III. Reihe: Matthäus 12, 38-42
Da fingen einige von den Schriftgelehrten und Pharisäern an und sprachen zu ihm: Meister, wir möchten gern ein Zeichen von dir sehen. Und er antwortete und sprach zu ihnen: Ein böses und abtrünniges Geschlecht fordert ein Zeichen, aber es wird ihm kein Zeichen gegeben werden, es sei denn das Zeichen des Propheten Jona. Denn wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches war, so wird der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Schoß der Erde sein. Die Leute von Ninive werden auftreten beim Jüngsten Gericht mit diesem Geschlecht und werden es verdammen; denn sie taten Buße nach der Predigt des Jona. Und siehe, hier ist mehr als Jona. Die Königin vom Süden wird auftreten beim Jüngsten Gericht mit diesem Geschlecht und wird es verdammen; denn sie kam vom Ende der Erde, um Salomos Weisheit zu hören. Und siehe, hier ist mehr als Salomo.
Liebe Gemeinde,
ich möchte mit Ihnen heute morgen als erstes ein Stück im Jahr zurückgehen.
Ich möchte aus der Passionszeit zurückgehen bis Weihnachten, genauer gesagt
bis zur Weihnachtsgeschichte. Mit ihren von Luther geprägten Formulierungen
und Sätzen ist sie uns allen vertraut und ans Herz gewachsen.
Lassen Sie uns anhalten bei den Hirten auf dem Feld. Der Engel sprach zu
ihnen: Fürchtet euch nicht. Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem
Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, der Herr in
der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in
Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen“. Und die Hirten gehen und finden
alles so: Maria, Josef und das Kind in den Windeln in der Krippe- das Zeichen
für die Wahrheit der Engelbotschaft, ein Zeichen Gottes für seinen Sohn.
Um Zeichen geht es heute, auch im Mt-Evangelium für den heutigen Sonntag. „Die
Zeichenforderung der Pharisäer“, so lautet die Überschrift in der Lutherbibel.
Und schon ahnen wir, dass sich dahinter nichts Gutes verbergen kann.
Ich lese aus Mt 12:
Da fingen einige von den Schriftgelehrten und Pharisäern an und sprachen zu
ihm: Meister, wir möchten gern ein Zeichen von dir sehen.
Und er antwortete und sprach zu ihnen: Ein böses und abtrünniges Geschlecht
fordert ein Zeichen, aber es wird ihm kein Zeichen gegeben werden, es sei denn
das Zeichen des Propheten Jona.
Denn wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches war, so wird der
Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Schoß der Erde sein
Hier fragen Menschen nach Zeichen- und sie werden von Jesus zurückgewiesen.
Hier fragen Menschen nach Zeichen- das ist doch ganz menschlich.
Ich möchte die Pharisäer und Schriftgelehrten gerne verteidigen. Ihnen lag,
anders als wir oft meinen, das Wort Gottes und seine Befolgung wirklich am
Herzen. Und wenn dann jemand kam und von Gott erzählte, wie sie es nicht
gewohnt waren, dann sollte dieser Mensch ein Zeichen geben, ein Zeichen für
seine Legitimation, einen Beweis sozusagen. Denn „Gottgesandte“ und
Wanderprediger gab es damals reichlich. Und die Ernsthaftigkeit der
Schriftgelehrten, Gottes Wort nicht in die Beliebigkeit zu stellen, sollten
wir heute anerkennen. Denn wir stehen nicht, wie Matthäus, der uns diese
Geschichte überliefert, in einer harten Auseinandersetzung mit den
Schriftgelehrten seiner Zeit.
Und doch erteilt Jesus der Frage nach Zeichen eine schroffe Abfuhr. Ein
Zeichen wird es nicht geben.
Aber dann wird es interessant. Es gibt nämlich doch ein Zeichen: das Zeichen
des Propheten Jona. „Denn wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des
Fisches war, so wird der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Schoss der
Erde sein.“.
Wie merkwürdig: Erst kein Zeichen, und dann doch wieder? Das Zeichen des Jona-
von Gott gerettet im Bauch des Fisches zur Rettung der Menschen in Ninive. Der
Menschensohn- Jesus selbst- drei Tage im Schoß der Erde und dann, von Gott
gerettet, zur Rettung aller Menschen. Aber was sollten die Pharisäer mit einem
Zeichen anfangen, das für sie noch in der Zukunft lag? Und vor allem:
Was sollten sie mit einem Zeichen anfangen, das sich Menschen nur im Glauben
erschließt?
