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Evangelische Kirche Bad Lippspringe

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Predigten und Andachten

 

Der Regenbogen

Predigt zum Sonntag Reminiszere, 7.3.2004

Pfarrer Detlev Schuchardt

II.Reihe: Römer 5, 1 - 5
 

Lieder: NB: 268, 1-3 717.1 366, 1-4 96, 1-3 351,1-3 258
BL: 268 W 366, 1-4 211 213 258

Friede sei mit euch und die Gnade Gottes in Jesus Christus, unserm Herrn. Amen.

Der Predigttext steht im Römer-Brief im 5.Kapitel. Der Apostel Paulus schreibt:

Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus; durch ihn haben wir auch den Zugang im Glauben zu dieser Gnade, in der wir stehen, und rühmen uns der Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit, die Gott geben wird.
Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch der Bedrängnisse, weil wir wissen, dass Bedrängnis Geduld bringt, Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung. Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den heiligen Geist, der uns gegeben ist.

Gott segne dein Wort an uns allen.

Liebe Schwestern und Brüder,

gerecht geworden sind wir aus Glauben, schon jetzt haben wir den Zugang zur Gnade, aber erst richtig wird unsere Hoffnung erfüllt in der Zukunft. Bis dahin geht es uns gar nicht so gut, aber wir sind stolz darauf, dass wir in Bedrängnis leben - und jetzt einer der berühmten paulinischen Kettenschlüsse: „Bedrängnis bringt Geduld, Geduld bringt Bewährung, Bewährung Hoffnung.“ Und schon sind wir wieder bei der Hoffnung auf eine bessere Zukunft, die uns aus den tagtäglichen Bedrängnissen heraushilft.

Oh Paulus, wie sind deine Worte so viel und so schwer! Manchmal nimmst du ein Bild aus der Schrift der Juden und stellst an diesem Bild dar, was du eigentlich damit meinst. Das macht mir Mut, es auch einmal so zu versuchen.

Da nehme ich das großartige Bild vom Regenbogen, mit dem Gott seinen Bund besiegelt, die Menschheit nie wieder so zu strafen wie mit dieser großen Sintflut, die nur Noah und die Tiere seine Arche überlebt haben. Noah ist so einer, der gerecht gewesen ist allein aus Glauben, weil es nichts hat, keine naturwissenschaftlichen Gründe, keine fundierten Experten- oder Berater-Meinungen wie sie immer die Politiker oder Politikerinnen einzuholen pflegen, er hatte nur Gottes Wort: „Es wird eine große Sintflut kommen“ aufgrund dessen er sich daran machte, eine Arche zu bauen. Damals lachten sie über ihn, er kam in Bedrängnis. Aber am Ende lachten sie nicht mehr über ihn - sie waren ja alle ertrunken.

Nun dieser Regenbogen: Er ist ein Zeichen für das Leben, was Gott will. Bedrängnis - Geduld - Bewährung - Hoffnung. Viel schöner, viel poetischer ist es, den Regenbogen zu besingen. Jürgen Rennert, der heute abend zwischen der Klezmer-Musik Texte aus dem Judentum vorlesen wird, er kann so etwas: den Regenbogen besingen. Und er ist schon heute hier im Gottesdienst. Er hat ein wunderschönes Büchlein getextet: „Noachs Kasten“. Und im letzten, dem 8.Kapitel hat er 4 Strophen dem Regenbogen gewidmet:


Jürgen Rennert, aus: Noachs Kasten, VIII.Kapitel:

Als die Flut sich ganz verzogen,
erfand Gott den Regenbogen,
um der Menschheit anzudeuten:
allen Farben, allen Leuten
gilt, dass stets das Sonnenlicht
durch den Flor der Trauer bricht.

Wenn im sanften, leisen Regnen
Licht und Wasser sich begegnen,
bricht der Kummer auf in allen
Farben, die uns gut gefallen,
und ein Trost durchföhnt das Herz
und verlockt es himmelwärts,

Das gibt Kraft, um hier auf Erden
blanken Auges Mensch zu werden
und nach Ordnungen zu streben,
wo nicht Leben gegen Leben
aufsteht und sich niedermacht.
So hat Gott bei sich gedacht.

