Warum es bei Katholiken so viele Heilige gibt – und bei Evangelischen nicht

Warum es bei Katholiken so viele Heilige gibt – und bei Evangelischen nicht

Warum es bei Katholiken so viele Heilige gibt – und bei Evangelischen nicht

# Neuigkeiten

Warum es bei Katholiken so viele Heilige gibt – und bei Evangelischen nicht

Wer katholische Kirchen besucht, begegnet ihnen überall: Maria, Franziskus, Antonius, Elisabeth. In der evangelischen Kirche ist das deutlich anders.
Das liegt nicht daran, dass Protestanten keine beeindruckenden Glaubensmenschen kennen würden. Der Unterschied ist vor allem theologisch. In der katholischen Kirche sind Heilige Menschen, deren Leben in besonderer Weise auf Gott verwiesen hat. Nach einem geregelten Verfahren können sie selig oder heiliggesprochen werden. Mit der Heiligsprechung erklärt die Kirche offiziell, dass diese Person verehrt und um Fürbitte bei Gott angerufen werden darf. Dabei ist wichtig: Heilige werden im katholischen Verständnis nicht angebetet. Anbetung gilt allein Gott. Heilige gelten vielmehr als Vorbilder des Glaubens und als Fürsprecher.
Die evangelische Tradition setzt einen anderen Schwerpunkt. Seit der Reformation steht stark im Zentrum, dass der Mensch allein durch Gottes Gnade und durch den Glauben gerechtfertigt wird. Zwischen Gott und Mensch braucht es nach diesem Verständnis keinen weiteren Mittler neben Jesus Christus. Genau deshalb lehnt die evangelische Theologie die Anrufung von Heiligen ab. Das Augsburger Bekenntnis, eine der wichtigsten evangelischen Bekenntnisschriften, sagt es ziemlich klar: Man soll der Heiligen gedenken und sich an ihrem Glauben ein Beispiel nehmen – aber man soll sie nicht anrufen oder bei ihnen Hilfe suchen.
Ganz heiligenfrei ist der Protestantismus deshalb aber nicht. Auch in evangelischen Kirchen gibt es eine Erinnerungskultur für Glaubenszeugen, etwa für Dietrich Bonhoeffer oder andere Menschen, die mutig und glaubwürdig gelebt haben. Sie werden geschätzt, zitiert und gewürdigt – nur eben in der Regel nicht offiziell heiliggesprochen und nicht um Fürbitte angerufen. Der Heidelberger Katechismus formuliert diese Abgrenzung noch einmal deutlich, wenn er das Anrufen von Heiligen ausdrücklich zurückweist.
Der eigentliche Unterschied lautet also nicht: Hier gibt es heilige Menschen, dort nicht. Sondern: Die katholische Kirche hat eine ausgeprägte Heiligenverehrung mit offizieller Heiligsprechung. Die evangelischen Kirchen kennen Glaubensvorbilder, wollen aber vermeiden, dass jemand zwischen Christus und die Gläubigen tritt. Oder etwas salopp gesagt: Die einen führen ein Heiligenverzeichnis, die anderen eher ein stilles Gedächtnis ihrer großen Glaubensgestalten.
Daniela Hillbricht

Foto: gemeindebrief.de / Canva Magic

Dies könnte Sie auch interessieren

0
Feed