Denn: Im Zeichen,das Jesus hier nennt, liegt ja eine Vorahnung von Ostern. So
wurde dieses Zeichen von Christinnen und Christen, die diese Worte hörten,
schon immer und bis heute verstanden. Wir verstehen dieses Zeichen.
Also dann doch: Es gibt ein Zeichen. Es ist eindeutig für den, der glaubt.
Aber es ist kaum ein Zeichen, geschweige denn ein Beweis für den, der nicht
glaubt.
Denn, liebe Gemeinde, was sind überhaupt „Zeichen“?
Zeichen sind mehrdeutig. Zeichen müssen von Menschen gedeutet werden:
- Wenn ich nicht deuten kann, was das rote Schild mit dem weißen Balken
bedeutet, dann werde ich verkehrt herum in eine Einbahnstraße fahren.
-Wenn ich nicht weiß, dass in einigen Kulturen unser verneinendes
Kopfschütteln ein Ja bedeutet, dann bin ich dort ziemlich hilflos.
Und für die Harry -Potter- Leser unter uns: Was bedeutet denn das Zeichen auf
Harrys Stirn: Beschützt es ihn vor Lord Voldemort, oder ist es ein Zeichen
dafür, dass er ihm eines Tages unterliegen wird?
Zeichen müssen von Menschen gedeutet werden.
Und das, liebe Gemeinde, geht bei Jesus und seinen Zeichen nur im Glauben und
mit Glauben, mit Vertrauen und im Vertrauen auf Gott. Im Vertrauen darauf,
dass er als Zeichen seiner Liebe sich selbst in Jesus an unsere Seite gestellt
hat.
Im Glauben erfassen wir, dass Jesu Heilungen keine medizinischen Wunder sind,
sondern ein Zeichen für Gottes kommendes Reich, in dem alles Leid ein Ende
hat.
Im Glauben sehen wir, dass bei der Speisung der 5000 mehr geschieht, als dass
Menschen für einen Moment satt gemacht werden. Unser Glaube sieht das Zeichen,
das uns zum Teilen auffordert und uns in Gottes Reich genug für alle Menschen
verspricht.
Und noch mehr:
Jeder und jede von uns sucht ja auch heute nach Zeichen Gottes in seinem
Leben, nach Zeichen von Bewahrung und Rettung, nach Zeichen von Gottes Liebe.
Wir suchen diese Zeichen im Vertrauen darauf, dass wir sie finden können,
nicht als Beweise, sondern zu Trost und Stärkung, zum Wachsen und Blühen von
Mut und Phantasie, von Kraft und Halt im Leben.
Wir Menschen brauchen Zeichen- unser Glaube braucht sie, aber er allein lässt
sie uns auch finden und deuten. Wo haben Sie diese Zeichen gesucht und
gefunden, in Ihrem Leben? Welche Zeichen Gottes hat Ihr Glaube gefunden,
welche Zeichen haben Ihren Glauben gestärkt? ...Das ist eine Frage für ein
ganzes Christenleben....
Und so komme ich wieder am Anfang an, liebe Gemeinde.
Die Botschaft der Engel in der Weihnachtsgeschichte lautet: Siehe, ich
verkündige euch große Freude. Euch ist heute der Heiland geboren. Und dann,
als Zeichen, ein Kind in Windeln gewickelt.
Was wäre denn das für ein Zeichen, wenn wir der Engelbotschaft nicht schon
vertrauen würden? Was wäre ein neugeborenes Kind für ein Zeichen, wenn die
Hirten nicht schon vorher losgegangen wären, im Vertrauen auf Gottes Botschaft
durch seine Engel?
Der Glaube steht vor allen Zeichen- damals und heute. Zeichen können erinnern
und vergewissern. Sie können Glauben stärken. Nicht mehr- aber auch nicht
weniger.
Für die Menschen aber, die auf der Suche nach Glauben nach Beweisen fragen,
kann ich nur sagen: Für diese Menschen müssen wir die Zeichen sein, müssen
ihnen Zeichen der Zuwendung Gottes geben, müssen sie in Liebe ansehen und
sagen: So sieht Gott euch an. Kein Beweis, sicher, aber alles, was wir tun
können: selber Zeichen geben. Alles andere liegt in Gottes Hand. Amen