Und dann hat er ausgesprochen:
„Ewig sei die Angst gebrochen,
ich will mich mit euch verbünden
gegen Unrecht, Dummheit, Sünden.
Und der Regenbogen zeige,
dass ich mich der Welt zuneige!“

Der Regenbogen - Zeichen der Bewahrung Gottes. Gottes letztes Wort: Sein Bund, seine kompromisslose, bedingslose Zuneigung zur Welt, so wie sie sind: nicht nur zu ein paar auserwählten, frommen Menschen, sondern zu allem - was Mensch ist oder es werden will, zu Tieren, Pflanzen, allem was leben will, aber so oft nicht kann.

Der Regenbogen malt an den Himmel: der Gerechte wird aus Glauben leben. „Das gibt Kraft, um hier auf Erden blanken Auges Mensch zu werden“ - Mensch zu werden, wie ein menschlicher Mensch zu denken, zu handeln, Fehler zu machen, zu fallen und wieder aufzustehen, eben aus dem bloßen Vergehen von Zeit „Leben“ zu erleben - das wird ein von Gott geliebter Mensch verstehen.

Der Regenbogen malt an den Himmel: aus Bedrängnis kann man lernen, nämlich die Geduld. Und die Geduld ist nicht Selbstzweck, nicht irgendsoeine Tugend, sondern aus ihr kann Bewährung und am Ende die Hoffnung wachsen. Noah ist das Beispiel dafür. Es war die Bedrängnis, einer Sintflut vorzubeugen, die ihn geduldig Holzsägen und einen schwimmenden Kasten, Arche genannt, zubauen. Es war unendliche Geduld nötig, in dem dichten Gedränge der Arche auf das Sinken des Wassers zu warten. Aber ohne Noahs bewährte Geduld hätte es keinen Regenbogen gegeben. Nicht dieses wunderschöne Zeichen der Bewahrung Gottes. Noah hätte nie erfahren, zu wieviel Geduld und Hoffnung er imstande sein würde, hätte es da nie diese Bedrängnis gegeben.

Verstehen wir ein bißchen von dem, was Paulus weitergeben möchte? „Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus“ „Frieden mit Gott“ - mit Frieden ist der große, allumfassende „Schalom“ Gottes, des Vates Abrahams, Isaaks und Jakobs gemeint. Nicht das bißchen Frieden in der eigenen kleinen Welt oder nur im eigenen kleinen Herzen. Der Schalom Gottes - dafür steht der Regenbogen Gottes: Gott hat Frieden gemacht mit all seiner ganzen Schöpfung. Ein unglaublicher neuer Bund. Und wir gehören dazu! Auch in uns steckt ein Noah, der - am besten mit anderen zusammen - an einem modernen Kasten mitzimmern kann, der Platz bieten für alles, was ein Recht hat zu Leben: Kinder, Frauen, Männer, Tiere, Pflanzen ... Auch in uns steckt ein Prophet Hosea, von dem wir in der morgen beginnenden Woche jeden Abend in den ökumenischen Bibelstunden ganz viel Spannendes hören werden: Hosea, der mit seiner ganze privaten Person Gottes Willen den Menschen nahebringen wollte ...

Wir haben Frieden mit Gott - wir können ihn uns nicht verdienen, erarbeiten. Wir Christen glauben, dass dieser Friede Geschenk Gottes ist, weil er durch diesen einen Menschen Jesus von Nazareth gewirkt hat. Aber es liegt auch an uns, ob wir dieses Geschenk nutzen oder nutzlos vergeuden. Von einem Noah, einem Hosea redete heute keiner mehr, wenn sie, wie all die anderen, in der Herde der Bedenkenträger und der immer auf Frohsinn ausgerichteten Sich-Gut-Gehen-Lassenden mitgelaufen wären. Wenn sie der Bedrängnis ausgewichen wären. Ihrer Ungeduld Raum gegeben hätten. Wenn sie sich nicht hätten bewähren wollen, mit allem Ehrgeiz - und ihre Hoffnung verraten, verkauft hätten für ein bequemes Leben.

Der Regenbogen - wunderbares Geschenk Gottes an die Menschheit. Gott sagt damit:
„Ewig sei die Angst gebrochen,
ich will mich mit euch verbünden
gegen Unrecht, Dummheit, Sünden.
Und der Regenbogen zeige,
dass ich mich der Welt zuneige!“
Keine Angst, nur Geduld. Unrecht, Dummheit, Sünden können nichts ausrichten, Gottes Friede geschieht sowieso. Zur Not auch ohne uns. Aber es ist gut, dabei zu sein. Wir können es. Du, ich, jede und jeder: „Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben!!!“

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserm Herrn. Amen.