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Noch ist nichts zu spätPredigt zum Ewigkeitssonntag, 23. November 2003Pfarrerin Antje Lütkemeier, Bad Lippspringe |
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Matthäus 25, 1-13 (I.Reihe):
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Sie sind sprichwörtlich geworden, liebe Gemeinde, diese Jungfrauen, fünf törichte (leichtgläubige oder unkluge) und fünf kluge (vorausschauende) Frauen, die auf das große Hochzeitsfest warten. Matthäus fügt die Geschichte ein in seine große Sammlung von Worten und Bildern über Endzeit und Weltgericht. Die Menschen, für die er das Evangelium aufschreibt leben in einer schwierigen Zeit: vielleicht 50 Jahre sind vergangen seit dem Tod und der Auferstehung Jesu. Ich werde wiederkommen und euch alle zu mir nehmen, damit ihr seid, wo ich bin, so hatte Jesus es versprochen. Und nun sind so viele Jahre ins Land gegangen. Wie sollten sie leben? Voller Vertrauen auf die Zusage Jesu, von Tag für Tag, nicht für übermorgen planen, denn der Herr kann stündlich erwartet werden? Oder doch eher vorausplanend, denn die Wiederkunft des Herrn könnte sich noch weiter verzögern. Also wie die Jungfrauen, die begeistert das große Fest erwarten und die Lampen bereitmachen, denn der Bräutigam kommt. Öl brauchen sie keines, denn er wird doch bald kommen. Oder wie die Jungfrauen, die neben den Lampen auch an Öl denken und deshalb nicht weniger vertrauensvoll und freudig warten. Die Antwort kennen wir alle: klug werden die genannt, die vorausgeplant haben, die neben den Lampen auch an das Reserve-Öl gedacht haben, sie werden das große Fest mitfeiern. Zu den anderen, die schließlich vor der verschlossenen Tür stehen, sagt der Bräutigam: Ich kenne euch nicht! Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben? Wer zu spät kommt, verpasst das Beste? Zu welcher Art, klug oder töricht, gehören wir? Auch wir leben in schwierigen Zeiten. Seit etwa 2000 Jahren leben wir mit der Zusage Jesu: Ich werde wiederkommen und euch zu mir nehmen. Die wenigsten von uns leben von einem Tag zum anderen, sorgen nicht vor, weil sie quasi stündlich mit der Wiederkunft des Herrn rechnen. Für die allermeisten, so denke ich, ist alles das ein Geschehen in ferner Zukunft, vielleicht oder hoffentlich erst nach dem eigenen Tod. Dann würden wir doch schon gerne zum großen Fest Gottes eingeladen und vor allem eingelassen werden. Niemand möchte dann wohl vor der Tür stehen und hören: Ich kenne dich nicht. Zu welcher Art Menschen gehören wir also? Zu den klugen oder den törichten? Welches Urteil ist über uns gesprochen? Aber gehören wir wirklich in eine dieser beiden Kategorien? Wer von uns kommt am Ende dieses Kirchenjahres wirklich ins Grübeln, das das Reich Gottes immer noch nicht angebrochen ist? Die meisten von uns haben doch eher das Gefühl, das die Zeit viel zu schnell vergeht. Einige wenige, sehr alte oder sehr kranke, sind so schlecht dran, dass sie ein Ende herbeisehnen. Und dann gibt es immer mal wieder die, die die Zeichen der Zeit deuten wollen und das Ende berechnen, Panik und Schrecken verbreiten. Doch die allermeisten kümmert das wenig. Was erwarten wir schon noch? Wer also sind wir in dieser Geschichte? Weder sind wir wie die Jungfrauen, die sich zwar als klug erweisen, aber auch als sehr unfreundlich, denn ihr Öl wollen sie nicht teilen. Noch sind wir die, die zu spät kommen und die der Herr nicht kennt. Und der Bräutigam sind wir natürlich schon gar nicht. Wir sind ganz einfach die, die wir sind: denen nämlich diese Geschichte rechtzeitig bevor es zur Entscheidung kommt, erzählt wird. Unsere Perspektive, unsere Hoffnung, unser Ziel ist Gottes großes Fest. Sein anbrechendes Reich. Wir gehören zu denen, die sich noch darauf vorbereiten können. Die noch die Lampen putzen und das Öl besorgen können. Noch ist nichts zu spät. Die Geschichte von den zehn Jungfrauen ermutigt uns, nicht zu resignieren oder wie ein Kaninchen auf die Schlange auf den Tag X des Gerichts zu starren. Bewegungslos, bewegungsunfähig. Die Geschichte von den 10 Jungfrauen macht Mut zu neuen Anfängen, zu neuem Leben. Nicht Trauer und Freudlosigkeit, nicht der ständige Blick auf die Vergangenheit soll unser Leben bestimmen. Sondern die Möglichkeit, die vor uns liegt. Gottes großes Fest, zu dem wir eingeladen sind, auf das wir uns vorbereiten können, hier und jetzt. Denn heute ist der erste Tag vom Rest unseres Lebens, das Gott uns geschenkt hat, damit wir es nach seinem Willen leben. Amen.
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Kirchengemeinde Bad Lippspringe |
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23. November 2003 |