als Jona. Die Königin vom Süden wird auftreten beim Jüngsten Gericht mit diesem Geschlecht und wird es verdammen; denn sie kam vom Ende der Erde, um Salomos Weisheit zu hören. Und siehe, hier ist mehr als Salomo.

Liebe Gemeinde,

ich möchte mit Ihnen heute morgen als erstes ein Stück im Jahr zurückgehen. Ich möchte aus der Passionszeit zurückgehen bis Weihnachten, genauer gesagt bis zur Weihnachtsgeschichte. Mit ihren von Luther geprägten Formulierungen und Sätzen ist sie uns allen vertraut und ans Herz gewachsen.
Lassen Sie uns anhalten bei den Hirten auf dem Feld. Der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht. Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, der Herr in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen“. Und die Hirten gehen und finden alles so: Maria, Josef und das Kind in den Windeln in der Krippe- das Zeichen für die Wahrheit der Engelbotschaft, ein Zeichen Gottes für seinen Sohn.

Um Zeichen geht es heute, auch im Mt-Evangelium für den heutigen Sonntag. „Die Zeichenforderung der Pharisäer“, so lautet die Überschrift in der Lutherbibel. Und schon ahnen wir, dass sich dahinter nichts Gutes verbergen kann.
Ich lese aus Mt 12:
Da fingen einige von den Schriftgelehrten und Pharisäern an und sprachen zu ihm: Meister, wir möchten gern ein Zeichen von dir sehen.
Und er antwortete und sprach zu ihnen: Ein böses und abtrünniges Geschlecht fordert ein Zeichen, aber es wird ihm kein Zeichen gegeben werden, es sei denn das Zeichen des Propheten Jona.
Denn wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches war, so wird der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Schoß der Erde sein

Hier fragen Menschen nach Zeichen- und sie werden von Jesus zurückgewiesen. Hier fragen Menschen nach Zeichen- das ist doch ganz menschlich.
Ich möchte die Pharisäer und Schriftgelehrten gerne verteidigen. Ihnen lag, anders als wir oft meinen, das Wort Gottes und seine Befolgung wirklich am Herzen. Und wenn dann jemand kam und von Gott erzählte, wie sie es nicht gewohnt waren, dann sollte dieser Mensch ein Zeichen geben, ein Zeichen für seine Legitimation, einen Beweis sozusagen. Denn „Gottgesandte“ und Wanderprediger gab es damals reichlich. Und die Ernsthaftigkeit der Schriftgelehrten, Gottes Wort nicht in die Beliebigkeit zu stellen, sollten wir heute anerkennen. Denn wir stehen nicht, wie Matthäus, der uns diese Geschichte überliefert, in einer harten Auseinandersetzung mit den Schriftgelehrten seiner Zeit.
Und doch erteilt Jesus der Frage nach Zeichen eine schroffe Abfuhr. Ein Zeichen wird es nicht geben.
Aber dann wird es interessant. Es gibt nämlich doch ein Zeichen: das Zeichen des Propheten Jona. „Denn wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches war, so wird der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Schoss der Erde sein.“.
Wie merkwürdig: Erst kein Zeichen, und dann doch wieder? Das Zeichen des Jona- von Gott gerettet im Bauch des Fisches zur Rettung der Menschen in Ninive. Der Menschensohn- Jesus selbst- drei Tage im Schoß der Erde und dann, von Gott gerettet, zur Rettung aller Menschen. Aber was sollten die Pharisäer mit einem Zeichen anfangen, das für sie noch in der Zukunft lag? Und vor allem:
Was sollten sie mit einem Zeichen anfangen, das sich Menschen nur im Glauben erschließt?
Denn: Im Zeichen,das Jesus hier nennt, liegt ja eine Vorahnung von Ostern. So wurde dieses Zeichen von Christinnen und Christen, die diese Worte hörten, schon immer und bis heute verstanden. Wir verstehen dieses Zeichen.
Also dann doch: Es gibt ein Zeichen. Es ist eindeutig für den, der glaubt. Aber es ist kaum ein Zeichen, geschweige denn ein Beweis für den, der nicht glaubt.
Denn, liebe Gemeinde, was sind überhaupt „Zeichen“?
Zeichen sind mehrdeutig. Zeichen müssen von Menschen gedeutet werden:
- Wenn ich nicht deuten kann, was das rote Schild mit dem weißen Balken bedeutet, dann werde ich verkehrt herum in eine Einbahnstraße fahren.
-Wenn ich nicht weiß, dass in einigen Kulturen unser verneinendes Kopfschütteln ein Ja bedeutet, dann bin ich dort ziemlich hilflos.
Und für die Harry -Potter- Leser unter uns: Was bedeutet denn das Zeichen auf Harrys Stirn: Beschützt es ihn vor Lord Voldemort, oder ist es ein Zeichen dafür, dass er ihm eines Tages unterliegen wird?

