Pfarrerin Antje Lütkemeier, Bad Lippspringe
III. Reihe: Lukas 16, 1 - 9
Wie schön wäre es, liebe Gemeinde, wenn ich heute hier stehen könnte, und über einen Bibeltext zur Entschuldungskampagne predigen dürfte. Die armen Länder dieser Erde könnten eine wirkliche Entschuldung gut gebrauchen, der Zins- und Tilgungsdienst zu Gunsten der Industrieländer ist häufig der größte Haushaltsposten im Staatshaushalt der sogenannten Entwicklungs- oder Drittweltländer.
Schön wäre das, es wäre mir auch ein Anliegen, welches mir auf dem Herzen liegt.
Um Umverteilung geht es schon in unserem heutigen Predigttext. Da bekommen Arme einen Teil ihrer Schulden erlassen und ein reicher Mann hat das Nachsehen. Allerdings hören wir nicht von einem biblischen Robin Hood, Schrecken der Reichen, Retter der Enterbten, der Witwen und Waisen. Aber lassen wir den Text aus dem Lukas-Evangelium zu Wort kommen:
Lk 16,1-9 Vom unehrlichen Verwalter
Jesus sprach aber auch zu den Jüngern: Es war ein reicher Mann, der hatte
einen Verwalter; der wurde bei ihm beschuldigt, er verschleudere ihm seinen
Besitz.
Und er ließ ihn rufen und sprach zu ihm: Was höre ich da
von dir? Gib Rechenschaft über deine Verwaltung; denn du kannst hinfort nicht
Verwalter sein.
Der Verwalter sprach bei sich selbst: Was soll ich tun?
Mein Herr nimmt mir das Amt; graben kann ich nicht, auch schäme ich mich zu
betteln.
Ich weiß, was ich tun will, damit sie mich in ihre Häuser aufnehmen, wenn ich
von dem Amt abgesetzt werde.
Und er rief zu sich die Schuldner seines Herrn, einen jeden
für sich, und fragte den ersten: Wieviel bist du meinem Herrn schuldig?
Er sprach: Hundert Eimer Öl. Und er sprach zu ihm: Nimm
deinen Schuldschein, setz dich hin und schreib flugs fünfzig.
Danach fragte er den zweiten: Du aber, wieviel bist du
schuldig? Er sprach: Hundert Sack Weizen. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen
Schuldschein und schreib achtzig.
Und der Herr lobte den ungetreuen Verwalter, weil er klug
gehandelt hatte; denn die Kinder dieser Welt sind unter ihresgleichen klüger
als die Kinder des Lichts.
Und ich sage euch: Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, damit, wenn
er zu Ende geht, sie euch aufnehmen in die ewigen Hütten
Kein Held, kein Gerechter, kein Retter der Armen und Unterdrückten, den uns
das Gleichnis hier vor Augen malt. Statt dessen: ein unfähiger Verwalter,
gescheitert an seiner Aufgabe, ja mehr noch, ein Betrüger, der seinen
Arbeitgeber betrügt, um daraus für sich Vorteil zu ziehen.
Der wird gelobt, weil er klug gehandelt hatte?!
Was soll nur werden, wenn schon die Bibel Unrecht, Betrug und Diebstahl als
beispielhaft darstellt? Und das dann auch noch als Jesus-Wort zitiert.
Natürlich lässt sich viel spekulieren. Ist der Vorgesetzte des Verwalters ein
ungerechter, cholerischer Mann? Fürchtet deshalb der Verwalter eine Entlassung
ohne ersichtlichen Grund? Erntet er, wo er nicht gesät hat? Hat der Reiche
sich seinen Besitz erschlichen? Mag sein, dass ich gerne auf diese Gedanken
setze. Sie bleiben reine Fantasie. Nicht wegzudeuten ist dagegen dieses: Es
steht der Vorwurf der unwirtschaftlichen Buchführung, sogar der Untreue im
Raum. Hätte der Beschuldigte ihn nicht durch den Nachweis der Bücher
entkräften können? Das Fälschen der Schuldscheine nährt den Verdacht, dass die
Vorwürfe stimmen. Er wird seine Arbeit zu Recht verlieren.
All das sind Spekulationen, nichts davon läßt sich wirklich durch das
Gleichnis belegen – denn es ist ein Gleichnis, keine Geschichtsschreibung.
Jesus erzählt häufiger Gleichnisse, kleine Geschichten oder
Szenen, die den Zuhörerinnnen und Zuhörern einen Sachverhalt ganz deutlich vor
Augen stellen sollen. Interessante Geschichten, Geschichten, an die man sich
erinnert.
Jesus erzählt häufig auch anstößige Gleichnisse, indem er
dort Figuren erzählerisch einbaut, die den Zuhörern entweder suspekt
erscheinen müssen, oder die landläufig ohnehin als Betrüger oder Gauner
bekannt waren – z.B. Hirten, Prostituierte oder Zöllner.
Unser Gleichnis fängt recht unverfänglich an und wird doch
zum Skandal.
Ein unfähiger, untreuer Verwalter, bald arbeitslos und kurz
vor dem Tag der Abrechnung mit seinem Herrn. Keiner, an dem man sich ein
Beispiel nehmen sollte.
So bleibt nur eins übrig, was dem Verwalter ein Lob
einträgt, ihn zum klugen Mann macht: Es ist seine Entschlossenheit. Es ist
sein Mut im Angesicht zu Ende gehender Perspektiven. Alle Wege verschließen
sich ihm. Nur eine Möglichkeit des Bestehens bleibt. Und die ergreift er, ohne
eine Sekunde zu zögern.
Jesus lobt das pragmatische Denken und Handeln des
Verwalters: der Mann hat wenigstens Verstand und macht das Beste aus seiner
Situation!
Diese Klugheit sollten wir uns zum Beispiel nehmen. Das
Bewußtsein, nicht mehr unbegrenzt Zeit zu haben, bis Rechenschaft von uns
gefordert wird für all das, was wir getan oder unterlassen haben. Wie der
Verwalter sollten wir alle Mittel, die uns zur Verfügung stehen, dafür
einsetzten, für Gottes Gerechtigkeit zu arbeiten, nach seinem Willen zu leben.
Geld ist hier nicht das Ziel, sondern nur das Mittel zum Zweck.
Jesus zeichnet uns den untreuen Verwalter vor Augen um sehr
drastisch zu sagen: resigniert nicht, angesichts der zu Ende gehenden
Perspektiven, nutzt eure Möglichkeiten, nehmt euren Mut zusammen und eure
Findigkeit, seid klug wie die Schlangen, um des Reiches Gottes Willen. Amen.