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VerklärungPredigt Letzter Sonntag nach Epiphanias 09.02.2003I. Reihe: Matthäus 17, 1-9Antje Lütkemeier, Pfarrerin Bad Lippspringe
Mit dem heutigen Predigttext ist mir das so ergangen. Natürlich hatte ich gelernt, dass dieser Text im Matthäusevangelium der ersten Leidensankündigung und der Aufforderung zur Leidensnachfolge folgt. Die Verklärung geschieht an Jesus, ist aber in der Darstellung des Matthäus ein Ereignis für die Jünger. Christus - als Auferstandener dargestellt - wird den Jüngern zur Quelle des Lichts. Im Kirchenjahr ist sie so etwas wie eine Gelenkstelle, die Weihnachts- und Epiphaniaszeit sind vorüber, die Passionszeit steht bevor. Matthäus hat in seinem Evangelium hier im 17. Kapitel die Erfahrungen der Jünger mit dem auferstandenen Christus schon vorweggenommen. Jesus erscheint als der ganz Andere, der Verwandelte, der Verklärte. Die Wolke erinnert bibelkundige Christen auch an die Erfahrungen des Volkes Israel in der Wüste. Mose stieg zum Empfang der Gebotstafeln auf einen Berg und Gott begegnete ihm in einer Wolke. Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe, den sollt Ihr hören. Der Satz Gottes, den manche Ausleger als „den zentralen Satz des Bibelabschnittes“ bezeichnen - natürlich konnte ich ihn immer schon als Bevollmächtigung und Aufforderung zur Nachfolge lesen. Oder historisch-kritisch als Stachel der frühen Gemeinde rund um Matthäus gegenüber der jüdischen Umwelt: seht ihr, dieser Jesus, den ihr ignoriert, hat die göttliche Anerkennung. Und wir in seiner Nachfolge mit ihm. Und trotz allem blieb mir der Text verschlossen und fremd.
Isaac Newton hat einmal gesagt. Wir müssen die Bibel nicht lesen wie ein Notar ein Testament liest, nämlich korrekt aber unbeteiligt, sondern wie es der rechtmäßige Erbe liest, nämlich staunend und gespannt für das, was Gott bereit hält.
Keines der alten, kunsthistorisch bedeutsamen Bauwerke: die Kirche auf dem Tabor, dem Berg der Verklärung in Galiläa. Erbaut von dem italienischen Architekten Barluzzi, der es verstanden hat, Theologie in Architektur umzusetzen. Durch eine große, schwere, beeindruckende Tür kommt man hinein. Geht einige Schritte durch das Kirchenschiff. Steigt über Stufen hinab in die Krypta. Und kann nur noch staunen. Denn wo eigentlich der Tradition gemäß eine Decke sein sollte, mit dem Altarraum darüber und einer Kuppel, da öffnet sich eine große Weite. Blau und Gold sind die vorherrschenden Farben und man hat das Gefühl: hier ist der Himmel offen.
Ein Augenblick, sehr, sehr selten, da scheint Gott ganz nah. Da gibt es keine Fragen mehr. Da ist nur noch Klarheit und Licht und weite freie Sicht, ein Moment zum durchatmen. Das Gefühl zu leben, nicht nur zu existieren. Der Augenblick, für den Goethes Faust seine Seele verkauft, weil er zu wenigstens einem Moment sagen möchte: Verweile doch, du bist so schön. Die alte Versuchung. Und schon sind wir mitten im biblischen Text, denn nichts anderes sagt der überwältigte Petrus, allerdings mit den Worten: Herr, laß uns Hütten bauen, eine für Mose, eine für Elia und eine für dich.
Augenblicke wie ein Geschenk. Von einer solchen Erfahrung berichtet Matthäus. Wie genau das geschehen sein mag ist unerheblich. Entscheidend ist nur der Moment: Klarheit, keine Zweifel mehr, keine Unsicherheit. Gott ist ganz nah, Gott an meiner Seite. In solchen Augenblicken spüren wir deutlich: „Wir sind nicht als Kellergeister geboren, wir wollen doch nicht wie eingelagerte Kartoffeln kühl und dunkel unser Leben fristen.“
Aber diese Erlebnisse sind nicht von Dauer. Kein Augenblick verweilt. Kein Glück dauert ewig. Keine Klarheit. „die Erfahrung ist erschreckend: das wesentliche, das, was das Leben ausmacht, in seinem tiefsten Grund, das, was wirklich und allein zählt, das läßt sich nicht festhalten, das zerrinnt mir unter den Händen.“ So schreibt einer über diesen Predigttext: „
aus der
blühend-zarten liebe wird routinierte langzeitehe
Nach jedem Gipfelerlebnis, jedem Höhenflug werden wir unweigerlich auf den Boden der Tatsachen zurückkehren müssen. Steht auf, fürchtet euch nicht, so sagt Jesus zu den überwältigten Jüngern. Vielleicht meint er nicht nur die Furcht und das Erstaunen darüber, wie nah Gott den Menschen kommen kann. Vielleicht meint er auch das, was vor ihnen liegt. Steht auf, fürchtet euch nicht: so kehren sie zurück zu den kranken und verzweifelten Menschen, zurück zu den Mutlosen. Zurück aber auch zu den Gegnern, denn der Weg vom Berg hinunter führt unweigerlich nach Jerusalem, nach Golgotha.
Steht auf und fürchtet euch nicht: mit der Erfahrung wie nah Gott uns Menschen kommt und mit der Erinnerung an die Klarheit und das Durchatmen geht es zurück auf den Boden unserer Tatsachen.
„Zurück zu den Saddam Husseins und George W. Bushs, zurück in die Welt der Dummheit und der Gewalt.“ Steht auf und fürchtet euch nicht. Mit dem Licht der Auferstehung vor Augen gibt es andere Wege als die des Krieges. Steigt vom Berg herunter, auf den Boden der Tatsachen, und ergreift Partei für die Gerechtigkeit. Tretet ein für den Frieden. Für Leben nach Gottes Willen. Steht auf und fürchtet euch nicht. Amen
2 Und er ward verklärt vor ihnen, und sein Angesicht
leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiß wie ein Licht. 3 Und siehe, da erschienen ihnen Mose und Elia; die
redeten mit ihm. 6 Da das die Jünger hörten, fielen sie auf ihr
Angesicht und erschraken sehr. Wochenlied:»Herr
Christ, der einig ... (EG 67)
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| 09. Februar 2003 |
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