Zeichen müssen von Menschen gedeutet werden.
Und das, liebe Gemeinde, geht bei Jesus und seinen Zeichen nur im Glauben und mit Glauben, mit Vertrauen und im Vertrauen auf Gott. Im Vertrauen darauf, dass er als Zeichen seiner Liebe sich selbst in Jesus an unsere Seite gestellt hat.
Im Glauben erfassen wir, dass Jesu Heilungen keine medizinischen Wunder sind, sondern ein Zeichen für Gottes kommendes Reich, in dem alles Leid ein Ende hat.
Im Glauben sehen wir, dass bei der Speisung der 5000 mehr geschieht, als dass Menschen für einen Moment satt gemacht werden. Unser Glaube sieht das Zeichen, das uns zum Teilen auffordert und uns in Gottes Reich genug für alle Menschen verspricht.
Und noch mehr:
Jeder und jede von uns sucht ja auch heute nach Zeichen Gottes in seinem Leben, nach Zeichen von Bewahrung und Rettung, nach Zeichen von Gottes Liebe.
Wir suchen diese Zeichen im Vertrauen darauf, dass wir sie finden können, nicht als Beweise, sondern zu Trost und Stärkung, zum Wachsen und Blühen von Mut und Phantasie, von Kraft und Halt im Leben.
Wir Menschen brauchen Zeichen- unser Glaube braucht sie, aber er allein lässt sie uns auch finden und deuten. Wo haben Sie diese Zeichen gesucht und gefunden, in Ihrem Leben? Welche Zeichen Gottes hat Ihr Glaube gefunden, welche Zeichen haben Ihren Glauben gestärkt? ...Das ist eine Frage für ein ganzes Christenleben....

Und so komme ich wieder am Anfang an, liebe Gemeinde.
Die Botschaft der Engel in der Weihnachtsgeschichte lautet: Siehe, ich verkündige euch große Freude. Euch ist heute der Heiland geboren. Und dann, als Zeichen, ein Kind in Windeln gewickelt.
Was wäre denn das für ein Zeichen, wenn wir der Engelbotschaft nicht schon vertrauen würden? Was wäre ein neugeborenes Kind für ein Zeichen, wenn die Hirten nicht schon vorher losgegangen wären, im Vertrauen auf Gottes Botschaft durch seine Engel?
Der Glaube steht vor allen Zeichen- damals und heute. Zeichen können erinnern und vergewissern. Sie können Glauben stärken. Nicht mehr- aber auch nicht weniger.

Für die Menschen aber, die auf der Suche nach Glauben nach Beweisen fragen, kann ich nur sagen: Für diese Menschen müssen wir die Zeichen sein, müssen ihnen Zeichen der Zuwendung Gottes geben, müssen sie in Liebe ansehen und sagen: So sieht Gott euch an. Kein Beweis, sicher, aber alles, was wir tun können: selber Zeichen geben. Alles andere liegt in Gottes Hand. Amen